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„Enttäuscht von ÖVP“

Während sich die Chefs der ÖVP-regierten Bundesländer wie ihr Parteichef Michael Spindelegger gegen das in der Modularen Oberstufe geplante automatische Aufsteigen mit drei Fünfern aussprechen, hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Dienstag aus den Ländern mit SPÖ-Regierung Unterstützung bekommen.

Mit dem Vorgehen der ÖVP zeigen sich die SPÖ-Vertreter nicht glücklich. „Ich bin persönlich enttäuscht von der ÖVP, dass sie jetzt beim Reformprozess zurückrudert“, sagte etwa Salzburg Landeshauptfrau Gabi Burgstaller(SPÖ) gegenüber der APA. Einen Schritt nach vorne und dann zwei Schritte zurückzugehen sei das falsche Signal in der Bildungspolitik. „Wir brauchen eine Aufbruchsstimmung“, betonte Burgstaller und versicherte Schmied ihre Unterstützung bei der Abschaffung des Sitzenbleibens.

Schüler, die wegen zwei oder drei Fünfern die Klasse wiederholen müssen, würden dadurch aus der Klassengemeinschaft gerissen, was in Frustration und Langeweile münde, weil sie ja in den anderen Fächern bestanden haben, so die Salzburger Landeshauptfrau. Eine Voraussetzung für das Aufsteigen mit drei Fünfern sei, dass diese Schüler durch ein modulares System gefördert werden.

Ackerl sieht Koalition in Gefahr

Kritik am Kurs der ÖVP in Sachen Bildungspolitik übt auch der oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Ackerl (SPÖ). Er sieht die Bundeskoalition in Gefahr - mehr dazu in ooe.ORF.at.

In der ÖVP hätten sich offenbar die „beharrenden Kräfte“ durchgesetzt, bedauerte auch der Wiener Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) am Dienstag gegenüber der APA und plädierte erneut für eine generelle Abschaffung des Wiederholens von Klassen. „Ich halte das Sitzenbleiben für volkswirtschaftlich, aber auch pädagogisch für völlig verfehlt“, betonte er. Dass das geplante Maßnahmenpaket nun offenbar so nicht komme, sei schade.

Niessl fordert rasche Umsetzung

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) fordert ebenfalls die rasche Umsetzung des vereinbarten Modells: „Es ist pädagogisch und volkswirtschaftlich unsinnig, wenn Schüler wegen einzelner schlechter Schulnoten die gesamte Schulstufe wiederholen müssen.“ Generell tritt Niessl für mehr Tempo bei Bildungsreformen ein, „wir müssen jetzt handeln und nicht jahrelang darüber diskutieren“, so Niessl in einer Stellungnahme.

Wolfgang Erlitz (SPÖ), Amtsführender Präsident des Landesschulrats Steiermark, zeigte sich verwundert über die laufende Diskussion und verteidigte Schmieds Pläne: „Ich höre immer, ein Aufsteigen mit drei Fünfern sei künftig möglich. Das stimmt so überhaupt nicht“, so Erlitz. Die Schüler müssten im neuen System jedes Semester - und nicht nur das zweite Semester - positiv abschließen, „jetzt kann man mit einem Fünfer im Jahreszeugnis aufsteigen (auf Beschluss der Klassenlehrerkonferenz, Anm.) und muss über den laut Notenbezeichnung ,nicht genügend’ erfassten Stoff keine Prüfung mehr ablegen“, hält Erlitz entgegen.

FPK dagegen

Auf die Seite der ÖVP schlug sich indes Kärnten, von dort kam ein „klares Nein zum bedingungslosen Aufsteigen“. „Damit würden wir in der Bildungspolitik in die falsche Richtung gehen“, sagte der für Bildungsfragen zuständige Landeshauptmann-Stellvertreter Uwe Scheuch (FPK) am Dienstag auf Anfrage der APA. Mit dem vorgeschlagenen System könne man das Maturazeugnis gleich mit der Geburtsurkunde überreichen, so Scheuch.

Bei einer „selektiven Schwäche“ in bloß einem Unterrichtsfach kann sich Scheuch allerdings Ausnahmen und damit eine Aufstiegsmöglichkeit mit einem Fünfer vorstellen. Würde man nämlich jungen Menschen mit nur einem Schwachpunkt die Matura verwehren, würde „vielen klugen Köpfen der Weg zur höherer Bildung verwehrt“, sagte der FPK-Politiker.

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Publiziert am 21.06.2011