Rom will alle Flüchtlinge von Lampedusa wegbringen

Die Regierung Berlusconi plant eine massenweise Verschiffung der nordafrikanischen Flüchtlinge von der hoffnungslos überfüllten italienischen Mittelmeer-Insel Lampedusa. Sechs Schiffe will das Innenministerium nach Lampedusa entsenden, um die über 5.000 Flüchtlinge, die sich noch auf der 20 Quadratkilometer großen Insel befinden, aufs Festland zu bringen.

Video dazu in iptv.ORF.at

Bewohner besetzen Rathaus

Aus Protest wegen der nicht abreißenden Flüchtlingswelle besetzten einige Bürger das Rathaus und rollten Spruchbänder aus. „Wir sind keine Rassisten, hier geht es ums Überleben“, betonte ein Demonstrant. Die Bürger bemängelten, dass die Straßen der Insel von tunesischen Migranten belagert seien. Die hygienische Lage sei besorgniserregend.

Die Regierung will jedem Tunesier, der freiwillig in seine Heimat zurückkehrt, 2.000 Euro zur Verfügung stellen. Für die Migranten von Lampedusa will der italienische Innenminister Roberto Maroni provisorische Auffanglager zur Identifizierung und Abschiebung aufbauen.

Zeltlager in Apulien und Sizilien

Bis zu 1.500 Menschen sollen in einem Zeltlager in Manduria unweit der apulischen Stadt Taranto untergebracht werden. Das Zeltlager wird auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens entstehen.

Ein zweites Zeltlager ist auf dem Militärflughafen der sizilianischen Stadt Trapani geplant. „Niemand hatte mit einem derartigen Migrantenstrom aus Tunesien gerechnet“, sagte Vizeinnenminister Alfredo Mantovano. Seit Jahresbeginn erreichten 18.000 Tunesier die Insel Lampedusa, im vergangenen Jahr waren es lediglich 27.