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Starke Nachbeben

Ein zehn Meter hoher Tsunami hat die Nordostküste Japans überrollt und verheerende Schäden angerichtet. Die Flutwelle wurde am Freitag durch das stärkste Erdbeben in der Region seit mindestens 140 Jahren ausgelöst und riss an der Küste alles mit sich fort - Autos, Schiffe und Häuser.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie riesige Wassermassen das Land überfluteten und Hunderte Meter ins Landesinnere vordrangen. Laut bisherigen Polizeiangaben und Berichten lokaler Behörden starben mehr als 40 Menschen. Allerdings wird damit gerechnet, dass die Zahl angesichts des Ausmaßes der Katastrophe erheblich steigen werde - mehr dazu in science.ORF.at.

Laut Kyodo wurde ein Boot mit 100 Insassen von den Wellen weggespült. Das Beben der Stärke 8,9 löste auch Erdrutsche aus, zahlreiche Gebäude standen in Flammen. Die US-Erdbebenwarte zählte mindestens 23 größere Nachbeben. Das schwerste Nachbeben erreichte 40 Minuten nach dem ersten Erdstoß der Stärke 8,9 einen Wert von 7,1. Augenzeugen berichteten, dass die Erde immer wieder bebt. Die Erschütterungen könnten auch in Monaten noch sehr stark sein und eine Magnitude von sieben oder acht erreichen, sagte der Geophysiker Rainer Kind am Freitag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Mehrere riesige Wellen

Laut Regierungsangaben brachen im Nordosten rund 50 Feuer aus, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Auch die Küste der südlich der Stadt Sendai gelegene Präfektur Fukushima wurde nach Meldungen der Nachrichtenagentur Kyodo von einem sieben Meter hoher Tsunami überflutet. Der japanische Wetterdienst teilte mit, dass auch in der Stadt Soma im Nordosten ein Tsunami mit einer Wellenhöhe von mehr als 7,3 Metern gemessen wurde. Mittlerweile gibt es mehrere Videoaufnahmen von Augenzeugen auf YouTube.

Vom Tsunami erfasste Autos

AP/NHK TV

Die Welle riss alles mit sich.

Das Erdbeben ereignete sich gegen 14.45 Uhr Ortszeit (6.45 Uhr MEZ). Das Epizentrum des Bebens lag vor der Küste des Landes. Die Meteorologen sprachen erst von einem Beben der Stärke 7,9, stuften diesen Wert jedoch Freitagfrüh auf 8,9 hoch. Die japanischen Behörden gaben die Stärke des Bebens zuerst mit 8,4 an. Die örtlichen Behörden seien zum Teil nicht in der Lage, den Menschen zu Hilfe zu kommen. Die Katastrophe sei so schlimm, dass selbst örtliche Rettungsdienste zusammengebrochen seien, so NHK.

Millionen ohne Strom

Die Beben ließen auch die Häuser in der rund 400 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio heftig wanken. Millionen Menschen waren ohne Strom, nachdem die Atomkraftwerke abgeschaltet wurden. Es gebe jedoch keine Probleme mit den Anlagen, versicherte Regierungschef Naoto Kan. Die Nahverkehrszüge sowie die U-Bahn in Tokio stellten den Betrieb ein, auch der Tokioter Flughafen Narita und alle Häfen des Landes wurden geschlossen.

Karte von Japan

Graphi-Ogre

Riesen-Tsunami vor dem Hafen Sendai

Ähnlich gewaltig wie Tsunami 2004

Das Erdbeben in Japan hat Experten zufolge ähnliche Ausmaße wie das verheerende Beben im Dezember 2004 vor Indonesien. Es sei zwar nicht ganz so groß, aber in derselben „Preisklasse“, sagte der Seismologe Michael Weber vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) am Freitag in Potsdam. „Ein Beben, das in dieser Region alle paar hundert Jahre passiert“, sagte Weber der Nachrichtenagentur dpa.

Der GFZ-Forscher Birger-Gottfried Lühr bezeichnete das Beben als „gewaltig“. Er warnte vor den Gefahren durch den ausgelösten Tsunami. „Da hat der ganze Pazifikraum noch ein bisschen mit zu tun.“ Das Beben werde Freitagnachmittag auch die Westküste der USA erreichen.

Vermutlich bisher schlimmstes Erdbeben

Die Regierung in Tokio gehe von der Annahme aus, dass es möglicherweise das bislang schlimmste Erdbeben in der Geschichte Japans sei, sagte der Chefsekretär des Kabinetts, Yukio Edano, nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Ministerpräsident Kan ordnete unterdessen an, dass das Militär die größtmöglichen Anstrengungen unternimmt, um auf das Beben zu reagieren, meldete Jiji. Die Regierung habe ein Krisenzentrum unter seiner Führung eingerichtet, sagte der Ministerpräsident.

Flutwelle überrollt Sendai

AP/NHK TV

Ganze Häuser wurden weggerissen.

UNO schickt Einsatzteams

Die Vereinten Nationen bereiteten sich auf die Entsendung von 30 Einsatzteams zur Katastrophenhilfe für Japan vor. „Unsere Experten stehen in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden in Japan“, sagte die Sprecherin des UNO-Büros für die Koordinierung humanitärer Einsätze (OCHA), Elisabeth Byrs, in Genf.

Auch die EU sicherte als Reaktion auf die Erbebenkatastrophe dem Land ihre Solidarität zu. „Wir sind zutiefst besorgt über die Nachricht von dem verheerenden Erdbeben“, sagten EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso und EU-Ratspräsident Herman van Rompuy in einer gemeinsamen Erklärung, die am Freitag in Brüssel zu Beginn des EU-Sondergipfels zu Libyen verbreitet wurde. „Falls nötig, stehen wir für jede Unterstützung bereit“, heißt es darin

Außenministerium in Kontakt mit Österreichern

Ob auch Österreicher von der Katastrophe betroffen sind, war zunächst unklar. Das Außenministerium steht laut Eigenangaben seit Bekanntwerden des Erdbebens mit der dort ansässigen Botschaft in Kontakt. Großteils seien Mobilfunkverbindungen zusammengebrochen und Flughäfen geschlossen. Die Situation an Ort und Stelle sei sehr unübersichtlich. Die Mitarbeiter versuchten dennoch, alle Österreicher zu kontaktieren, von denen bekannt ist, dass sie sich in der Krisenregion aufhalten.

Die einzige dem Ministerium bekannte Österreicherin in Sendai sei jedoch auf Urlaub und wohlauf, berichtete der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal, der APA.

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