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Bundeshauptstadt prescht vor

Wien wird im April einen Katalog an Verwaltungsdaten im Internet präsentieren und frei zur Verfügung stellen, wie der CIO der Stadt Wien, Johann Mittheisz, gegenüber ORF.at erklärt. Wien folgt damit einem weltweiten Trend. Neben dem Vorreiter USA können auch bereits zahlreiche europäische Städte Open-Government-Data-Initiativen vorweisen.

Vereinzelt waren Verwaltungsdaten der Stadt Wien bereits bisher via Internet abrufbar. Diese Datensätze waren jedoch zum einen in den Wirren des Internets schwer aufzufinden und zum anderen standen sie meist nicht in maschinenlesbarer Form zur Verfügung, etwa in ein PDF-Dokument eingebettet. Demnächst soll eine Website die bereits zur Verfügung stehenden Daten der Stadt Wien übersichtlich auflisten und abrufbar machen, kündigt Mittheisz an, der für die Open-Government-Strategie der Stadt Wien verantwortlich ist.

Transparenz bringt Demokratie

Das Zur-Verfügung-Stellen von öffentlichen Daten bringt mehr Transparenz und stärkt somit das Vertrauen in die Demokratie, so die Befürworter, zudem fördert es das Innovationspotenzial. So wird den Daten auch ein nicht unbeträchtliches wirtschaftliches Potenzial zugeschrieben.

Die Anwendungsbeispiele für die Verwendung der Datensätze wie demografische Daten, Wahlergebnisse, Grundstücksinformationen, Standorte von Apotheken, Radwegen und Einbahnen sind zahlreich. Untereinander kombiniert und visualisiert in einer Landkarte können die Daten ihre Aussagekraft steigern.

Anwendungsbeispiele

Ein Beispiel aus Österreich ist das Projekt U-Bahn-Aufzug von open3, das sich an die Fahrgäste der Wiener Linien richtet. Nutzer können Störungen an Aufzügen und Rolltreppen in den Stationen melden. Die auf einer Karte visualisierten Daten informieren etwa gehbehinderte Personen im Voraus. Würden die Wiener Linien selbst diese Informationen in maschinenlesbarer Form freigeben, würde sich die Website automatisch aktualisieren.

Weitere fiktive Beispiele wären: Die Kombination von Radwegen und Verkehrsunfallstatistiken ließe auf die sichersten Radwege in der Stadt Rückschlüsse zu. Mit einer Datenkombination zu Lärmbelästigung, Verkehrsanbindung, Grünfläche und Immobilienpreise ließe sich schnell der bevorzugte Wohnbezirk herausfinden. Sehr interessant wären auch die Ergebnisdaten der Gesundheitsinspektoren kombiniert mit User-Meinungen zu diversen Gastronomiebetrieben.

Open Data

Als „offene Daten“ werden Datenbestände bezeichnet, die im Interesse der Allgemeinheit sind und ohne Einschränkungen zur freien Nutzung, Verbreitung und Weiterverwendung zur Verfügung stehen. Die Open-Government-Data-Prinzipien sehen unter anderem auch vor, dass die Daten nicht personenbezogen sein sollen, für jede Person frei zugänglich sind und vor allem auch in maschinenlesbarer Form angeboten werden.

Geodaten und Statistiken

„Wir haben viele Services auf wien.gv.at, die wir über ein Portal besser zur Verfügung stellen können“, so Mittheisz. Auf der neuen Website sollen neben den Datensätzen auch Erklärungen zu Schwerpunktthemen wie Geodaten und Statistiken zu finden sein. Aus jenen Bereichen werden die ersten Datensätze stammen, wie etwa Standortdaten von Apotheken und Einbahnen in Wiens Verkehrsnetz. Vorerst sei wichtig gewesen, dass all jene Daten, die bereits vorhanden seien, zur Verfügung gestellt werden.

Danach sollen vor allem dort Schritte gesetzt werden, wo es Bedarf gebe, erklärt Mittheisz die weitere Vorgehensweise. „Um ein Gefühl zu bekommen, wo die Anforderungen sind, werden wir eine öffentliche Umfrage starten.“ Geplant sei diese im zweiten Halbjahr 2011.

Rot-grünes Koalitionsversprechen

Mehrere Aspekte sind es, die das Thema Open Government Data vorantreiben. Zum einen ist das Bekenntnis zu Open Government und Open Data im rot-grünen Koalitionspapier der Wiener Stadtregierung niedergeschrieben worden.

Auch auf nationaler Ebene kam in den vergangen Monaten wieder Schwung in das Thema. Nach monatelanger Stille ließ das von der österreichischen Bundesregierung gegründete Kompetenzzentrum Internetgesellschaft (KIG) wieder aufhorchen. Die zentrale IKT-Koordinierungsstelle von Bundeskanzleramt, Finanz-, Wirtschafts- und Infrastrukturministerium unterschrieb im Februar einen Ministerratsvortrag. Unter den prioritären Projekten, die Politik und Wirtschaft umsetzen wollen, findet sich auch Open Data.

Auch EU macht Druck

Und schließlich gehen auch „die Auflagen seitens der EU, wie etwa auch die digitale Agenda, schon sehr weit“, meint Mittheisz. So gebe es schon sehr umfassende Visionen seitens der Europäischen Kommission dazu. Mitte Dezember bekannte sich die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes einmal mehr zu einem „Ja zu Open Data“ und kündigte zugleich ein EU-Datenportal an. Auf der Website sollen künftig Daten der Europäischen Kommission maschinenlesbar und frei verfügbar zum Download angeboten werden. Nach Schätzungen der Kommissarin könne der Markt einen jährlichen Umsatz von 30 Milliarden Euro machen.

Darüber hinaus wird die EU-Richtlinie zur Weiterverwendung von Daten des Öffentlichen Sektors (Public Sector Information – PSI) derzeit novelliert. Ziel der Richtlinie ist der Abbau von Barrieren – sprich Wettbewerbsverzerrungen – auf dem Binnenmarkt für Institutionen und Unternehmen, deren Produkte auf öffentlichen Daten basieren. Ein Report zu der im November vergangenen Jahres abgeschlossenen Konsultation dazu soll in den nächsten Wochen folgen.

Ein Blick auf die Ergebnisse der Konsultation habe gezeigt, dass erstmals sehr stark gefordert wurde, öffentliche Daten auch als Cultural Heritage (Kulturerbe) anzuerkennen und in der Richtlinie niederzuschreiben. „Diese Forderung hat es früher nicht gegeben“, meint Martin Kaltenböck von Open-Government-Data (OGD) Austria gegenüber ORF.at. Seiner Meinung nach sei vor allem notwendig, dass „man konkreter wird“. Derzeit sei die Richtlinie zu oberflächlich.

Wien überholt Linz

Über die Ankündigung der Stadt Wien ist Kaltenböck „sehr begeistert. Das Zweiwegesystem haben wir immer propagiert.“ Die Initiative habe sich immer dafür eingesetzt, bereits bestehende Datensätze sofort zur Verfügung zu stellen, während über die restlichen vielleicht auch sensiblen Datenbestände später entschieden werde könne und diese eventuell nachfolgen.

Hält die Stadt Wien ihren Zeitplan, dann kommt sie damit der Ankündigung der Stadt Linz zuvor, meint Kaltenböck. Denn Stefan Pawel, Leiter des Projekts Open Commons Region Linz, hatte die Öffnung der Verwaltungs- und Regierungsdaten der oberösterreichischen Landeshauptstadt und die Präsentation eines Portals für September 2011 angekündigt.

Claudia Glechner, ORF.at

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