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Altherrenwitze über neue Technologien
Das Ansinnen der Academy of Motion Picture Arts and Sciences scheint es gewesen zu sein, die Oscars für ein jugendliches Publikum zuzuschneiden, damit die Einschaltquoten nicht mit den Zusehern in Pension gehen, sondern auch nachhaltig für die nächsten Jahre und Jahrzehnte für das Filmevent des Jahres auf hohem Niveau erhalten bleiben.
Debatte: Hat die Oscar-Jury recht?
Mit der 28-jährigen Schauspielerin Anne Hathaway wurde die jüngste Oscar-Moderatorin aller Zeiten engagiert. Und James Franco (32), der als jugendliches Sexsymbol gilt, durfte moderieren, obwohl er gleichzeitig als bester Hauptdarsteller („127 Hours“) nonimiert war, ebenfalls ein Novum - Video dazu in iptv.ORF.at.
„SMS von Charlie Sheen“
Die Gags werden wie zumeist bei solchen Veranstaltungen von einem ganzen Autorenteam verfasst. Diesmal hielt man - vonwegen Jugendlichkeit und wohl auch, weil „The Social Network“ zu den Favoriten zählte - offenbar Witze über Web 2.0 und Smartphones als roten Faden des Abends für angebracht. Und das, obwohl die Allgegenwart der beiden heute kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorholt. Die Konsequenz daraus, schreibt die „New York Times“ sinngemäß: Zwei junge Menschen mussten auf der Bühne Altherrenwitze über die technologischen Neuerungen von gestern reißen.
AP/Mark J. TerrillJames Franco beim SMS-TippenFranco musste schon, als er bei der Eröffnung des Abends die Bühne betrat, eine SMS lesen. Justin Timberlake kündigte im Rahmen einer Kurzmoderation auf der Bühne eine Neuerung im Ablauf des Abends an: „Dafür haben sie sicher eine App geschrieben.“ Sogar als Franco in einer Marilyn-Monroe-Verkleidung auftrat - schon ein Sparwitz für sich genommen -, ging es in der Tonart weiter. Er sagte: „Ich hab’ gerade eine SMS von Charlie Sheen bekommen.“
Hinter der Bühne wird getwittert
Auch sonst mussten Social Media herhalten, nicht zum Vorteil der Veranstaltung. Normalerweise ist das Geschehen hinter der Bühne tabu. Diesmal wurde via Twitter darüber berichtet, es gab sogar Livestreams während der Show, teilweise wurde das Material sogar im Rahmen der Moderation verwendet. Dadurch, heißt es, sei das Mystische der Oscars - oder das, was davon noch übrig war - flöten gegangen. Schließlich durften sogar noch die Mütter der Nominierten twittern.
Tradition hat bereits das Comedy-Video, an dem die Moderatoren mitwirken. Man kann es der diesjährigen Organisation nicht anlasten, dass hier viel Halblustiges verbraten wurde, das ist jedes Jahr so. Heuer wurden Franco und Hathaway in Szenen der nominierten Filme hineingeschnitten und trieben ihr Unwesen in den Kulissen von „True Grit“, „Inception“ und „The King’s Speech“.
Gefährlicher Vergleich
Der Kardinalfehler aber, schreiben mehrere Medien, war es, den langjährigen Moderator Billy Crystal einzuladen. Er wurde vom Publikum mit langen Standing Ovations empfangen. Und als ob dadurch der Unterschied zur Moderation von Franco und Hathaway nicht schon groß genug gewesen wäre, wurde schließlich noch ein Video von Bob Hope eingespielt, dem legendärsten aller Oscar-Gastgeber.
Tratsch um Roben
Abgesehen von den geplanten Show-Acts gibt es diesmal jedoch wenig Skandalöses zu berichten. Melissa Leo, die zur besten Nebendarstellerin gekürt wurde, entschlüpfte bei ihrer Dankesrede ein „Fucking“ - was in der US-Übertragung prompt durch einen Piepton ersetzt wurde. Viel geätzt wurde über das silbrig-weiße Dior-Kleid von Nicole Kidman, das mit seiner Wickeltechnik an einen Kimono erinnerte, wie es hieß. „Das sieht nicht bequem aus, ist es aber“, beteuerte Kidman auf dem roten Teppich. Hollywood-Blogger Perez Hilton kürte die Robe zu „einem der schlechtesten Kleider“ des Abends: „Es sieht aus wie ein selbst gebasteltes Kleid zum Abschlussball.“
Apropos Kleid: Die britische „Daily Mail“ lobte den seltsam anmutenden Wettbewerb aus, wer den kürzesten Rock bei einer der After-Partys nach den Oscars trägt. The winners are: Taylor Swift und Cameron Diaz. Dafür gibt es zwar keinen Oscar, aber für ein bisschen Tratsch reicht es immerhin.
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Publiziert am 28.02.2011