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„Auf neue Art genutzt“

Körperwärme ist nicht gerade die Energiequelle, die einem in den Sinn kommt, wenn große Unternehmen drastisch steigende Energiekosten in den Griff bekommen wollen. Das schwedische Unternehmen Jernhusen, das den Zentralbahnhof in der schwedischen Hauptstadt Stockholm renoviert, will nun allerdings Körperwärme zur Beheizung einsetzen.

Wärme, die jeder von sich gibt, sei schon lange eine Energiequelle, die verschwendet werde, so das Unternehmen zur britischen BBC. Jernhusen hat nun einen Weg gefunden, diese Energiequelle im großen Stil anzuzapfen. Mit der Körperwärme Hunderttausender Pendler, die täglich den Bahnhof benutzen, wird ein Haus gegenüber dem Zentralbahnhof beheizt.

„Das ist alte Technologie auf neue Art genutzt“, so Klas Johnasson, der Entwickler des neuen Systems und Kopf des Umweltzweiges des Unternehmens, gegenüber der BBC. Die wesentliche Neuerung bestehe darin, dass die Wärme nun zwischen zwei Gebäuden verlagert werde.

Vor allem bei Tätigkeiten wird Wärme frei

„Täglich durchqueren rund 250.000 Pendler und Reisende den Bahnhof und seine Passage.“ Jeder Mensch erzeuge wenig Wärme. Wichtiger sei hingegen die Aktivität der Personen. „Sie kaufen Getränke und Speisen, Zeitungen und Bücher.“ Und genau dabei werde viel Energie frei. All diese Energie erzeuge eine enorme Hitze. „Also warum sollten wir nicht probieren, das zu nutzen? Würde wir sie nicht verwenden, würde die Wärme einfach ungenutzt von der Entlüftung rausgeblasen werden“, so Johnasson.

Wärmetauscher im Belüftungssystem verwandeln die abgestrahlte Körperwärme in heißes Wasser, das dann in das zu beheizende Gebäude gepumpt wird. „Wir waren sehr erstaunt, dass bisher noch niemand auf die Idee gekommen ist“, so Johnasson über das Vorzeigeprojekt. Es sei generell ein guter Ansatz und ein gutes Geschäft. Man könne rund 25 Prozent der Energiekosten sparen, und auch der Wert des Gebäudes steige wegen der Minimierung der laufenden Kosten.

Von Klima und Energiekosten abhängig

In den nächsten 40 Jahren, so sind sich die meisten Experten einig, wird die Versorgung mit Öl und Gas immer schwieriger werden. Verstärkte Konkurrenz und ein Kampf um die Ressourcen werden die Folge sein. Johnasson sieht sein Energiekonzept als einen Teil des Auswegs aus der Misere. In dieselbe Kerbe schlägt Doug King, als Berater auf erneuerbare und Alternativenergien spezialisiert.

Man beginne sich nun für ganze Abhitzenetzwerke in Städten zu interessieren, so King. Kosten und Nutzen hängen allerdings sehr vom herrschenden Klima und von den Energiekosten im jeweiligen Land ab, so King zur BBC. So funktioniere die Nutzbarmachung von Körperwärme in Schweden aufgrund der niedrigen Temperaturen im Winter und der hohen Energiepreise. Johnasson selbst hofft, dass das Bahnhofsprojekt Schule macht und die neue alte Energiequelle Körperwärme vermehrt genutzt wird.

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Publiziert am 13.01.2011