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Von 20 auf zwei Prozent

Wenn sich die Lage der Christen im Nahen Osten nicht grundlegend verbessert, droht ihnen die völlige Vertreibung aus Regionen, wo die Kirche seit ihren Anfängen präsent war. Dann werde es dort in 50 Jahren keine Christen mehr geben, warnte ein Experte bei einem von Christian Solidarity International (CSI) am Freitag in Wien veranstalteten Pressegespräch.

Einig waren der Wiener Weihbischof Franz Scharl, der syrisch-orthodoxe Chorbischof Emmanuel Aydin, KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl (Koordinationsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz) und die Sprecherin der Ökumenischen Stiftung Pro Oriente, Pia de Simony, dass die Kirchen im Orient mehr Kooperation, die Solidarität des Westens und ehrliche Dialogpartner im Islam brauchen.

Mitte Oktober hatten sich in Rom die Bischöfe aus dem Nahost-Raum zu einer Synode versammelt, die sich mit der Lage, der Präsenz und den nötigen Hilfsmaßnahmen für die bedrängten Christen in Ländern wie dem Irak, dem Iran, Ägypten und dem Libanon auseinandersetzten.

„Nicht einmal von staatlicher Obrigkeit unterstützt“

Bischof Emmanuel Aydin fasste die schwierige Situation der christlichen Gemeinschaften gegenüber der APA in folgende drastische Worte: „Die Christen im Orient werden nicht einmal von ihrer eigenen staatlichen Obrigkeit unterstützt.“ Würden die kirchlichen Würdenträger eine Synode im eigenen Heimatland abhalten, könnte das tödliche Konsequenzen für sie haben.

In 50 Jahren gar keine Christen mehr?

Seitens CSI belegte Elmar Kuhn den rasant wachsenden Exodus der orientalischen Christen mit Zahlen: Vor hundert Jahren machten Christen rund 20 Prozent der Bevölkerung im Nahen Osten aus, deren Anteil sank inzwischen auf zwei Prozent und sinke weiter. Im Libanon etwa verringerte sich die Zahl der Christen von 60 Prozent auf rund ein Drittel, in der Türkei von einem Fünftel auf unter ein Prozent.

Auch auf der Nahost-Synode sei, wie Kathpress berichtete, darauf hingewiesen worden, dass es in 50 Jahren in vielen muslimisch dominierten Ländern der Nahost-Region überhaupt keine Christen mehr geben könnte.

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