Themenüberblick

Aktionen an allen Universitäten

Wochenlang haben im vergangenen Herbst die Proteste an den Universitäten die Innenpolitik dominiert. Nun regt sich erneut Widerstand, und diesmal sind es die Rektoren, die Druck machen. Mit Versammlungen und Kundgebungen wollen sie am Dienstag auf die finanzielle Situation der Unis aufmerksam machen und gegen geplante Kürzungen protestieren.

Bereits Anfang Oktober hatten die Rektoren Alarm geschlagen: Die Unis kämpfen schon jetzt mit wachsenden Studentenzahlen, ab 2013 wird das Unibudget aufgrund des angekündigten Einfrierens der Mittel real gekürzt.

Demo in Wien

Mit Vollversammlungen von Lehrenden und Studenten sowie Demonstrationen steht der Dienstag ganz im Zeichen von neuen Protesten. Diesmal werden allerdings zumindest vorläufig keine Hörsäle besetzt. Die Hochschülerschaft (ÖH) beschloss allerdings bereits einen Topf zur „Förderung bildungspolitischen Engagements“ in Höhe von 100.000 Euro. Konkret sollen damit „Protestmaßnahmen gegen verfehlte Bildungspolitik“ unterstützt werden.

Die größte Demo wird in Wien stattfinden, nach den Infoveranstaltungen soll es einen Sternmarsch von den Unis zum Parlament und eine Kundgebung auf dem Ballhausplatz geben. Während der Versammlungen fallen praktisch alle Lehrveranstaltungen aus bzw. sind Studenten für diese entschuldigt – mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Die Rektoren beklagen auch, seit Monaten auf einen Termin mit Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) und Kanzler Werner Faymann (SPÖ) zu warten. Ein zugesagter Termin gegen Ende November ist aus ihrer Sicht zu spät, gehen doch indes die Budgetverhandlungen bereits in die entscheidende Phase.

Medizinunis drohen mit Stellenabbau

Die drei Medizinischen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck kündigten bereits den Abbau von mindestens 450 Stellen - vor allem im ärztlichen Bereich - bis 2013 an, wenn die Regierung ihren angekündigten Budgetkurs nicht ändert. Eine Nichtnachbesetzung von Stellen werde dafür nicht reichen, so der Rektor der Medizinuni Innsbruck, Herbert Lochs, am Montag in Wien. „Wir werden Bereiche zusperren müssen.“

Mit dem Stellenabbbau, der bereits im kommenden Jahr beginnen müsste, könnten die 2013 anstehenden Gehaltssteigerungen, Biennalsprünge, Mieterhöhungen und die Teuerung der Sachmittel aufgefangen werden, so Medizinuni-Wien-Rektor Wolfgang Schütz. Komme es auch 2014 zu keiner Steigerung des Budgets, wiederholt sich das Spiel.

Gleichzeitig müsse aber die Grundlagenforschung und hier vor allem die klinische Forschung praktisch sistiert werden, weil die verbleibenden Ärzte stärker in der Krankenversorgung tätig sein müssten. Auch Ärztekammer-Chef Walter Dorner warnte vor „katastrophalen Auswirkungen auf die Bevölkerung“ – mehr dazu in science.ORF.at.

Studierendenzahl wächst stärker als Personal

Die Budgetmittel für die Unis halten mit der Steigerung der Studierendenzahl nur nominell mit. Das zeigt auch ein Blick auf die Bundesbudgets bzw. die Studentenzahlentwicklung der vergangenen Jahre. Folge daraus: Der Personalzuwachs war zwischen 2005 und 2009 nur etwa halb so hoch wie der Studentenzuwachs. Die Zahl der Professoren hat sich fast überhaupt nicht verändert.

Laut dem Statistiksystem uni:data des Wissenschaftsministeriums stieg die Studentenzahl zwischen 2005 und 2009 von rund 218.000 auf 274.000, das entspricht einem Plus von 26 Prozent. Der Personalzuwachs betrug dagegen im gleichen Zeitraum nur 13 Prozent: 2005 waren rund 29.800 Personen an den Unis beschäftigt (Vollzeitäquivalente), 2009 waren es rund 33.700. Kaum gewachsen ist dabei die Zahl der Professoren: 2005 waren es rund 2.090, 2009 2.140 (plus zwei Prozent).

Moderates Plus beim Budget

Die Steigerung des Budgets in diesen Jahren sieht nur auf den ersten Blick imposant aus: 2005 standen für Universitäten 2,128 Mrd. Euro zur Verfügung, 2009 2,652 Mrd. Euro. Das entspricht einem Plus von rund 25 Prozent.

Allerdings ist darin die Abgeltung für die Studiengebühren enthalten (157 Mio. Euro), die zuvor die Studenten bezahlten und die erst ab 2009 vom Bund übernommen wurden. Die Universitäten selbst haben daraus keine Zusatzeinnahmen - ohne die Gebühren beträgt das Budgetplus nur noch rund 17 Prozent. Davon noch abzuziehen ist die Inflation zwischen 2005 und 2009.

International unterdurchschnittlich

Im internationalen Vergleich ist Österreich mit seinen Hochschulausgaben unterdurchschnittlich: Die OECD-Staaten geben laut der jüngsten Studie „Bildung auf einen Blick“ im Schnitt 1,5 Prozent ihres BIP für den Hochschulsektor aus (Zahlen für das Jahr 2007), in Österreich sind es nur 1,3 Prozent des BIP. Die Rektoren fordern seit langem das vom Parlament angestrebte Hochschulbudget von zwei Prozent des BIP.

Auffallend in Österreich sind vor allem die geringen privaten Ausgaben für den Hochschulbereich: Es stammen 1,3 Prozent aller Hochschulausgaben und damit praktisch fast alle aus öffentlichen Quellen (OECD-Schnitt: 1,0 Prozent), private Quellen steuern nur 0,1 Prozent bei (OECD-Schnitt: 0,5 Prozent). Aufgrund von Rundungen ergibt sich daraus ein Gesamtwert von 1,3 Prozent.

Links:

Publiziert am 19.10.2010