Societe Generale: Kerviel muss nicht alles zahlen
Die französische Großbank Societe Generale will von ihrem verurteilten früheren Händler Jerome Kerviel den Schaden von 4,9 Milliarden Euro nicht komplett zurückfordern. Es stehe nicht zur Debatte, „solche Summen von einem einzigen Menschen zu fordern“, sagte die Sprecherin der Bank, Caroline Guillaumin, gestern dem Radiosender France Info. Die Societe Generale sei „vollkommen offen dafür, eine Lösung zu finden, die gleichzeitig im Interesse unserer Aktionäre und unserer Angestellten ist und die Situation von Jerome Kerviel in Betracht zieht“.
Der 33-jährige Kerviel hatte mit bis zu 50 Milliarden Euro spekuliert und die Societe Generale damit an den Rand des Ruins gebracht. Der Bank entstand Anfang 2008 dadurch ein Schaden in Höhe von 4,9 Milliarden Euro. Ein Pariser Gericht gab dem Skandalhändler tags davor die volle Schuld für die Finanzspekulationen und verurteilte ihn dafür zu drei Jahren Gefängnis und der Rückzahlung der 4,9 Milliarden Euro.
Guillaumin sagte, dass die Societe Generale zwar nicht auf Rückzahlungen verzichten werde, sich aber mit einer geringeren Summe zufrieden geben könnte. Die Bank habe nicht die Absicht, Kerviel für die kommenden 177.000 Jahre zu verschulden. So lange würde es gemessen an dem jetzigen Gehalt Kerviels als Berater für ein Informatikunternehmen dauern, wenn er jeden Monat sein komplettes Gehalt abgeben würde. Eine Entscheidung über die Rückzahlungen könne jedoch erst getroffen werden, wenn der Prozess vollkommen beendet sei, sagte die Sprecherin. Kerviel hatte Berufung gegen das Urteil angekündigt.
Publiziert am 06.10.2010