ÖBB verteidigen Beratervertrag mit Schweizer Neo-Aufsichtsrat

Die ÖBB haben heute die Existenz eines Beratervertrags mit dem ehemaligen Personenverkehrschef der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), Paul Blumenthal, bestätigt, der seit vergangenem Jänner im Aufsichtsrat der Holding sitzt. Blumenthal sei ein erstklassiger Fachmann, „wir wollen sein Wissen an uns binden. Die SBB ist in etlichen Bereichen unser ‚Benchmark‘“, sagte ÖBB-Sprecher Michael Wimmer nach Berichten der Gratiszeitung „Heute“ zur APA.

Ein Vertrag mit einem Aufsichtsrat verstoße gegen keine unternehmensinterne Regel. Der Vertrag mit Blumenthal sei ein Rahmenvertrag mit einem Volumen bis zu 150.000 Euro pro Jahr und werde je nach tatsächlicher Inanspruchnahme abgerechnet, sagte der Sprecher.

ÖBB-Projekte Brenner/Koralm/Semmering könnten 50 Mrd. kosten

Indes berichtet die deutsche „Zeit“ in ihrer Onlineausgabe, die drei umstrittenen Großprojekte der ÖBB, der Brennerbasistunnel, der Semmeringbasistunnel sowie die Koralmbahn könnten insgesamt 50 Milliarden Euro verschlingen. Momentan seien für die drei Bauvorhaben 17,6 Mrd. Euro veranschlagt, mittlerweile sei aber allein bei den Baukosten von einer Verdoppelung der Investitionen auszugehen. Hinzu kämen die Zinsen für die aufgenommenen Kredite.

Die „Zeit“ kritisiert, dass die Regierung an den drei Megaprojekten festhalte, obwohl man wisse, dass „die österreichische Bahnpolitik gescheitert ist“, meint die „Zeit“. Man sei nämlich im Juni bei der EU-Konferenz zu den transeuropäischen Verkehrsnetzen (TEN) mit ihrer Forderung nach einer Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene abgeblitzt. Zudem gab Verkehrskommissar Siim Kallas keine Finanzierungszusage für die Tunnelbauten.

Die EU treibt parallel zur österreichischen Grenze den Bahnkorridor von der Ukraine über Ungarn zum slowenischen Hafen Koper voran. „Die Tatsache, dass die Öffnung des osteuropäischen Wirtschaftsraumes den Bedarf an leistungsfähigen, von Osten nach Westen verlaufenden Transportachsen dramatisch erhöht, wurde in Österreich ignoriert“, analysiert die „Zeit“.

Publiziert am 20.09.2010