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Knappes Gut Geld

Die Inskription an den Unis läuft in diesen Tagen voll an, ab Oktober geht dann das neue Semester los. Passend dazu ist auch die Debatte über die Qualität der heimischen Hochschulbildung neu aufgeflammt, untermauert von einem aktuellen Ranking und der jüngsten OECD-Bildungsstudie.

So ist Österreichs größte und wichtigste Uni, die Universität Wien, in einem weltweiten Vergleich der Topunis weiter zurückgefallen. In dem Ranking der britischen Gesellschaft QS für 2010 rangiert die größte Hochschule Österreichs nur noch auf Platz 143. Im Vorjahr kam die Uni Wien noch auf Platz 132. 2008 lag sie auf Platz 115, 2007 erreichte sie Rang 85. Andere österreichische Unis schafften es gar nicht unter die 200 besten Hochschulen.

Cambridge unerreichbar

Wie weit der Abstand der Uni Wien zur Spitze ist, zeigt der Punktevergleich: Als beste Hochschule bekam die Uni Cambridge 100 Punkte, die zweitplatzierte Harvard University erreichte 99,18 Punkte und die Uni Wien 55,27. Interessant wird, wie die heimischen Unis beim renommierten Ranking von Times Higher Education (THE) abschneiden, das nächste Woche präsentiert wird. QS hatte bisher die Daten dafür erhoben, war aber im Vorjahr wegen seiner Datenbasis in die Kritik geraten. THE wechselte daraufhin zum Datenanbieter Thomson Reuters.

Doch auch wenn die Uni Wien beim THE-Ranking besser abschneiden sollte - die Grundproblematik bleibt: Österreichs Hochschulen sind im internationalen Vergleich nur bedingt konkurrenzfähig. Das hat teils mit der Umstellung auf das Bologna-System zu tun (Stichwort: Bakkalaureat und Master-Studium, also Angleichung an das angelsächsische System). Jedenfalls wird der Weg von den zahlreichen Lippenbekenntnissen hin zu tatsächlicher internationaler Konkurrenzfähigkeit ein langer. So hatte der heimische Wissenschaftsrat Anfang des Sommers im Parlament einen Plan vorgestellt, in dem das Ziel formuliert wurde, bis zum Jahr 2025 drei Hochschulen unter die Top-30-Universitäten Europas zu bringen.

Viel mehr Geld nötig

Neben Maßnahmen wie einer stärkeren Kooperation und Arbeitsteilung zwischen Universitäten und Fachhochschulen und der Abgleichung von Fächern zwischen den einzelnen Hochschulen ist für das Erreichen dieses Ziels aber vor allem eines nötig: viel mehr Geld für Forschung und Bildung. Darin sind sich Unis, Wissenschaftsministerium, die Wirtschaftsforschungsinstitute und die OECD einig.

So forderten die Rektoren diese Woche 300 Millionen Euro jährlich ab 2013. Und Studiengebühren wären ein schönes Zusatzgeld, wünschte sich der Präsidenten der Universitätenkonferenz, Hans Sünkel. Die ÖH hat dagegen einen anderen Vorschlag, um die Unis finanziell besser auszustatten: die Einführung der Vermögenssteuer.

Selbst Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) hatte zuletzt mit einem öffentlichen Notschrei aufhorchen lassen. Wenn sie für die Unis trotz des Sparzwangs nicht mehr Geld bekomme, müsse sie ab 2013 Hochschulen zusperren und bis zu 70 Prozent der Professoren entlassen. Karls Aussagen sind bemerkenswert, da sie damit ihren Parteichef, Finanzminister Josef Pröll, öffentlich unter Druck setzt.

Gerangel um Plätze

Für die Studenten geht es aber oft weniger um internationale Konkurrenzfähigkeit als um ganz alltägliche Probleme - etwa einen Platz in einer Lehrveranstaltung zu bekommen. Hier sorgte ein diese Woche bekanntgewordenes OGH-Urteil für Aufsehen, wonach Unis genügend Plätze in Lehrveranstaltungen anbieten müssen, damit für Studenten keine Verzögerungen beim Studium entstehen - mehr dazu in science.ORF.at.

Eine im August präsentierte Umfrage unter Studenten zeigte, dass vor allem das Betreuungsverhältnis, also wie viele Studenten auf einen Lehrenden kommen, für die Zufriedenheit ausschlaggebend ist.

Mit Reformen spitze

Angesichts der klammen öffentlichen Kassen stellte das WIFO zuletzt beim Forum Alpbach einen Maßnahmenkatalog vor, um trotz Budgetknappheit im Forschungsspitzenfeld mithalten zu können. Im Mittelpunkt sollten dabei die Hochschulen stehen, da sie als Standortfaktor erheblich an Bedeutung gewinnen würden, so das WIFO.

Selbst Schulden zahlen sich aus

Die Position der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) lässt jedenfalls keinen Zweifel: Jeder Cent, der in die Hochschulausbildung fließt, sei gut investiert. Denn höhere Bildung zahle sich nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für den Staat aus. Bei Männern bleibt demnach der öffentlichen Hand dank höherer Steuer- und Sozialabgaben von Akademikern selbst nach Abzug der für ein Studium aufgewendeten öffentlichen Mittel im Durchschnitt ein Nutzen in Höhe von 117.000 US-Dollar und damit mehr als das Doppelte der Studienkosten. Bei Akademikerinnen liegt die „Nettoertragsquote“ etwa aufgrund der Gehaltsschere deutlich niedriger, aber noch immer bei 67.000 Dollar.

Die OECD rät deshalb in ihrem diese Woche erschienenen Bildungsbericht zu Investitionen in die Hochschulen - „selbst wenn dadurch ein Defizit im Staatshaushalt entsteht“.

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Publiziert am 10.09.2010