Themenüberblick
Erfolglose Fahndung nach Attentätern
Tausende von Urlaubern aalen sich an den Stränden von Mallorca in der Sonne und genießen das Bad im Meer. Nur die wenigsten von ihnen denken noch daran, dass vor einem Jahr auf der spanischen Ferieninsel die Angst vor dem Terror umging. Terroristen der baskischen Untergrundorganisation ETA hatten am 30. Juli 2009 bei einem Bombenattentat in der Urlauberhochburg Palmanova - unweit der Ferienresidenz der spanischen Königsfamilie - zwei Polizisten getötet. Zehn Tage später detonierten vier weitere Sprengsätze in beliebten Lokalen in der Inselhauptstadt Palma. Dabei wurde aber niemand verletzt.
Knapp ein Jahr danach fehlt von den Bombenlegern noch jede Spur. Dabei hatten die Sicherheitskräfte damals mit der größten Fahndungsoperation in der Geschichte Mallorcas nach den Terroristen gesucht. 1.600 Polizisten riegelten die Balearen-Insel zeitweise hermetisch von der Außenwelt ab. Bis heute konnte jedoch nicht geklärt werden, wer die Bomben gelegt hat und wie die Terroristen entkommen konnten.
„Einmalige Erscheinung“ in Mallorca
In der Kathedrale von Palma wurde am Jahrestag bei einem Gottesdienst der Polizisten gedacht, die vor einem Jahr in ihrem Streifenwagen von einer Bombe zerfetzt worden waren. Die zwei Beamten sind die bisher letzten Opfer der ETA in Spanien. Seit der Anschlagserie im vorigen Sommer auf Mallorca verübte die ETA in Spanien keine Attentate mehr.
Die Behörden auf Mallorca betonen, dass die Insel ein sicheres Ferienziel sei. „Die Anschlagsserie vor einem Jahr war eine einmalige Erscheinung“, sagte der Präfekt auf den Balearen, Ramon Socias. „Wir haben vorbeugende Maßnahmen getroffen und die Kontrollen verschärft.“ Für die Tourismuswirtschaft hatte die Terrorwelle vor einem Jahr kaum Auswirkungen gehabt.
Schwache Separatisten
Die Tatsache, dass die ETA seit damals keine Anschläge mehr verübte, ließ schon früher Spekulationen aufkommen, die Separatisten könnten stillschweigend eine „Waffenruhe“ eingelegt haben, was sich nun mit der Ankündigung im Video bestätigte. Die ETA, die für einen unabhängigen Staat im Baskenland kämpft und seit 1968 mehr als 850 Menschen getötet hat, ist derzeit so schwach wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In einer Reihe von Fahndungserfolgen hob die Polizei in den vergangenen Monaten die wichtigsten Waffenverstecke der ETA aus, nahm die Führer der Organisation fest und vereitelte den Aufbau einer ETA-Bombenfabrik in Portugal.
Im Baskenland kehrten immer mehr Separatisten der Organisation den Rücken. Mehrere inhaftierte ETA-Terroristen distanzierten sich von der Organisation. Die Politiker der verbotenen Separatistenpartei Batasuna (Einheit) wollen den Kampf um die Unabhängigkeit des Baskenlands lieber mit friedlichen und politischen Mitteln führen. Sie hoffen, dass die ETA die Waffen niederlegt. Allerdings wagten sie es bisher nicht, mit der Organisation zu brechen.
Hubert Kahl, dpa
Link:
Publiziert am 05.09.2010