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Gegenseitige Geschäfte sichern Boni

Das Geschäft hat sich gelohnt: Zur Zeit des Booms auf dem Häusermarkt in den USA und einer Niedrigzinspolitik nach der Dotcom-Krise wurden auch an Konsumenten mit geringer Bonität Kredite vergeben. Banken und Investmenthäuser lukrierten enorme Gewinne. Zu Ende war das Spiel mit dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes und mit steigenden Zinsen.

Die Banken - allen voran Merrill Lynch und Citigroup - machten allerdings weiterhin Gewinne und zahlten ihren Managern Boni in Rekordhöhe aus. Die Onlineplattform für investigativen Journalismus, ProPublica, zeigt nun in einer großangelegten Recherche, mit welchen Dimensionen die üblichen Praktiken der Banken zu Ausbruch und Anheizung der Finanzkrise beigetragen haben.

CDO

Collateralized Debt Obligations (CDO) sind verbriefte Schuldtitel, die durch Vermögenswerte wie Kredite, Anleihen und Derivate gesichert sind. In die Kritik gerieten sie, weil mit Risiko verbundene Kreditforderungen als vermeintlich sichere Investments geführt wurden.

Zur Zeit des Immobilienbooms in der ersten Hälfte der 2000er Jahre wurden mit Hypotheken besicherte Papiere für Banken zur reinsten Geldmaschine. Hauseigentümer erhielten leicht Kredite, die Banken verkauften die Hypotheken sofort an der Wall Street. Dort verlangten die Investmentbanken massive Gebühren, um die Hypotheken wieder in neue Finanzprodukte zu verpacken. Die Hypotheken wurden in Anleihen gebündelt und diese dann wieder in CDOs (Collateralized Debt Obligation) miteinander kombiniert.

Als es ab Mitte 2006 immer schwieriger wurde, die risikobehafteten hypothekarisch gesicherten Wertpapiere zu verkaufen und die Investoren angesichts eines wackelnden Häusermarkts unsicherer wurden, mussten die Banken eine Lösung finden, um ihre Quartalsgewinne und Boni zu halten. Denn eigentlich hätte bei sinkendem Investoreninteresse auch der Wert der Hypothekenanleihen nachlassen müssen, diesen Wertverfall hätten die Banken abschreiben beziehungsweise Rückstellungen dafür bilden müssen.

Banken schaffen eigene Nachfrage

Die im Jänner 2009 von der Bank of America übernommene Investmentbank Merrill Lynch startete ein eigenes System, das von Konkurrenten bald übernommen wurde. Die Banken kreierten eine künstliche Nachfrage nach diesen Papieren. Für ProPublica startete damit eine der größten Episoden des „self-dealing“ („Insichgeschäft“), wobei Banken ihre eigenen Produkte wieder kauften und dadurch Verluste von „faulen Krediten“ zunächst verhindern konnten.

Im Mittelpunkt dieser Deals standen CDOs. Allein von 2005 auf 2006 verdoppelte sich laut dem Branchenmedium „Asset-Backed Alert“ der CDO-Markt auf 226 Milliarden Dollar (177 Mrd. Euro). Die Gewinne darauf waren auch ausschlaggebend für die hohen Bonuszahlungen an der Wall Street. Allein ein typischer CDO konnte einer Bank zwischen fünf und zehn Millionen Dollar bringen - etwa die Hälfte davon wurde für Bonuszahlungen verwendet.

Spätestens Ende 2006 wurde es allgemein üblich, dass Banken neue CDOs anlegten, und damit riskante Teile von originalen CDOs kauften. Aus Mangel an realen Käufern habe es zwischen 2006 und 2007 auch 85 Fälle gegeben, wo zwei CDOs sich gegenseitig Teile ihres unverkauften Bestands abkauften. Diese Geschäfte umfassten laut ProPublica einen Wert von 107 Milliarden Dollar.

Schutz mit Schönheitsfehler

Der Schutzmechanismus für Missbrauch funktionierte nicht. Eigentlich sollten unabhängige Manager auswählen, welche Anleihen in diesem CDO-Paket enthalten sein sollen. Finanziert wurden diese CDO-Manager durch die CDOs, nicht durch die Bank. Der Schönheitsfehler daran: Die Manager waren der jeweiligen Bank verpflichtet, die sie für das Geschäft einsetzten. Und der Gewinn konnte sich sehen lassen.

Bei einem Milliardendeal konnte der CDO-Manager ohne großes Risiko eine Gebühr von Millionen von Dollars verdienen. Dadurch erzeugten die Banken ihre eigenen Handelspartner - trotz verschwindender Investoren, fasste ein ehemaliger Manager der Financial Guaranty Insurance Company zusammen. Denn weigerte sich ein CDO-Manager, auf den Deal einzusteigen, war es laut ProPublica schwierig, wieder von der Bank beauftragt zu werden.

„Inzestuöses Handeln“

Funktioniert hat dieses System nicht lange. Das von ProPublica als „inzestuöses Handeln“ beschriebene Business beschleunigte den Werteverfall der Papiere ab Herbst 2007. Das CDO-Fließband lief dennoch weiter. Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC ermittelt nun, wie die Beziehungen zwischen Banken und CDO-Managern abliefen und ob diese von den Banken gezwungen worden seien, schlechte Anleihen aufzunehmen.

Zitate von Bankern zeigen, dass die Manager kaum unabhängige Entscheidungen treffen konnten. Vor allem Merrill Lynch habe gesagt, „was und wann gekauft“ werden solle. Mit Hinweis auf die SEC-Ermittlungen nahm auch keine der angesprochenen Banken gegenüber ProPublica zu den geäußerten Vorwürfen Stellung.

Weder Ratingagenturen noch andere Regulatoren konnten dieses Geldspiel offenbar unterbinden. Während Ratingagenturen stets die falschen Fragen stellten und nicht prüften, ob gute Anleihen gekauft wurden, hatte keine andere Agentur die Kontrolle über das gesamte Business. Fraglich ist, ob mit der Finanzmarktreform von US-Präsident Barack Obama ausreichend Instrumente geschaffen wurden, um mehr Kontrollrechte zu bekommen.

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Publiziert am 29.08.2010