Irland: Anstieg von Defizit auf 18,7 Prozent befürchtet
Irland wird sich in diesem Jahr nach Schätzungen der Zentralbank mehr als sechsmal so stark verschulden wie der Euro-Stabilitätspakt erlaubt. Das Staatsdefizit könnte auf bis zu 18,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anschwellen, teilte die Notenbank gestern in ihrem Quartalsbericht mit.
Darin eingerechnet seien Milliarden-Kosten zur Stützung der beiden Banken Anglo Irish und Irish Nationwide Building Society. Nicht enthalten sei eine Kapitalspritze über zwei Milliarden Euro, die Anglo im Mai erhalten habe. Sollte Irish Nationwide weniger Hilfen benötigen, werde das Defizit nur auf 17 Prozent anwachsen. Im kommenden Jahr soll es demnach auf etwa zehn Prozent fallen, wenn der Sparkurs weiter Früchte trägt.
Die Regierung geht bisher von einem Defizit von 11,6 Prozent aus. Die höhere Prognose der Zentralbank kam für die Märkte nicht überraschend. Einige Analysten erwarten ein Minus von bis zu 20 Prozent. 2009 hatte Irland mit 14 Prozent das höchste Defizit Europas im Verhältnis zu seiner Wirtschaftskraft. Das Land legte daraufhin einen rigiden Sparkurs auf, für den es bei Investoren viel Lob erntete. Allerdings stiegen seitdem die Kosten für Bankenrettungen stark.
Publiziert am 30.07.2010