Ausland

Türkei: Hunderttausende für Opposition auf der Straße

Zwei Tage vor den Wahlen in der Türkei hat die Opposition Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit einer Massenkundgebung in der Hauptstadt herausgefordert. Hunderttausende Menschen kamen gestern Abend zu einem Auftritt des Kandidaten der Republikanischen Volkspartei (CHP), Muharrem Ince. Dabei forderte Ince den Präsidenten zu einem Fernsehduell auf. „Morgen ist der letzte Abend. Stellen Sie sich mir, wenn Sie den Mut haben“, rief Ince an Erdogan gerichtet.

Massendemo in Istanbul

APA/AFP/Kayhan Ozer

In der Türkei finden morgen vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Erdogan geht als Favorit in die Wahl, doch ist offen, ob er in der ersten Runde eine Mehrheit erhält. In einer der letzten Umfragen kam Erdogan auf 48,2 Prozent vor Ince mit 29,1 Prozent. Andere Meinungsforschungsinstitute erwarten dagegen einen klaren Sieg Erdogans. Allgemein gelten Umfragen in der Türkei als wenig zuverlässig.

Weitere Kundgebungen angekündigt

Verfehlt Erdogan im ersten Anlauf die absolute Mehrheit, muss er am 8. Juli in eine Stichwahl - vermutlich gegen Ince. Dann könnten andere Oppositionsparteien den CHP-Kandidaten gegen Erdogan unterstützen. Laut Umfragen könnte das Bündnis von Erdogans islamisch-konservativer AKP und der ultrarechten MHP zudem die Mehrheit bei der Parlamentswahl verfehlen.

Am Donnerstag waren bereits Hunderttausende Menschen zu einer Massenkundgebung Inces in der westtürkischen Küstenstadt Izmir gekommen. Heute will Ince noch eine Großkundgebung in Istanbul abhalten. Auch Erdogan hat zu einer Großkundgebung in Istanbul aufgerufen.

600.000 sollen Wahl beobachten

Die türkische Opposition will zudem bei der Wahl der regierenden AKP genau auf die Finger schauen. Insgesamt planen die drei großen Oppositionsparteien rund 600.000 Wahlbeobachter und -beobachterinnen zu den Urnengängen zu schicken. Erstmals hat sich die Front gegen Erdogan aus Oppositionsparteien, NGOs und Medien gemeinsam in einer Plattform organisiert.

Mehr dazu in CHP: Zwei Menschen pro Urne

US-Republikaner treiben Einwanderungsgesetz voran

Die republikanischen US-Kongressabgeordneten widersetzen sich der Aufforderung von US-Präsident Donald Trump, das geplante Gesetzespaket zur Einwanderung bis nach der Wahl im November zu verschieben. „Wir bringen das Gesetz nächste Woche ins Plenum“, sagte Mehrheitsführer Kevin McCarthy heute.

Zuvor hatte das Repräsentantenhaus schon mehrmals eine Abstimmung über das mühsam ausgearbeitete Gesetzeswerk vertagt, weil sich kein Konsens abzeichnete. Die Republikaner haben in beiden Kammern des Kongresses zwar eine Mehrheit, im Senat ist sie aber hauchdünn. Zudem kann sich Trump nicht auf alle republikanischen Senatorinnen und Senatoren verlassen.

Trump hofft auf gutes Wahlergebnis

Trump hatte seine Partei aufgerufen, sie sollte ihre Zeit nicht weiter mit den Einwanderungsgesetzen verschwenden und bis nach der Wahl warten, wenn sie auf eine größere Mehrheit setzen könne. „Wählt mehr Republikaner im November, und wir werden das beste, gerechteste und umfassendste Einwanderungsgesetz der Welt verabschieden“, erklärte er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Fachleute gehen allerdings davon aus, dass die Republikaner eher verlieren werden, wenn im Herbst alle 435 Abgeordneten und ein Drittel der 100 Senatoren neu gewählt werden.

Auch eine rasche Umsetzung des Dekrets von Trump, illegal eingewanderte Familien nicht länger auseinanderzureißen, war fraglich. Rechtsexperten erklärten, die Anordnung sei nicht eindeutig formuliert. Grundsätzlich könnten Familien weiterhin getrennt werden, ohne dass die Anordnung umgangen werde. Zudem war unklar, wo die Familien künftig untergebracht werden sollten.

Aufregung über Jacke von Melania Trump

Unterdessen sorgte First Lady Melania Trump mit ihrer Kleidungswahl für Aufregung. Trump trug bei ihrem medial groß inszenierten Besuch eines texanischen Auffanglagers für minderjährige Flüchtlinge, welche die US-Behörden von ihren Eltern getrennt hatten, eine Jacke mit der Aufschrift „Es ist mir wirklich egal. Und Dir?“ Schnell wurde in Sozialen Netzwerken über die Bedeutung des Spruchs spekuliert. US-Präsident Donald Trump lieferte gleich seine Erklärung dafür via Twitter.

Mehr dazu in Kleidungswahl löst Spekulationen aus

CSU plant Sondersitzung des Vorstands

Die CSU will Ergebnisse des EU-Gipfels zur Flüchtlingspolitik auf einer eigenen Sondersitzung des Vorstands beraten. CSU-Chef Horst Seehofer habe eine Vorstandssitzung für den 1. Juli um 15.00 Uhr in München angesetzt, hieß es gestern in Parteikreisen.

Gut eine Woche vor Ablauf des CSU-Ultimatums driften die Koalitionsparteien im deutschen Asylstreit immer weiter auseinander. Seehofer machte deutlich, dass er von seiner Haltung nicht abweichen und ohne europäische Lösungen vom 1. Juli an als Innenminister die Zurückweisung von Flüchtlingen an der Grenze im Alleingang anordnen werde.

Kräftemessen Merkel - Seehofer

Der CSU-Parteivorstand hat sich hinter Seehofers Ultimatum gestellt, das sich gegen die CDU-Chefin und deutsche Kanzlerin Angela Merkel richtet. Merkel beharrt auf einer europäischen Lösung und hat Seehofer indirekt mit dem Rauswurf gedroht, falls er einseitige Schritte ergreift. Ohne die CSU allerdings hätte die Regierungskoalition keine Mehrheit mehr.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat für diesen Sonntag zu einem Sondertreffen einzelner EU-Staaten nach Brüssel eingeladen, an der auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) teilnimmt. Am Donnerstag und Freitag treffen sich dann die 28 EU-Staats- und -Regierungschefs zu einem regulären Gipfel in Brüssel. Dazwischen tagen am Dienstag die Spitzen von CDU, CSU und SPD im Koalitionsausschuss.

Asylstreit könnte Union sprengen

Nach Ansicht von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt könnte der Asylstreit die Fraktionsgemeinschaft der Union im Bund tatsächlich zerstören. „Ich habe CDU und CSU immer als Schicksalsgemeinschaft beschrieben. Aber ob wir bei Haltung und Handlung jetzt eine gemeinsame Linie finden können, ist im Moment noch offen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ laut Vorausmeldung.

Er persönlich wolle, dass die Union eine Schicksalsgemeinschaft bleibe. „Aber es gehört auch zum Wesenskern des Schicksals, dass man vorher nicht weiß, was es alles noch so für einen bereithält.“ Wie Seehofer und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verteidigte auch Dobrindt die Drohung seiner Partei, mehr Flüchtlinge direkt an der Grenze zurückzuweisen. Die Umsetzung des geltenden Rechts liege in der Verantwortung des Innenministers. „Ich sehe da keinen Zusammenhang mit einer Richtlinienkompetenz.“

Mindestens 212 Tote bei Protesten in Nicaragua

Die Zahl der Todesopfer bei den Massenprotesten in Nicaragua ist auf mindestens 212 gestiegen. Wie die Interamerikanische Menschenrechtskommission heute in Washington mitteilte, wurden bis zum vergangenen Dienstag zudem mehr als 1.300 Menschen verletzt.

Die „Unterdrückung und Kriminalisierung“ der Demonstranten und der Protestbewegung in Nicaragua habe „schwerwiegende Menschenrechtsverstöße“ zur Folge gehabt, hieß es in einem fast hundertseitigen Bericht zu den Massenprotesten. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission ist ein unabhängiges Gremium der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).

Vermummte Demonstranten in Nicaragua

APA/AFP/Marvin Recinos

Proteste im ganzen Land

Nicaragua habe Gewalt eingesetzt, um die Menschen von einer Teilnahme an den Protesten abzuhalten und die Äußerung abweichender politischer Meinungen zu unterdrücken. Die Kommission forderte die Regierung auf, eine „rechtsstaatliche, demokratische und friedliche Lösung für diese Menschenrechtskrise zu erreichen“.

Die Unruhen in Nicaragua hatten Mitte April begonnen, als Sicherheitskräfte Demonstrationen gegen Rentenkürzungen gewaltsam niederschlugen. Seither weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. Sie richten sich inzwischen gegen den autoritären Regierungsstil von Staatschef Daniel Ortega und seiner Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo. Ortega schließt einen Rücktritt aus. Der ehemalige Guerillakämpfer regierte Nicaragua von 1979 bis 1990 und erneut seit elf Jahren, sein derzeitiges Mandat endet im Jänner 2022.

Kinderpornoprozess: Ex-Vatikan-Diplomat gesteht

Im Prozess um Kinderpornografie-Vorwürfe hat ein ehemaliger Vatikan-Diplomat sein Fehlverhalten gestanden. Carlo Alberto Capella rechtfertigte sich damit, dass er in einer „Krise“ wegen seiner Versetzung nach Washington gewesen sei, berichteten Journalisten, die bei dem Prozessauftakt im Vatikan anwesend waren, heute. Er räumte „unpassendes“ Verhalten ein.

Capella wird vorgeworfen, große Mengen kinderpornografisches Material besessen und verbreitet zu haben. Der Vatikan hatte ihn im September von seinem Posten als Mitarbeiter der Vatikan-Botschaft in Washington abgezogen. Der Prozess wird morgen fortgesetzt, ein Urteil könnte in Kürze fallen.

Kurz: „Dominoeffekt“ im Fall deutscher Grenzkontrollen

Österreich will auf verschärfte deutsche Grenzkontrollen sofort mit ebenbürtigen Maßnahmen reagieren. „Das würde die Grenzsicherung am Brenner bedeuten, aber auch an vielen anderen Orten“, kündigte Kanzler Sebastian Kurz in der „Bild“-Zeitung laut Vorabbericht vom Freitag an.

Seehofers Plan

Er reagierte damit auf die Ankündigung von Deutschlands Innenminister Horst Seehofer (CSU), nach dem EU-Gipfel Ende kommender Woche alle in anderen EU-Ländern registrierten Flüchtlinge an der Grenze abweisen zu lassen, sollten sich die Mitgliedsstaaten nicht auf gleichwertige Maßnahmen verständigen.

„Ich will aber mithelfen, dass es nicht so weit kommt“, sagte Kurz weiter. „Wir müssen dafür sorgen, dass illegale Migranten es erst gar nicht mehr bis in die EU schaffen, denn dann brauchen wir auch keine innereuropäischen Grenzkontrollen.“ Daran werde Österreich während seines EU-Ratsvorsitzes in der zweiten Jahreshälfte mit Nachdruck arbeiten.

Der Plan von Seehofer könnte auch positive Konsequenzen haben: „Ein kurzfristiges Intensivieren der Kontrollen an den EU-Grenzen kann einen Dominoeffekt auslösen, der illegale Migration abschreckt, weil man dann eben nicht einfach so weiter bis Deutschland, Österreich oder Schweden reisen kann.“

Auch Tschechien würde sich anschließen

Auch Tschechien wird nach Angaben von Ministerpräsident Andrej Babis umgehend mit der Zurückweisung von Migranten an seinen Grenzen beginnen, sobald Deutschland und Österreich das tun. „Wir können vorhersagen, dass Österreich diesen Schritt gehen wird, und in diesem Fall werden wir dasselbe tun“, sagte er heute in Prag. Das bedeute, es gebe sofort Grenzkontrollen.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani warnte indessen vor den Folgen einer Schließung der Brenner-Grenze. Das wäre ein „riesiger Schaden“ für Italien, warnte Tajani bei einer Konferenz in Rom. „Wie könnten wir die Grenzen schließen? Denken wir nur, was mit dem Brenner wäre. Der Schaden wäre riesig: Hunderte Kilometer Lkw-Stau. Wir Europäer sind für den Export. In Italien sagen Politiker Dinge, um im Moment die Öffentlichkeit zu befriedigen, die oft nicht wirklich über die realen Probleme informiert sind“, sagte Tajani.

Inland

NEOS kürt Meinl-Reisinger zur neuen Parteichefin

NEOS kürt heute Beate Meinl-Reisinger zu ihrer neuen Parteichefin. Die 40-Jährige stellt sich in der Wiener Stadthalle bei einer Mitgliederversammlung vor 330 bis 500 Besuchern der Wahl. Sie hat mit dem 66-jährigen Vorarlberger Kaspar Erath einen Gegenkandidaten, gefährdet ist ihre Kür dadurch aber nicht.

Am Beginn der zweitägigen Veranstaltung wird der als Parteichef zurückgetretene Parteigründer Matthias Strolz verabschiedet, danach folgt die Abstimmung über seine Nachfolge. Im Anschluss steht die Antrittsrede der neuen Parteichefin auf dem Programm.

Ebenfalls neu gewählt werden die weiteren Mitglieder des Parteivorstands. Als Stellvertreter Meinl-Reisingers werden aller Voraussicht nach die Abgeordneten Nikolaus Scherak und Sepp Schellhorn bestellt. Morgen sind noch Diskussionen mit Schwesterparteien aus anderen Ländern sowie die Wahl des erweiterten Vorstand geplant.

Kurz verteidigt „Achsen“-Sager

Im Interview mit „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat Bundeskanzler Kurz heute Abend die Verwendung des Begriffs Achse verteidigt. Der von Kurz gewählte Ausdruck einer „Achse Rom-Berlin-Wien“ in der Flüchtlingsfrage hatte international für Kritik gesorgt. „Ich fand die Aufregung etwas merkwürdig. Das Wort Achse gehört zumindest zu meinem normalen Sprachgebrauch“, so Kurz dazu heute Abend im Volkstheater in Wien.

Es habe die „Achse Wien-Berlin-Rom“ historisch nie gegeben, da es Österreich zu dem Zeitpunkt in der Form nicht gegeben habe. Di Lorenzo wies den ÖVP-Chef daraufhin auf die „engen Beziehungen“ Österreichs zum Deutschen Reich hin, was Kurz mit Verweis auf sein „anständiges Geschichtsbewusstsein“ quittierte, das er in allen Reden zum Gedenkjahr bewiesen habe. Es habe in der EU schon mehrfach verschiedene Achsen gegeben, das sei nie ein Problem gewesen.

Allianz statt Achse

Wenn einige Staaten bei unterschiedlichen Themen vorangehen, sei es auch nie ein Problem gewesen, von den Willigen zu sprechen: „Wir können immer eine Diskussion über gewisse Worte führen und ihm (jemandem, Anm.) unterstellen, dass er ein Nazi ist, wenn er gewisse Worte verwendet.“ Kurz räumte ein, dass er heute wohl das Wort „Allianz“ wählen würde. Andererseits habe er aber ein Problem mit dem Diktat, welche Worte verwendet werden dürfen: „Ich habe einen gesunden Geschichtsbegriff und möchte mir Worte wie Achse oder Heimat nicht von Nazis nehmen lassen“, so der Bundeskanzler.

Für Verwunderung sorgte Kurz noch mit seinen Aussagen zu den aktuellen Vorgängen in der USA an der mexikanischen Grenze, wo Kinder von ihren Eltern getrennt werden. „Ich habe nicht nachvollziehen können, welchen Sinn das machen sollte“, so Kurz auf die Frage, was er sich bei derartigen Bildern denke. Di Lorenzo meinte, diese Antwort sei kühl, denn ihm selbst „dreht es den Magen um“. Kurz sagte darauf, dass er mittlerweile vorsichtig sei, was auf Bildern gezeigt werde. Im weiteren Gespräch räumte der ÖVP-Chef ein, dass die Bilder „natürlich grauslich“ seien. Er habe die Vorgänge aber zu wenig mitverfolgt.

Gegen zu viel Political Correctness

Die Analyse, dass es momentan einen Aufschwung rechtsradikaler und rechtsnationaler populistischer Bewegungen gibt, teilte Kurz nicht ganz. Er erwarte sich bei der Europawahl gute Ergebnisse für die Liberalen. Generell räumte er eine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den etablierten Parteien ein. Es würden eher Personen gewählt, so der ÖVP-Obmann. Viele - auch er selbst - würden auch eine „übertriebene Political Correctness“ nicht aushalten, denn in der Diskussion darüber gehe die Sache selbst unter. Angst mache ihm die Verrohung der Sprache, so Kurz in Richtung SPÖ.

Die Zusammenarbeit mit der FPÖ in der Regierung hingegen lobte er, mit der deutschen AfD könne man diese nicht vergleichen. Aussagen wie jene von AfD-Chef Alexander Gauland - „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ - seien „höchst inakzeptabel“: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand in der Regierungsriege sagen würde“, so Kurz.

Wirtschaft

Trump droht mit 20-Prozent-Zoll auf EU-Autoimporte

US-Präsident Donald Trump hat im Handelsstreit mit der EU erneut mit Strafzöllen auf europäische Autoimporte gedroht. Wenn die Europäische Union nicht „bald“ ihre langjährigen Zölle und Barrieren für US-Produkte „niederbricht und beseitigt“, würden die USA einen 20-prozentigen Tarif auf alle aus der EU eingeführten Autos verhängen, schrieb Trump heute auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Die EU hatte kurz zuvor als Reaktion auf die seit Anfang Juni geltenden US-Aufschläge auf Aluminium und Stahl aus Europa Gegenzölle auf eine Reihe von US-Produkten in Kraft gesetzt. Die neuen EU-Zölle betreffen US-Waren im Gesamtwert von 2,8 Milliarden Euro, darunter neben Eisen- und Stahlprodukten etwa auch Jeans, Whiskey und Harley-Davidson-Motorräder.

Schlechte Nachricht für österreichische Zulieferer

Die nun von Trump erneut angedrohten Strafzölle auf Autos würden besonders die deutschen Hersteller hart treffen, denen viele österreichische Firmen zuliefern. Deutschland exportierte im vergangenen Jahr Pkws im Wert von knapp 22 Milliarden Euro in die USA. Nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat entspricht das mehr als der Hälfte aller Autoexporte der EU in die USA.

Österreich hat eine große Kfz-Zulieferindustrie. Die USA haben derzeit einen Zoll für Kfz in Höhe von 2,5 Prozent, die EU von zehn Prozent. Dafür ist der US-Markt mit hohen Zöllen auf Pick-ups, Lieferwagen und Lkws (25 Prozent) geschützt, bei denen der EU-Zoll mit 14 Prozent deutlich tiefer liegt.

Trump hatte im Mai beim Handelsministerium eine Prüfung in Auftrag gegeben, ob die EU-Autoeinfuhren den nationalen Sicherheitsinteressen der USA schaden. Er hatte bereits die Strafzölle auf Aluminium und Stahl mit dem Schutz der nationalen Sicherheitsinteressen begründet.

Tsipras bindet nach Griechenland-Einigung Krawatte um

Der linke griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat erstmals nach der Machtübernahme im Jahr 2015 eine Krawatte umgebunden. Er erschien heute Abend zu einer Sitzung der Parlamentsfraktionen seiner linken Partei SYRIZA und der rechtspopulistischen Partei Unabhängige Griechen (ANEL) mit einer dunkelroten Krawatte um den Hals.

Alexis Tsipras bindet sich erstmals Krawatte um

AP/Petros Giannakouris

„Wie Sie sehen, Wetten müssen eingehalten werden. Ich habe etwas Schwierigkeiten damit, aber ich werde mich daran gewöhnen“, sagte Tsipras. Er hatte auf dem Höhepunkt der griechischen Finanzkrise dem früheren italienischen Regierungschef Matteo Renzi und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker versprochen, eine Krawatte umzubinden, sobald sein Land aus der Krise herauskommt.

Letztes Hilfspaket für Griechenland

Renzi und Juncker hatten Tsipras 2015 Krawatten als eine Art Aufforderung überreicht, sich an die europäischen Gepflogenheiten bei Spitzentreffen zu halten. Auch der mazedonische Regierungschef Zoran Zaev hatte Tsipras eine Krawatte geschenkt.

Griechenland verlässt im August das dritte Euro-Rettungsprogramm und steht dann finanziell wieder auf eigenen Beinen. Zum Abschluss erhält das hochverschuldete Land noch einmal 15 Milliarden Euro an Krediten als Finanzpolster und Schuldenerleichterungen. Dafür verpflichtet es sich zur Fortsetzung des Spar- und Reformkurses. Das Paket hatte die Euro-Gruppe in der Nacht auf heute in Luxemburg vereinbart.

OPEC einigt sich auf höhere Ölproduktion

Das Ölkartell OPEC hat sich heute auf eine Ausweitung der Ölförderung geeinigt und will so künftig das selbst auferlegte Förderlimit voll ausschöpfen. Angesichts des aktuellen Spielraums würde das eine zusätzliche Produktion von rund 600.000 Barrel (je 159 Liter) am Tag bedeuten.

Welche Länder die zusätzliche Förderung leisten sollen, müsse noch verhandelt werden, sagte der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail al-Masrawi. Experten sind skeptisch, ob Autofahrer nach diesem Beschluss auf sinkende Benzinpreise hoffen können. Die Ölpreise legten zunächst zu.

Verhandlungen gehen weiter

Die OPEC-Staaten hatten sich Ende 2016 mit zehn weiteren kooperierenden Staaten auf ein Limit bei der Ölproduktion verständigt. Das Kartell hatte sich damals dazu verpflichtet, nicht mehr als 32,5 Millionen Barrel Öl am Tag zu fördern. Die tatsächliche Produktion unterschreitet dieses Limit aber derzeit deutlich, weil etwa das krisengebeutelte Venezuela seine Quoten nicht erfüllen kann.

Die 14 OPEC-Staaten werden sich morgen noch mit den zehn Nicht-OPEC-Staaten beraten, um die neue Linie offiziell zu beschließen. Da auch die Nicht-OPEC-Staaten derzeit weniger Öl produzieren, als sie mit Blick auf das gemeinsame Förderlimit dürften, soll auch hier eine Ausweitung verhandelt werden. Insgesamt würden die 24 Staaten dann künftig mehr als 900.000 Barrel Öl am Tag zusätzlich fördern.

BUWOG verschwindet von Wiener Börse

Das Bauunternehmen Porr zieht am Dienstag, 26. Juni, in den Wiener Leitindex ATX ein. Grund ist die Streichung des Immobilienkonzerns BUWOG aus dem ATX und anderen Indizes der Wiener Börse am selben Tag.

Grund für die Streichung der BUWOG ist, dass der Mutterkonzern nach Ablauf der verlängerten Annahmefrist des Übernahmeangebots über 90 Prozent der BUWOG-Aktien hält und ein Squeeze-out-Verfahren ankündigte, teilte die Wiener Börse heute Abend mit. Durch das Aus der BUWOG musste ein neues ATX-Mitglied gefunden werden. Also erfolgt die außerordentliche Indexaufnahme der Porr.

BUWOG-Mutter kauft Kleinaktionäre raus

Am Mittwoch hatte die BUWOG-Hauptgesellschafterin Vonovia das Verlangen auf den Ausschluss der Minderheitsaktionäre (Squeeze-Out) gestellt. Laut dem schriftlichen Verlangen soll die Hauptversammlung der BUWOG Anfang Oktober die Übertragung der Aktien der Minderheitsaktionäre auf die Vonovia beschließen. Dabei soll es eine „angemessene Barabfindung“ geben.

Der Wiener Börse dienen als Entscheidungsgrundlage für eine Indexaufnahme der tägliche Durchschnittsumsatz sowie die Streubesitzkapitalisierung der Unternehmen. Die nächste planmäßige Überprüfung der Zusammensetzung findet am 4. September 2018 statt.

Sport

Fußball-WM: Sieg von Nigeria hält Gruppe D offen

Nigeria hat bei der Fußball-WM in Russland heute dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte einen verdienten und wichtigen 2:0-Erfolg gegen Island gefeiert. Matchwinner für die „Super Eagles“ war der neu in die Startelf gekommene Ahmed Musa mit einem Doppelpack, bei dem ein Tor schöner als das andere war. Mindestens eben so laut wie die Afrikaner jubelten auch Lionel Messi und Argentinien über den Sieg, denn damit ist der Kampf um das Achtelfinale hinter Fixaufsteiger Kroatien weiter offen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Formel 1: Hamilton zeigt in Frankreich auf

Beim GP von Kanada vor zwei Wochen musste Lewis Hamilton die WM-Führung an Sebastian Vettel abgeben. Die jüngste Niederlage hat das Mercedes-Team des Briten etwas verunsichert, doch im heutigen Training für den GP von Frankreich zeigte Hamilton wieder einmal auf. Der 33-Jährige war am Freitag zweimal der Schnellste. Überschattet wurden die Übungseinheiten von zwei spektakulären Unfällen.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Chronik

Bürgermeisterin von Turin wegen Massenpanik angeklagt

Mehr als ein Jahr nach einer Massenpanik bei der Übertragung des Champions-League-Finales in Turin mit einer Toten und mehr als 1.500 Verletzten hat die Staatsanwaltschaft in der italienischen Stadt Anklage gegen Bürgermeisterin Chiara Appendino erhoben. Auch 14 weitere Verantwortliche, darunter der für die Sicherheit der Fußballfans zuständige Polizeibeamte, sollen sich vor Gericht verantworten.

Turiner Bürgermeisterin Chiara Appendino

APA/AFP/Alberto Pizzoli

Die Staatsanwaltschaft wirft der Politikerin der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und den anderen Angeklagten fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor, berichteten italienische Medien. Bereits unmittelbar nach dem Geschehen waren sie dafür kritisiert worden, nicht für die nötigen Sicherheitsvorkehrungen gesorgt zu haben.

Massenpan in Turiner Innenstadt während des Champions-League-Finale 2017

APA/AFP/Marco Bertorello

Am 3. Juni 2017 hatten sich mehr als 20.000 Menschen auf einem Platz in Turin das Spiel von Juventus Turin gegen Real Madrid auf einer Großleinwand angeschaut. Warnrufe wegen einer angeblichen Bombenexplosion hatten kurz vor dem Ende der Übertragung für Panik unter den Zuschauern gesorgt. Menschen stürzten im Gedränge und wurden von Flüchtenden überrannt.

Priester löst mit Ohrfeige bei Taufe Empörung aus

In Frankreich hat ein Priester Empörung ausgelöst, weil er einem schreienden Baby bei der Taufe eine Ohrfeige verpasste. Die Diözese verbot dem 89-Jährigen heute alle Tauf- und Hochzeitszeremonien. Ein Video des Vorfalls in einer Kirche in Champeaux, bei der der Priester den Täufling unter den entgeisterten Blicken der Eltern ohrfeigte, wurde in Sozialen Netzwerken millionenfach geteilt.

Das Video zeigt, wie der Geistliche zunächst das Gesicht des Kindes greift und um „Ruhe“ bittet, bevor er das Kind schlägt. Die Diözese der Region nahe Paris sprach von einem „Verlust an Beherrschung“, bedingt durch „eine Erschöpfung des betagten Priesters“, was die Handlung des Mannes „aber nicht entschuldigt“.

Priester: „Zwischen Umarmung und Klaps“

Dem Geistlichen sei die „Unangemessenheit seiner Bewegung“ auch bewusst, so die Diözese weiter. Er habe sich nach der Taufe bei dessen Eltern entschuldigt. Gleichwohl habe der zuständige Bischof „vorsorgliche Maßnahmen“ ergriffen und dem Priester die Teilnahme an sämtlichen Tauf- und Hochzeitszeremonien untersagt.

In einem Radiointerview spielte der Bischof seine Handlung herunter. „Es war zwischen einer Umarmung und einem kleinen Klaps“, sagte er. Er habe das Baby beruhigen wollen und nicht gewusst, was er tun solle.

Tödlicher Unfall: Uber-Fahrerin durch Smartphone abgelenkt

Der tödliche Unfall eines selbstfahrenden Testautos des Fahrdienstvermittlers Uber im März lag nach Erkenntnissen der Polizei an der abgelenkten Fahrerin und war „vollkommen vermeidbar“. Die am Steuer sitzende Frau habe wiederholt nach unten geschaut statt auf die Straße, hieß es in einem mehr als 300 Seiten langen Bericht der Polizei in Tempe im US-Staat Arizona.

Auf Talentshow fokussiert

Die Frau soll auf ihrem Smartphone die Talentshow „The Voice“ verfolgt haben, bevor der Unfall passierte. Erst eine halbe Sekunde vor dem tödlichen Zusammenstoß mit einer 49-Jährigen, die im Dunkeln abseits des Zebrastreifens ihr Fahrrad über die Straße schob, habe die Fahrerin gebremst.

Sie müsste sich für Totschlag verantworten, schrieb die Polizei. Darüber hat jedoch die Bezirksstaatsanwaltschaft zu entscheiden, an die der Bericht weitergeleitet wurde.

Die Polizisten werteten Daten des Streamingdienstes Hulu sowie Videoaufnahmen vom Innenraum des Unfallfahrzeugs aus. Bevor die Fahrerin bremste, haben sie gut fünf Sekunden lang den Kopf gesenkt gehalten. Während sieben der fast 22 Minuten, die dem Crash vorausgingen, sei sie abgelenkt gewesen und habe nach unten geschaut. Sie habe währenddessen mehrmals gelacht. Der im autonomen Modus fahrende Volvo war mit einer Geschwindigkeit von fast 70 km/h unterwegs.

Handynutzung verboten

Nach einem Bericht der Nationalen Behörde für Transportsicherheit, die den Fall ebenso untersuchte, erklärte die Uber-Mitarbeiterin, sie habe weder ihr Privat- noch ihr Diensthandy während des Unfalls benutzt, sondern nach unten auf den Überwachungsbildschirm des Wagens geblickt. Uber verbietet den Sicherheitsfahrern die Handynutzung, wenn sie mit einem autonomen Auto auf öffentlichen Straßen unterwegs sind. Zuwiderhandlung ist ein Entlassungsgrund.

Nach dem Bericht der Behörde hatte Uber das Notbremssystem des Volvo ausgeschaltet, auf die Bremse soll die Frau im Auto erst Sekundenbruchteile nach dem Zusammenstoß mit der Fußgängerin getreten haben. Die zu Tode gekommene Obdachlose schob ihr Fahrrad über die Straße - an einer Stelle, die nicht als Zebrastreifen markiert war, wie die Ordnungshüter betonten.

Der Unfall sorgte wie schon zuvor Unfälle von Tesla-Autos im Autopilotmodus für Zweifel an der Technik des autonomen Fahrens. Im Mai erklärte Uber, die Testfahrten im US-Bundesstaat Arizona zu beenden. Es werde aber an der Technologie festgehalten und in begrenztem Umfang Versuche in Pittsburgh und in zwei Städten in Kalifornien geben. Uber wolle sämtliche Sicherheitsvorkehrungen überprüfen und die Sicherheitskultur verbessern.

Science

Kultur

Gesundheit

Panorama

Fußball-WM: Wer hat das Zeug zum Publikumsliebling?

Jede Fußball-WM bringt mindestens eine Mannschaft hervor, die zum Publikumsliebling wird: ein Underdog, der sich mit Einsatz und unerwarteten Erfolgen in die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer kämpft. Eine Mannschaft, die auch optisch etwas hergibt und im Idealfall Fans mit dem gewissen Etwas hat.

Am ehesten bietet sich da Island an, das schon im ersten Spiel die Rolle von Everybody’s Darling klar für sich reklamierte. Nur gibt es mindestens einen Schönheitsfehler: Ganz frisch ist das Phänomen nach der EM vor zwei Jahren nicht. Für alle, denen die Island-Begeisterung zu „2016“ ist, gibt es jedenfalls Alternativen.

Mehr dazu in Ein kleiner Fingerzeig fürs Daumen halten