Ausland

Tempelberg: Israel rückt von Metalldetektoren ab

Der umstrittene Einsatz von Metalldetektoren am Tempelberg wird nach einem Beschluss des israelischen Sicherheitskabinetts beendet. Das Gremium habe auf Empfehlung aller Sicherheitsorgane entschieden, die Metalldetektoren durch „Sicherheitsinspektionen auf der Grundlage hoch entwickelter Technologien und andere Mittel“ zu ersetzen, teilte das Büro von Premier Benjamin Netanyahu mit.

Israel hatte nach einem Anschlag auf zwei israelische Polizisten in der Jerusalemer Altstadt Mitte Juli die Kontrollen zum Tempelberg verschärft und Metalldetektoren sowie zusätzliche Überwachungskameras am Eingang installieren lassen. Dies hatte gewaltsame Proteste zur Folge. Die Palästinenser sehen darin einen Versuch Israels, mehr Kontrolle über den Tempelberg zu gewinnen.

UNO fordert Lösung bis Freitag

Angesichts der gewalttätigen Konflikte um die Zugangsrechte zum Tempelberg in Jerusalem hat der UNO-Sondergesandte Nikolai Mladenow eine rasche „Lösung“ gefordert. „Es ist extrem wichtig, dass für die aktuelle Krise bis Freitag eine Lösung gefunden wird.“ Das sagte der Sondergesandte für den Nahen Osten gestern am Sitz der UNO in New York, nachdem er dem Sicherheitsrat über die jüngsten Entwicklungen Bericht erstattet hatte.

Die Gefahr einer weiteren Eskalation nehme zu, wenn bis zu den bevorstehenden Freitagsgebeten der Muslime keine Lösung gefunden worden sei, sagte Mladenow. Der Streit über den Tempelberg könne „weit über die Stadtmauern der Altstadt (Jerusalems, Anm.) hinaus katastrophale Kosten“ verursachen. Diese Auswirkungen könnten „weit über Israel und Palästina“ und „weit über den Nahen Osten“ hinausreichen.

Seit Freitag wurden in dem Konflikt drei Israelis und fünf Palästinenser getötet. Die Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats wurde von Frankreich, Schweden und Ägypten beantragt. Der Tempelberg - auf Arabisch Al-Haram Al-Scharif (edles Heiligtum) - mit der Al-Aksa-Moschee, dem Felsendom und der Klagemauer ist gläubigen Muslimen und Juden gleichermaßen heilig.

Ukraine-Konflikt: Vierergruppe einig über Sofortmaßnahmen

Deutschland, Frankreich, Russland und die Ukraine haben sich nach Angaben der deutschen Bundesregierung auf Sofortmaßnahmen geeinigt, um den Friedensprozess in der Ukraine voranzubringen. So müssten Verletzungen des Waffenstillstands umgehend aufhören, hieß es in einer gestern am späten Abend verbreiteten Mitteilung.

Vorangegangen war ein Telefonat der Staats- und Regierungschefs der Vierergruppe. Weiter hieß es in der Mitteilung, die Entflechtung der Truppen im Osten des Landes und der Abzug schwerer Waffen sollten als Priorität behandelt werden. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron ermutigten die Seiten, auf Basis bisheriger Beratungen mit dem Austausch von Gefangenen gemäß dem Grundsatz „alle für alle“ bis zum Ende des Jahres fortzufahren.

Weiter hieß es in der Mitteilung: „Die Seiten werden wechselseitige Schritte ergreifen, um die Wirtschaftsbeziehungen wieder aufzunehmen.“ Einzelheiten sollen so schnell wie möglich erörtert werden. Der Mitteilung zufolge werden sich Berater der Staats- und Regierungschefs der Vierergruppe im kommenden Monat erneut treffen. Anschließend solle es ein weiteres Telefonat im Normandie-Format geben.

Schwedische Regierung wegen Datenlecks in Erklärungsnot

Schwedens Regierung ist wegen eines riesigen Datenlecks in Erklärungsnot. Nachdem bekanntwurde, dass unter anderem vertrauliche Militärdaten und die Daten von schwedischen Führerscheininhabern ins Ausland abflossen, sprach Ministerpräsident Stefan Lövfen gestern von einem „Unfall“ und kündigte eine Untersuchung an.

Er gab an, im Jänner von einem Mitarbeiter über das Datenleck unterrichtet worden zu sein. Laut Medienberichten wussten Verteidigungsminister Peter Hultqvist und Innenminister Anders Ygeman bereits seit 2016 davon, machten das Problem aber nicht öffentlich. Das Leck entstand, nachdem die schwedische Verkehrsbehörde im Jahr 2015 dem Computerkonzern IBM die IT-Verwaltung übertrug. IBM beauftragte wiederum Subunternehmen in Tschechien und Rumänien, sodass dort Techniker ohne Sicherheitsüberprüfung Zugang zu sensiblen schwedischen Daten bekamen, darunter sämtliche Führerscheindaten.

„Schlüssel zum Königreich“

Das schwedische Militär teilte mit, dass Informationen über sein Personal, seine Fahrzeuge sowie seine Verteidigungs- und Kontingentplanung von dem Datenleck betroffen sein könnten. Die Verkehrsbehörde erklärte, nichts deute darauf hin, dass die geleakten Daten missbräuchlich verwendet worden seien.

Ein Vertreter des Ministeriums sprach in der Zeitung „Dagens Nyheter“ von einer Nachlässigkeit im Umgang mit Daten schwedischer Bürger. Das sei so, als würden „die Schlüssel zum Königreich fortgegeben“. Im Jänner war die Generaldirektorin der Verkehrsbehörde zurückgetreten. Sie räumte seither laut Medienberichten ein, den Datenschutz missachtet zu haben, und willigte in eine Geldstrafe von umgerechnet 7.000 Euro ein.

Heikle Gespräche zwischen Türkei und EU in Brüssel

Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen führen die EU und die Türkei heute in Brüssel Gespräche über ihre künftige Zusammenarbeit. An einem „hochrangigen politischen Dialog“ mit dem EU-Beitrittsland nehmen von türkischer Seite Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Europaminister Ömer Celik teil. Die EU ist durch die Außenbeauftragte Federica Mogherini und Erweiterungskommissar Johannes Hahn vertreten.

Die EU will dabei auch das Vorgehen Ankaras gegen Regierungskritiker und Journalisten ansprechen und die Einhaltung rechtsstaatlicher Standards anmahnen.

Nach türkischen Angaben stehen der Stand der Beitrittsgespräche und die Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Wirtschaft und Handel auf der Tagesordnung. Darüber hinaus soll es um den Kampf gegen den Terrorismus und die Flüchtlingskrise gehen. Eine Pressekonferenz ist für 17.00 Uhr geplant.

US-Demokraten stellen Wirtschaftsplan vor

Mit Forderungen nach höheren Löhnen und einem nationalen Infrastrukturprogramm wollen die oppositionellen US-Demokraten wieder Boden gutmachen. Mehrere ranghohe Abgeordnete der Partei stellten gestern im US-Bundesstaat Virginia einen Wirtschaftsplan vor, der etwa eine Erhöhung des Mindestlohnes auf 15 US-Dollar (ca. 13 Euro) und eine Senkung der Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente vorsieht.

Auch machen sie sich darin dafür stark, große Zusammenschlüsse von Firmen zu begrenzen, um Monopolbildungen zu verhindern. Die Demokraten greifen in dem Papier Beobachtern zufolge einen populistischeren Ansatz auf als bisher. Acht Monate nach der verlorenen Präsidentschaftswahl ist das auch ein Versuch, in die Offensive zu gehen und vor der Kongresswahl im kommenden Jahr Akzente gegen die Republikaner zu setzen.

Den Demokraten gelang es bisher nicht, aus dem Chaos im Weißen Haus politisches Kapital zu schlagen. In einer jüngsten „Washington Post"/ABC-Umfrage hatten nur 37 Prozent erklärt, dass die Demokraten "für etwas stehen“, während 52 Prozent sagten, sie stünden nur gegen Präsident Donald Trump.

Anschlag auf Sinai: Sieben Tote

Bei der Explosion einer Autobombe im Norden der Sinai-Halbinsel sind sieben Zivilisten getötet worden, darunter zwei Kinder. Die Bombe explodierte rund 200 Metern von einem Militärposten entfernt, wie die ägyptische Armee mitteilte. Ein Soldat habe mit einem Panzer das mit etwa 100 Kilogramm Sprengstoff beladene Fahrzeug gestoppt.

Die Zivilisten befanden sich demnach zufällig an dem Checkpoint. Über die Hintergründe des Anschlags und den Zeitpunkt machten die Streitkräfte keine Angaben.

Auf dem Sinai kämpft ein ägyptischer Zweig der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) seit Jahren gegen die ägyptischen Sicherheitskräfte. Dabei wurden bereits mehrere hundert Mitglieder der Sicherheitskräfte getötet.

Inland

Pilz gibt Entscheidung über Antreten bekannt

Der langjährige grüne Abgeordnete Peter Pilz gibt heute Vormittag bekannt, ob er mit einer eigenen Liste zur Nationalratswahl antritt. Um 10.30 Uhr wird er dazu eine Pressekonferenz geben.

Ob Pilz antritt, ließ er auch heute offen, ebenso, wer mit ihm bei dem Pressetermin auftritt. Zuletzt hatte das grüne Gründungsmitglied wiederholte Male gesagt, dass ihn ein Antreten reizen würde. Auch genug Mitstreiter habe er. Offen war vor allem, ob Pilz einen Wahlkampf finanziell und organisatorisch auf die Beine stellen kann.

Kindergeld: Auch Grüne für Rechtsanspruch auf Papamonat

Auch die Grünen fordern einen Rechtsanspruch auf den Papamonat. Man müsse Vätern durch einen Rechtsanspruch und eine gute finanzielle Absicherung zeigen, dass sie das Recht darauf haben, sich an der Familienarbeit zu beteiligen, und das vom Staat auch unterstützt werde, sagte die grüne Familiensprecherin Judith Schwentner.

„Solange es keinen Rechtsanspruch auf einen Papamonat gibt und die 700 Euro des Papamonats vom weiteren Kinderbetreuungsgeld wieder abgezogen werden, bleibt er für viele Familien reines Wunschkonzert. Das Gesetz gehört unbedingt nachgebessert“, so Schwentner.

Rendi-Wagner: „Höchste Zeit“

Auch Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) bekräftigte die Forderung der SPÖ-Frauen nach einem Rechtsanspruch auf den Papamonat in der Privatwirtschaft. „Es ist höchste Zeit für den Rechtsanspruch auf den Papamonat - mit dem Koalitionspartner war er leider bisher nicht durchsetzbar“, kritisierte sie die ÖVP.

Durch den Rechtsanspruch könnte eine weitere Hürde für Väter abgebaut werden, die sich aktiv in die Kindererziehung einbringen möchten, so die Ministerin. Derzeit können Väter in der Privatwirtschaft den Papamonat nur in Anspruch nehmen, wenn seitens der Dienstgeber Bereitschaft dazu besteht.

Wirtschaftskammer dagegen

Die Wirtschaftskammer sieht keine Notwendigkeit für einen Rechtsanspruch auf einen Papamonat. Das Modell auf freiwilliger Basis laufe gut, erklärte Martin Gleitsmann, Leiter der Sozialpolitischen Abteilung. Auch NEOS spricht sich gegen die Forderung von SPÖ und Grünen aus.

25 Prozent als Ziel bei Väterbeteiligung

Seit Inkrafttreten des neuen Kindergeldkontos im März stellten über 1.000 Väter einen Antrag auf die „Familienzeit“ bzw. den Papamonat. Das geht aus aktuellen Zahlen des Familienministeriums hervor. Im Rahmen der „Familienzeit“ können Väter direkt nach der Geburt des Kindes zwischen 28 und 31 Tage durchgehend zu Hause bleiben, dafür gibt es 700 Euro.

Die Väterbeteiligung beim Kindergeldbezug liegt nach den zuletzt verfügbaren Daten bei 19,4 Prozent. „Unser Ziel ist es, die Beteiligung der Väter auf 25 Prozent anzuheben“, so ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin.

Masterplan soll Impulse für ländlichen Raum geben

Agrarminister Andrä Rupprechter (ÖVP) hat gestern seinen Masterplan für den ländlichen Raum vorgestellt. Unter wissenschaftlicher Begleitung und mit Einbindung von 3.000 Teilnehmern wurden in 20 Handlungsfeldern Vorschläge für mehr Chancengerechtigkeit erarbeitet. Bei einem Pressegespräch räumte Rupprechter allerdings ein, dass es an der neuen Bundesregierung liegen wird, diese auch umzusetzen.

Initiiert wurde der Prozess im Herbst des Vorjahres, seither haben sich mehr als 3.000 Bürgerinnen und Bürger an 50 Veranstaltungen, Workshops und Expertengesprächen beteiligt. „Das Ergebnis ist 127 Seiten schwer“, es enthält Anleitungen, wie sich das Land weiterentwickeln soll, erklärte der Minister.

Dezentralisierung im Fokus

Ein wichtiger Ansatzpunkt aus seiner Sicht ist die Dezentralisierung, so sollen Bundesbehörden etwa nicht nur in Wien, sondern dort, wo es sinnvoll sei, auch auf dem Land angesiedelt sein. Als Beispiel hierfür nannte Rupprechter etwa das Bundesamt für Wasserwirtschaft am Mondsee.

Überlegungen für derartige Maßnahmen habe es auch in den Ressorts Inneres und Justiz gegeben, wobei er niemandem Empfehlungen ausrichten wolle, so Rupprechter. Was es nicht brauche, sei ein Föderalismusministerium, die Agenden seien in seinem Ressort gut aufgehoben, das könne man weiterentwickeln.

In den nächsten zehn Jahren sollen zehn Prozent der Behörden, 3.500 Dienststellen, in ländliche Regionen ausgelagert werden. Laut dem Politologen Peter Filzmaier befinden sich derzeit 65 von 68 Zentralstellen des Bundes in der Hauptstadt.

Sport

Formel 1: „Silly Season“ auf dem Fahrermarkt

Der Kampf um den WM-Titel ist spannend wie schon lange nicht. Trotzdem hält wie jeden Sommer die „Silly Season“ - die Zeit der absurden Wechselgerüchte - Einzug in die Formel 1. Im Mittelpunkt steht diesmal Fernando Alonso. Der Spanier ist bei McLaren alles andere als glücklich. Die Optionen auf ein siegesfähiges Auto halten sich für ihn aber in Grenzen. Die einzige Möglichkeit scheint Ferrari. Laut Medien hat die „Scuderia“ aber einen anderen Fahrer im Visier.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Wirtschaft

D: Nicht umgerüstete VW-Modelle sollen stillgelegt werden

Die Besitzer von VW-, Audi-, Skoda- und Seat-Fahrzeugen mit manipulierten VW-Dieselmotoren müssen sich einem Medienbericht zufolge auf den Verlust ihrer Zulassung einstellen, wenn sie das Softwareupdate ablehnen. Das gehe aus einem Schreiben des Kraftfahrt-Bundesamtes hervor, wie der „Focus“ (Onlineausgabe) gestern berichtete.

In einigen Fällen könnte das bereits ab August sein. Besitzer müssten zudem für die Stilllegung zahlen. VW lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Das Unternehmen hatte im September 2015 zugegeben, bei weltweit elf Millionen Diesel-Pkws die Abgasreinigung manipuliert zu haben.

EasyJet will 1.200 neue Mitarbeiter einstellen

Der britische Billigflieger EasyJet, der sich erst jüngst mit seiner österreichischen Tochter eine wegen des bevorstehenden „Brexit“ nötig gewordene neue EU-Lizenz gesichert hat, wächst und will daher 1.200 neue Mitarbeiter für die Kabine einstellen. Der Großteil soll bereits ab Oktober neu anfangen, wie EasyJet gestern mitteilte.

Das neue Kabinenpersonal soll sowohl frei gewordene als auch zusätzliche Stellen besetzen. Bei EasyJet arbeiten derzeit rund 12.000 Menschen.

„Einige neue Arbeitsplätze“ in Österreich

EasyJet hatte erst im Mai angekündigt, 450 weitere Piloten einzustellen. Unklar ist, in welchen Ländern die Fluggesellschaft einstellen wird. EasyJet hatte vor Kurzem eine Tochtergesellschaft in Österreich gegründet, mit der sich die Airline auch nach dem „Brexit“ Zugang zum EU-Luftraum sichern will. In Österreich würden durch die Gründung „einige neue Arbeitsplätze“ entstehen, erklärte EasyJet.

Eine Verlagerung von Stellen aus Großbritannien werde es nicht geben. EasyJet transportiert mehr als 70 Mio. Passagiere pro Jahr; die mehr als 270 Maschinen starten und landen in 31 Ländern.

Chronik

Schweizer Polizei warnt vor Kettensägenangreifer

Weiterhin auf der Flucht ist jener Mann, der gestern Vormittag in der Schweizer Stadt Schaffhausen mit einer Motorsäge zwei Angestellte einer Krankenversicherung und drei weitere Personen attackiert hat.

Die Polizei will nicht ausschließen, dass dem amtsbekannten 51-Jährigen, der in der Bodensee-Region in Wäldern gelebt haben soll, bereits die Flucht über die Schweizer Landesgrenzen gelungen sein könnte. Die Polizei stuft ihn als „gefährlich, aggressiv und psychisch auffällig“ ein.

Mehr dazu in „Auch für andere Menschen gefährlich“

GB: Eltern geben Streit um todkrankes Baby auf

Die Eltern des schwer kranken britischen Säuglings Charlie Gard haben den juristischen Streit um das Schicksal ihres Kindes aufgegeben. Das sagte ein Anwalt der Eltern gestern in London.

Unglücklicherweise sei die „Zeit abgelaufen“, so der Anwalt von Connie Yates und Chris Gard zu Beginn einer Anhörung des Londoner Gerichts. Er verwies auf Charlies jüngste Gehirnscans und sagte, eine Weiterbehandlung sei nicht mehr zu „seinem Besten“.

Seltene Krankheit

Das Baby leidet an einer seltenen genetischen Krankheit, sein Gehirn ist stark geschädigt, unter anderem kann er nicht mehr selbstständig atmen. Seine Ärzte am Londoner Krankenhauses Great Ormond Street und andere Experten halten eine Heilung für ausgeschlossen und beantragten die Abschaltung der lebenserhaltenden Geräte, um dem Kind weiteres Leiden zu ersparen.

Alle gerichtlichen Instanzen bis hin zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gaben den Ärzten recht. Das Londoner Krankenhaus rief dann aber selbst das Gericht an, um neue Hinweise auf experimentelle Behandlungsmethoden erörtern zu lassen. Gleichzeitig bekräftigte es seinen bisherigen Standpunkt.

Versuchsmethode in den USA

Die Eltern wollten ihren Sohn mit einer Versuchsmethode in den USA behandeln lassen. Das Gericht wollte nach neuen Anhörungen zu der Methode heute sein Urteil fällen. Das Schicksal des elf Monate alten Babys hatte international für Schlagzeilen gesorgt. Sowohl Papst Franziskus als auch US-Präsident Donald Trump bekundeten ihr Mitgefühl. Trump bot über den Kurzbotschaftendienst Twitter seine Hilfe an.

Heftige Brände in Südfrankreich und auf Korsika

Heftiger Wind hat in Südfrankreich und auf Korsika schwere Brände angefacht. In der Provence kämpften 500 Feuerwehrleute in der Nähe des Ortes Bastidonne nördlich von Aix-en-Provence gegen einen Waldbrand, wie die Präfektur des Departements Vaucluse gestern berichtete.

Waldbrand

APA/AFP/Pascal Pochard-Casabianca

Das Feuer breitete sich auf rund 650 Hektar aus. Bewohner mussten im Ort Mirabeau rund 100 Häuser verlassen. Löschflugzeuge waren im Einsatz. Menschen seien nicht verletzt worden, berichtete der Nachrichtensender Franceinfo. Die von Aix in Richtung Nordosten führende Autobahn 51 sei gesperrt worden. Eine regionale Zugverbindung wurde zwischen den Orten Manosque und Meyrargues unterbrochen.

Auf der französischen Mittelmeer-Insel Korsika gab es laut dem Sender mehrere Brände. In der Nähe des Ortes Olmeta-di-Tuda brannte die Vegetation auf einer Fläche von rund 900 Hektar. Einige Häuser mussten geräumt werden. Brände wurden auch auf dem Festland in Carros nördlich von Nizza und in Marseille gemeldet.

Medien

20 Jahre ORF.at: Zeitreise mit der „blauen Seite“

Im Juli 1997 hat man im Silicon Valley von den Revolutionen und Millionen geträumt, die das junge Internet mit sich bringen könnte. Gleichzeitig pfiff bei gerade fünf Prozent der Österreicher ein Telefonmodem vor sich hin, während man versuchte in die neue Webwelt einzutauchen.

Als Fenster zur Welt ging am 24. Juli 1997 ORF.at online - und wurde binnen kurzer Zeit zur meistgelesenen Nachrichtenseite Österreichs. Dass die Grundkonzeption von ORF.at seit Beginn konstant blieb, wurde von manchen immer wieder belächelt. Nur: Zur Erfolgsstory von ORF.at trug auch bei, viele Irrungen der Webgeschichte nicht mitgemacht zu haben.

Mehr dazu in Als das Web noch wild und bunt war

IT

EU erhöht Druck auf Soziale Netzwerke

Die Europäische Union hat den Druck auf Facebook, Google und Twitter erhöht, damit diese die Nutzungsbedingungen ihrer Sozialen Netzwerke an EU-Recht anpassen. Die drei Unternehmen wurden im Juni von der Kommission schriftlich aufgefordert, bis zum 20. Juli verbesserte Vorschläge zu unterbreiten, wie aus den Schreiben hervorgeht, die die Nachrichtenagentur Reuters gestern einsehen konnte.

Die bisherigen Vorschläge werden als unzureichend angesehen. In mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen hieß es, zwei Unternehmen seien dieser Aufforderung nachgekommen, eines habe um mehr Zeit gebeten. Die Bedenken der Kommission betreffen vor allem das von den Sozialen Netzwerken vorgeschlagene Prozedere zur Löschung rechtswidriger Inhalte. Sollten die Unternehmen den EU-Aufforderungen nicht nachkommen, könnten Strafen gegen sie verhängt werden.

Gewinneinbruch bei Google-Mutter

Eine milliardenschwere Strafe der EU-Kommission hat unterdessen der Google-Mutter Alphabet einen Gewinneinbruch eingebrockt. Im zweiten Quartal fiel der Überschuss verglichen mit dem Vorjahreswert um 28 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar (drei Mrd. Euro), wie der Internetkonzern mitteilte.

Kultur

Bald neues Album der Rolling Stones?

Nach zwölf Jahren Pause können sich Fans der Rolling Stones auf ein neues Album der britischen Altrocker freuen. Gitarrist Keith Richards antwortete in einem Frage-Antwort-Forum für Fans auf der Videoplattform YouTube auf eine entsprechende Frage: „Ja, tatsächlich, das werden wir sehr, sehr bald.“

Die Stones haben in den vergangenen zehn Jahren zwar fleißig Konzerte gegeben, aber seit „A Bigger Bang“ aus dem Jahr 2005 kein neues Studioalbum aufgenommen.

Kürzlich hatte ein Musikproduzent ein Foto von Sänger Mick Jagger veröffentlicht, das diesen in einem Studio mit dem britischen Rapper Skepta zeigte. Die Rolling Stones haben in ihrer mehr als 50-jährigen Karriere bereits mit zahlreichen Stars zusammengearbeitet, allerdings noch nicht mit einem Hip-Hop-Künstler. Ex-Beatle Paul McCartney hatte vor zwei Jahren einen Song mit US-Rapper Kanye West und der Sängerin Rihanna aufgenommen.

Richards sagte in seinem YouTube-Kanal, die Band arbeite an „neuen Sachen und schaut, wohin es als Nächstes geht“. Das Einspielen neuer Stücke gebe der Band „einen Energieschub“ inmitten von „Überlebensängsten in der heutigen Zeit“, sagte er. Auf dem neuen Album werde es aber auch Blues-Klassiker geben. Und auch auf die Bühne zieht es die reiselustigen Altrocker wieder: Im September und Oktober sind die Stones auf einer Stadion-Tour in Europa zu sehen.

Trauer um Viennale-Chef Hans Hurch

20 Jahre lang leitete er die Viennale: Am Sonntag ist Hans Hurch völlig überraschend verstorben. Laut Viennale erlag er in Rom einem Herzversagen. Hurch hatte sich in der italienischen Hauptstadt wegen eines Arbeitstreffens mit Regisseur Abel Ferrara aufgehalten. Auf eigenen Wunsch wäre Hurchs Vertrag mit der Viennale 2018 ausgelaufen. Die Viennale war unter Hurch ein cinephiles Entdeckerfestival, bei dem die Filme im Vordergrund standen - und nicht der Starrummel.

Mehr dazu in 20 prägende Jahre

Neuer James Bond-Film kommt 2019

Der 25. James-Bond-Film soll am 8. November 2019 in den US-amerikanischen Kinos starten. Das kündigten die Produktionsfirmen Metro-Goldwyn-Mayer und Eon Productions auf der offiziellen James-Bond-Website an. In Großbritannien und dem Rest der Welt solle der Film „traditionell etwas früher starten“, hieß es in der knappen Erklärung.

Ob Daniel Craig zum fünften Mal die Rolle des berühmten Geheimagenten spielt, wurde zunächst nicht bekannt. Über seine Zukunft als 007 wird seit längerem spekuliert.

Mit dem Drehbuch wurden erneut Neal Purvis und Robert Wade beauftragt, die unter anderem für die Bond-Abenteuer „Casino Royale“, „Ein Quantum Trost“, „Skyfall“ und zuletzt „Spectre“ verantwortlich zeichneten. In allen vier Filmen spielte Craig die Hauptrolle. Weitere Details zu Besetzung, Regie und Produktion sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden, hieß es.

Regisseurinnen dominieren Kritikerwoche in Venedig

Die „Settimana Internazionale della Critica“ (SIC), eine Spezialschiene des Filmfestivals von Venedig, die sich jungen Talenten widmet, hat gestern ihr Programm für 2017 bekanntgegeben: Auffällig ist die starke Präsenz von Regisseurinnen und weiblichen Filmfiguren. Sieben von neun Filmen entstanden unter der Koregie und Regie von Frauen.

Eröffnen wird die Kritikerwoche am 30. August mit „Pin Cushion“, einem finsteren Coming-of-Age-Drama, das die britische Regisseurin Deborah Haywood in den Arbeiterbezirken von Derbyshire drehte. Aus Deutschland wurde die Hamburgerin Helena Wittmann mit ihrem Debütfilm „Drift“ eingeladen. Er erzählt die Geschichte zweier Frauen, die ein Wochenende an der Nordsee zusammen verbringen. Knallbunt ist der Wettbewerbsbeitrag der Dänin Annika Berg, die in „Team Hurricane“ eine ausgeflippte Neo-Punk-Gruppe porträtiert (siehe Bild).

Filmstill aus „Team Hurrican“

Annika Berg

Punks, Politparabeln und eine Wölfin

Die Schweizerin Katharina Wyss ist mit „Sarah spielt einen Werwolf“ im Wettbewerb vertreten, der mysteriösen Geschichte einer Performerin (Sabine Timoteo), die sich tatsächlich in einen Werwolf zu verwandeln scheint. Aus Argentinien stammt das Vater-Sohn-Drama „Hunting Season“ von Natalia Garagiola, und die Türkin Emre Yeksan entwirft in „The Gulf“ eine surreale Parabel auf die politische Situation in ihrem Heimatland.

Außerdem mit dabei sind „Il cratere“, ein „rückwärts erzähltes Disney-Märchen“ von Luca Bellino und Silvia Luzi (Italien), „Les garcons sauvages“ von Bertrand Mandico (Frankreich) und „Veleno“ von Diego Olivares (Italien) - ein Film, der seine Kritik an den politischen Verhältnissen in Italien in die Form einer Soap-Opera gießt.

Die Filme der Kritikerwoche konkurrieren um den Publikumspreis sowie um die Preise für die beste technische Leistung und innovativste Regie. Zugleich qualifizieren sie sich für den mit 100.000 Dollar dotierten „Zukunftslöwen“. Das Filmfestival von Venedig, das am Donnerstag sein volles Programm bekanntgeben wird, findet heuer von 30. August bis 9. September statt.

Schweizer Mundartrocker Polo Hofer gestorben

Der Berner Mundartrocksänger Polo Hofer ist am Samstag 72-jährig verstorben. Das teilte seine Familie mit. Vor knapp einem Jahr hatte Hofer bekanntgegeben, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei. „Am Samschtig, 22. Juli, churz vor Mitternacht, het mys letschte Stündli gschlage und i bi zfriede deheime ygschlafe“, hieß es in einer Mitteilung, die zusammen mit einer Todesanzeige verbreitet wurde. „I säge: Tschou zäme, es isch schön gsy!“, heißt es in der Todesanzeige und weiter: „Uf my Wunsch git’s weder Ufbahrig no Abdankig.“

Hofer war gleichzeitig der letzte ausgebildete Handlithograf der Schweiz und der Gründer der ersten Mundartrockband des Landes. Mit Songs wie „Kiosk“, „Giggerig“ und „Teddybär“ wurde er berühmt. Der von ihm und Hanery Amman komponierte Hit „Alperose“ wurde 2006 vom Schweizer Fernsehpublikum gar zum größten Schweizer Hit aller Zeiten gewählt.

Hofer hatte seit einigen Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Am 8. Jänner 2016 erschien sein letztes Album „Ändspurt“. Der Musiker hat bis zuletzt an die Kraft der Musik geglaubt. „Die Musik stärkt mein Immunsystem“, sagte er noch im Frühjahr in einem Interview mit der „Schweiz am Sonntag“.

Linkin Park verabschieden sich von Sänger Bennington

Die US-Rockband Linkin Park hat sich mit einer Nachricht auf Facebook von ihrem verstorbenen Sänger Chester Bennington verabschiedet. „Deine Abwesenheit hinterlässt eine Leere, die nie gefüllt werden kann - eine ausgelassene, witzige, ehrgeizige, kreative, freundliche, großzügige Stimme im Raum fehlt“, schrieb die Band gestern. Bennington hatte sich letzte Woche im Alter von 41 Jahren das Leben genommen.

„Die Dämonen, die dich uns wegnahmen, waren immer Teil des Deals. Schließlich verliebten sich alle überhaupt in dich wegen der Art, wie du über diese Dämonen sangst. Du stelltest sie furchtlos zur Schau und brachtest uns dadurch zusammen und lehrtest uns, menschlicher zu sein“, hieß es in der mit „LP“ unterzeichneten Nachricht.

Die 1996 in Los Angeles gegründete Band deutete an, weiterhin Musik machen zu wollen, ließ Details aber offen. „Unsere Liebe zum Musikmachen und -spielen ist unauslöschlich. Obwohl wir nicht wissen, welchen Weg unsere Zukunft nehmen mag, wissen wir, dass jedes unserer Leben durch dich verbessert wurde. Danke für dieses Geschenk. Wir lieben dich und vermissen dich so sehr.“

Leute

Justin Bieber bricht Welttournee ab

Popstar Justin Bieber bricht seine Welttournee ab. Aufgrund von „unvorhergesehenen Umständen“ müsse der Sänger die restlichen Konzerte der „Purpose“-Tour absagen, hieß es gestern auf Biebers Website. Mehr Details gab es zunächst nicht. Auf dem Tourplan standen noch 15 Konzerte in den USA und Asien. „Justin liebt seine Fans und hasst es, sie enttäuschen zu müssen“, hieß es in der Mitteilung.

Der Musiker danke seinen Fans für die Unterstützung bei den bisherigen Konzerten der Tour - mehr als 150 auf sechs Kontinenten. „Aber nach sorgfältiger Überlegung hat er entschieden, keine weiteren Shows mehr zu spielen.“ Die Kosten für die Tickets würden erstattet.