TV: Iran will zweites AKW in Buschehr bauen
Der Iran will offenbar ein zweites Atomkraftwerk bauen. Wie das Staatsfernsehen heute unter Berufung auf Atomprogramm-Chef Fereidun Abbassi Dawani berichtete, sollen die Bauarbeiten im kommenden Jahr im südlichen Buschehr beginnen, wo seit Herbst 2011 das bisher einzige iranische Atomkraftwerk in Betrieb ist. Es war nach jahrzehntelanger Bauzeit und zahlreichen Verzögerungen mit russischer Hilfe errichtet worden.
Das neue AKW soll eine Leistung von tausend Megawatt haben und im „kommenden Jahr“ gebaut werden, wie Dawani ankündigte. Bei der Zeitangabe bezog er sich auf den iranischen Kalender, bei dem das Jahr 2013 im März beginnt. Ob Russland auch am Bau des neuen Kraftwerks beteiligt ist, sagte Dawani nicht.
Der Bau des ersten Atomkraftwerks in Buschehr war vor der iranischen Revolution 1979 von Deutschland unterstützt worden. 1995 hatte Russland die Arbeiten fortgesetzt und liefert auch den notwendigen Brennstoff. In Teheran betreibt der Iran außerdem einen Forschungsreaktor.
Iran beharrt auf Urananreicherung auf 20 Prozent
Der Iran will seine umstrittene Urananreicherung nicht aussetzen. Teheran habe „keinen Grund“, die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent zu stoppen, wurde der Chef des iranischen Atomprogramms, Dawani von der Zeitung „Khorasan“ zitiert. Zur Begründung sagte Dawani, dass der Iran nur so viel angereichertes Uran produziere, wie er für seinen Forschungsreaktor benötige: „Nicht mehr und nicht weniger.“
Mehrere westliche Regierungen verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich an einer Atombombe zu arbeiten. Teheran weist das zurück. Die Urananreicherung auf 20 Prozent steht im Mittelpunkt des Konflikts, über den der Iran diese Woche in Bagdad mit den UNO-Vetomächten und Deutschland beraten hatte. Es wird befürchtet, dass Teheran mit einer Anreicherung auf 90 Prozent später waffenfähiges Uran produzieren kann. Der Westen versucht daher, den Iran von der Anreicherung auf 20 Prozent abzubringen.
Am Freitag hatte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) mitgeteilt, dass in Proben aus dem Iran sogar Spuren von Uran gefunden wurden, das auf 27 Prozent angereichert worden war. Die iranischen Behörden hatten den höchsten Urananreicherungswert bisher offiziell mit knapp unter 20 Prozent angegeben. Bei den Gesprächen in Bagdad konnten sich die Beteiligten lediglich darauf einigen, Mitte Juni zu weiteren Verhandlungen in Moskau zusammenzukommen.
