Ausland

Malta: Belohnung für Aufklärung von Mord an Journalistin

Nach dem Mord an einer kritischen Bloggerin auf Malta bietet die Regierung eine Million Euro für die Aufklärung des Anschlags. Die regierungskritische Journalistin Daphne Caruana Galizia war letzte Woche durch eine Autobombe auf der Insel getötet worden. Die Regierung sei entschlossen, den Mord aufzuklären und die Täter vor Gericht zu bringen, hieß es in einer Mitteilung heute.

Caruana Galizia hatte zuletzt unter anderem einen Skandal um die Panama Papers aufgedeckt. Dabei beschuldigte sie auch Mitarbeiter von Premierminister Joseph Muscat, Übersee-Briefkastenfirmen zu betreiben. Auch Tage nach dem Anschlag gibt es offiziell keine heiße Spur, wer das Attentat verübt haben könnte.

Schutz wird garantiert

Weltweit wurde der Anschlag verurteilt. Kritiker werfen der Regierung in Valletta vor, dass das System von Korruption zerfressen sei. Auch habe die Mafia die Insel unterwandert.

„Der Fall ist von außerordentlicher Bedeutung und verlangt außerordentliche Maßnahmen - Gerechtigkeit muss getan werden, egal, was es kostet“, erklärte die Regierung. Jeder, der relevante Informationen an die Behörden weitergebe, könne mit vollem Schutz rechnen.

Referenden über mehr Autonomie in Norditalien

In den norditalienischen Regionen Lombardei und Venetien stimmen die Bürger morgen über mehr Autonomie ab. Zu den Referenden in zwei der wirtschaftsstärksten Teile des Landes sind rund zehn Millionen Menschen aufgerufen. Dabei geht es aber - im Gegensatz zu der spanischen Region Katalonien - nicht um die Unabhängigkeit, sondern um mehr Rechte für die Regionen, etwa in Finanzfragen.

Die Referenden sind nicht bindend. Sie sollen vielmehr den jeweiligen Regionalvertretern mehr Kraft in Verhandlungen mit der Zentralregierung in Rom geben.

Wahlbeteiligung entscheidend

Im Lichte der Katalonien-Krise, in der sich die reiche spanische Region von der Zentralregierung in Madrid lossagen will, werden auch die Abstimmungen in Italien mit Spannung verfolgt. Die Wahllokale sind bis 23.00 Uhr geöffnet, Ergebnisse werden am Montag erwartet. Entscheidend wird die Wahlbeteiligung sein.

Unabhängigkeit von Italien kein Thema

Antreiber der Autonomiebestrebungen ist die Partei Lega Nord, die einst gegründet wurde, um den reichen Norden vom armen Süden Italiens abzuspalten. Mittlerweile hat die Lega Nord eine fremdenfeindliche Ausrichtung und verfolgt das Ziel der Abspaltung nicht mehr offensiv. Die Parteiführung hatte mehrmals darauf hingewiesen, dass die Volksbefragungen im verfassungsrechtlichen Rahmen ablaufen und die Unabhängigkeit von Italien kein Thema sei.

Unter anderem wollen die Lombardei mit der Wirtschaftsmetropole Mailand und Venetien mit Touristenhochburgen wie Verona und Venedig das Geld, das sie erwirtschaften, in der Region halten.

Erdogan bezeichnet USA als undemokratisch

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat im Streit mit den USA nachgelegt. „Es heißt, die USA sind die Wiege der Demokratie. Das kann nicht stimmen. Das kann keine Demokratie sein“, sagte Erdogan heute bei einer Rede in Istanbul.

Damit könnten Hoffnungen auf eine Beilegung des Visumstreits der beiden NATO-Partner wieder schwinden. Zuletzt hatte das türkische Präsidialamt sich zuversichtlich gezeigt, den Konflikt bald lösen zu können.

Keine Visa mehr

Die USA und die Türkei stellen den jeweils anderen Staatsbürgern seit Anfang des Monats keine Visa mehr aus. Hintergrund ist die Festnahme zweier Türken, die für die USA als konsularische Mitarbeiter tätig waren. Die Behörden werfen ihnen vor, Verbindungen zu Beteiligten des gescheiterten Militärputschs im vergangenen Jahr zu haben. Die Regierung in Washington wies das zurück.

Zudem wurden in den USA 15 türkische Sicherheitskräfte verklagt. Bei dem US-Besuch von Erdogan im Mai war es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen türkischen Sicherheitskräften und Demonstranten gekommen. „Wenn gegen meine Bodyguards in Abwesenheit Haftbefehl erlassen wird in den USA, wohin ich auf Einladung gereist bin, Entschuldigung, aber da kann ich nicht sagen, dass es sich um ein zivilisiertes Land handelt“, sagte Erdogan.

Haschischvorwürfe: Krise zwischen Algerien und Marokko

Der algerische Außenminister Abdelkader Messahel hat das Nachbarland Marokko des Haschischhandels beschuldigt und damit eine diplomatische Krise ausgelöst. Die marokkanische Regierung rief gestern aus Protest ihren Botschafter aus Algier zurück und zitierte den algerischen Geschäftsträger in Rabat zu sich.

Das marokkanische Außenministerium bezeichnete Messahels Äußerungen als „unverantwortlich“: Sie zeugten von einer „Ignoranz, die ebenso tief wie unentschuldbar“ sei.

„Weiß die ganze Welt“

Messahel hatte am Vortag bei einem Wirtschaftsforum in Algier angedeutet, dass Marokko seine steigenden Investitionstätigkeiten in afrikanischen Ländern mit Erlösen aus dem im Land angebauten Haschisch finanziere. „Bei den marokkanischen Banken geht es um Geldwäsche aus dem Haschischgeschäft, das weiß doch jeder“, sagte Messahel. „Afrikanische Staatschefs haben mir das gesagt.“

Auch die staatliche marokkanische Fluggesellschaft spiele bei den Haschisch-Deals eine Rolle, behauptete der Algerier: „Dass die Royal Air Maroc auch anderes als Passagiere transportiert, weiß die ganze Welt.“ Filmaufnahmen von Messahels Äußerungen verbreiteten sich schnell in den Sozialen Medien der beiden Maghreb-Länder.

„Verlogenen Anschuldigungen“

Das marokkanische Außenministerium warf Algerien vor, mit den Vorwürfen von eigenen Problemen ablenken zu wollen: „Diese verlogenen Anschuldigungen können aber nicht das eigenen Versagen rechtfertigen oder die erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Probleme in diesem Land kaschieren.“

Algerien und Marokko haben seit langem ein gespanntes Verhältnis. Die Grenze zwischen den beiden Staaten ist seit 1994 geschlossen. Zu den großen Streitfragen zählt die Westsahara: Marokko hat große Teile der ehemaligen spanischen Kolonie besetzt, Algerien unterstützt die Unabhängigkeitsbewegung.

Attentäter tötet mindestens 15 Rekruten in Kabul

Bei einem Selbstmordanschlag in Kabul sind mindestens 15 afghanische Rekruten getötet worden. Vier Menschen seien verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium heute in der afghanischen Hauptstadt mit. Erst gestern waren bei Selbstmordanschlägen in Afghanistan bereits Dutzende Menschen getötet worden.

Bei einer Attacke auf eine Moschee in Kabul starben 56 Menschen. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Weitere 55 Menschen seien verletzt worden. Während des Freitagsgebets hatte sich ein Selbstmordattentäter in der schiitischen Moschee in die Luft gesprengt. Zu der Tat bekannte sich die sunnitische Dschihadistenmiliz Islamischer Staat.

Inland

Platter hofft auf neue Regierung vor Weihnachten

Der Tiroler Landeshauptmann und ÖVP-Landeschef Günther Platter hält für die kommenden Koalitionsgespräche wenig von „roten Linien“ und starren Vorgaben. „Dann bringt man keine Koalition zustande“, sagte Platter heute in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“. ÖVP-Chef Sebastian Kurz habe bei allen Themen freie Hand. Die neue Regierung soll laut Platter bis Weihnachten stehen.

Eine Diskussion über „rote Linien“ würde die Problemfelder nur schwieriger machen. Wichtig und entscheidend seien „harte Gespräche und zu schauen, dass Österreich so rasch als möglich eine Koalition haben wird - spätestens vor Weihnachten. Das ist jetzt das Ziel“, so der Tiroler Landeshauptmann.

Tirol-Wahl im Februar

Auf eine mögliche schwarz-blaue bzw. türkis-blaue Koalition wollte sich Platter nicht festlegen. Entscheidend sei, „mit wem die Inhalte am besten umgesetzt werden können, damit Österreich verändert werden kann“. Er verwies zudem darauf, dass es von der SPÖ den „massiven Versuch gegeben hat, mit den Blauen eine Regierung zu bilden, mit dem Ziel, dass ja nicht Sebastian Kurz Bundeskanzler wird, aber das wird letztlich nicht gelingen“.

Den Wahlkampf für die Landtagswahl im Februar will die Tiroler ÖVP als eigenständige Bewegung führen. „Wir werden unseren eigenen Wahlkampf machen. Das wird sich alles auf mich zuspitzen. Wenn Sebastian Kurz kommt - und es wird den einen oder anderen Wahlkampfauftritt geben -, ist er herzlich willkommen“, so Platter.

Ob die Tiroler ÖVP dabei weiter auf die traditionelle Farbe Schwarz oder auf das neue ÖVP-Türkis setzt, ließ der Landeshauptmann offen. „Tirol ist ein schwarzes Land, aber diese Türkis-Farbe hat sehr viel gebracht.“

Audio dazu in oe1.ORF.at

„La Stampa“: EU will Wien bei Agenturvergabe bevorzugen

Brüssel arbeitet für die Vergabe der EU-Arzneimittelagentur (EMA) an Wien, um die Europaskepsis in Österreich zu reduzieren und eine Annäherung an die Visegrad-Länder zu vermeiden. Das berichtete heute die italienische Tageszeitung „La Stampa“.

Das Blatt berichtete, dass die Aussicht einer Verlegung der EMA von London nach Wien den mit der Regierungsbildung beauftragten ÖVP-Chef Sebastian Kurz bewegen könnte, ein europafreundliches Kabinett aufzubauen. „In Brüssel ist die Sorge einer möglichen Allianz Kurz’ mit der extremen Rechten groß, die Wien in Richtung Visegrad-Länder treiben könnte. Daher wird hinter den Kulissen gearbeitet, um Österreichs Annäherung an die osteuropäischen Länder zu verhindern“, analysierte die Turiner Tageszeitung.

19 Städte bewarben sich

Nach Ansicht von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sind die Chancen Österreichs, im Zuge des „Brexit“ eine der beiden EU-Agenturen aus London an Land zu ziehen, dagegen im Sinken. „Unsere Chancen sind intakt, überbordend allerdings nicht“, räumte Kern gestern am Rande des EU-Gipfels in Brüssel ein.

Inzwischen erhöht auch die italienische Regierung den Druck auf Brüssel für eine Verlegung der EMA nach Mailand. „Wir führen eine intensive diplomatische Kampagne“, berichtete der italienische Premier Paolo Gentiloni. 19 Städte haben sich um die EMA beworben.

Kritik an Verhüllungsverbot

Der rote Polizeigewerkschafter Hermann Greylinger läuft nach den jüngsten skurrilen Polizeieinsätzen im Zuge des „Anti-Gesichtsverhüllungsgesetzes“ in Österreich Sturm gegen dieses.

Der stellvertretende Vorsitzende der Polizeigewerkschaft fordert in der Tageszeitung „Österreich“ ein Aus für das derzeitige Gesetz. „Das ist nicht vollziehbar, man hat aus Verfassungsgründen nicht hineingeschrieben, dass es um Burkas geht, und jetzt kommt so ein Mist raus.“ Der FSG-Mann wünscht eine Überarbeitung und Neuaufstellung des Gesetzes und sprach in „Österreich“ sogar von einer „Scheißregelung“.

Pürstl: „Gesetz natürlich exekutierbar“

Der Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl wies die Kritik der roten Polizeigewerkschaft heute zurück. „Das Gesetz ist aus Sicht der Polizei natürlich exekutierbar, ich sehe hier keine gröberen Probleme und auch keinen Grund zur Aufregung. Die Beamten sind gut geschult und kennen mittlerweile auch konkrete Beispiele“, erklärte Pürstl.

„Die Anzahl der Amtshandlungen steht auch nicht wirklich im Verhältnis zur Aufmerksamkeit, die teilweise versucht wird zu erreichen. So wie bei jedem Gesetz, das von der Theorie in die Praxis kommt, kann es zu Beginn zu kleineren Missverständnissen kommen. Das sollte man aber sachlich und unaufgeregt betrachten“, so Pürstl weiter.

Sobotka: Aufregung unverständlich

Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) wies die Kritik ebenfalls zurück. „Tatsache ist, dass es seit Anfang Oktober in Wien erst etwas mehr als 30 Amtshandlungen im Zusammenhang mit dem neuen Gesetz gab. Die Aufregung ist also unverständlich und eher Provokationen geschuldet“, sagte Sobotka der Tageszeitung.

Für Aufsehen sorgten in den vergangenen Wochen vor allem Polizeieinsätze gegen Maskottchen, Clowns oder Bürger mit Schal im Gesicht. Zuletzt wurde etwa das Maskottchen der Demokratiewerkstatt des Parlaments bei einem Filmdreh anlässlich des Tags der offenen Tür am Nationalfeiertag vor dem Hohen Haus von der Wiener Polizei beamtshandelt.

Zanger will vor Verfassungsgerichtshof gehen

Nur wenige der Amtshandlungen seit Inkrafttreten des Verhüllungsverbots Anfang Oktober betraf bisher hingegen Frauen mit muslimischer Gesichtsverschleierung, auf die das Gesetz eigentlich abzielt. Der Wiener Anwalt Georg Zanger will das Gesetz im Auftrag einer Mandantin, die wegen eines Schals im Gesicht von der Exekutive gestoppt worden war, vor den Verfassungsgerichtshof bringen und seine Aufhebung erwirken.

Zeitung „Haaretz“ kritisiert „Philosemitismus“ der FPÖ

Nach dem guten Abschneiden der FPÖ bei der Nationalratswahl analysiert die israelische Zeitung „Haaretz“ die Rolle der jüdischen Community in Österreich, aber auch anderen europäischen Staaten. Sie werde zunehmend von rechtspopulistischen Parteien als Instrument benutzt, um Muslime und andere Minderheiten zu dämonisieren, schreibt „Haaretz“ in einem Kommentar über den neuen „Philosemitismus“.

„Israels bester Freund“

„Noch vor fast drei Jahrzehnten wurde Heinz-Christian Strache bei einem Fackelmarsch einer Gruppe, die sich selbst die Hitlerjugend zum Vorbild nahm, festgenommen. In diesen Tagen klingt der 48-jährige Chef der politisch weit rechts stehenden Freiheitlichen Partei - die nach der Wahl am Sonntag sehr wahrscheinlich Teil der neuen österreichischen Regierung sein wird - so, als wolle er Israels bester Freund sein.“

Strache absolvierte, ebenso wie andere FPÖ-Funktionäre, in den vergangenen Jahren immer wieder Israel-Besuche, forderte im Sommer sogar die Verlegung der österreichischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem - wohl in der Hoffnung, die Beziehungen zu verbessern. Israel gilt als besonders FPÖ-skeptisch, vor allem nach dem Regierungseintritt der Freiheitlichen im Jahr 2000; von 2000 bis 2004 zog Israel seinen Botschafter aus Wien ab. Dementsprechend weigerten sich auch israelische Regierungspolitiker, Strache im Rahmen seiner Israel-Besuche zu treffen.

Ähnlichkeit zu Wilders und Le Pen

Strache sei aber nicht der einzige Rechtsaußen-Politiker in Europa, der ein Anhänger dieses „Philosemitismus“ geworden ist, so „Haaretz“. Auch der niederländische, islamkritische Politiker Geert Wilders oder die Front-National-Chefin Marine Le Pen seien der jüdischen Community zugetan. Le Pen habe ihre Partei gegenüber der jüdischen Gemeinschaft in Frankreich als „besten Schutzschild“ bezeichnet. „Rechtsaußen-Politiker benutzen die jüdische Community (...) als Instrument, um Muslime oder andere Minderheiten zu dämonisieren“, so das Blatt. "Dennoch ist die Tendenz der weit rechts stehenden Politiker Richtung „Philosemitismus" großteils eine neue, vor allem weil viele der Parteien eigentlich noch antisemitische Elemente beherbergen, die immer wieder auftauchen.“

„Manchmal verrutscht die Maske (der FPÖ, Anm.) aber ein bisschen“, berichtet „Haaretz“ von der Diskussion über Spenden des jüdischen Immobilienunternehmers Georg Muzicant an die ÖVP, kurz vor der Wahl in Österreich. Strache ortete in einer TV-Debatte in Muzicants Unterstützung rot-schwarze „Verstrickungen“, „ein Wort, das in dem Kontext eine jüdische Verschwörung impliziert“, kritisiert „Haaretz“.

Sport

Fußball: ManUnited verliert Anschluss an City

Der Tabellenzweite Manchester United hat in der englischen Premier League den Anschluss an Leader Manchester City verloren. Die „Red Devils“ mussten sich überraschend bei Aufsteiger Huddersfield geschlagen geben, die „Citizens“ feierten hingegen einen klaren Heimsieg gegen Burnley und vergrößerten den Vorsprung auf fünf Punkte. Von den Österreicher-Clubs gab es heute nur für Leicester City ein Erfolgserlebnis.

Mehr dazu in sport.ORF.at

Wirtschaft

Internationaler Haftbefehl gegen Agrokor-Gründer

Die Staatsanwaltschaft im EU- und NATO-Staat Kroatien sucht den mächtigsten Unternehmer des Landes mit internationalem Haftbefehl. Die Strafverfolgungsbehörde habe heute in Zagreb einen entsprechenden Haftbefehl für Ivica Todoric ausgestellt, bestätigte ein Sprecher. Dem 66-Jährigen werden Bilanzfälschung und Konkursverschleppung vorgeworfen.

Todoric hatte über Jahrzehnte den in der gesamten Balkan-Region mit Abstand größten Lebensmittel- und Handelskonzern Agrokor aufgebaut, der jetzt bankrott ist. Nach unbestätigten Berichten soll der Geschäftsmann in London untergetaucht sein.

Schulden in Milliardenhöhe

Der Konzern Agrokor ist mit schätzungsweise sechs Milliarden Euro verschuldet. Allein bei der russischen Sberbank betragen die Verbindlichkeiten eine Milliarde Euro. Zuletzt war das bereits angeschlagene Unternehmen nur mit neuen russischen Krediten am Leben gehalten worden. Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic hatte die Finanzprobleme in dieser Woche auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin besprochen.

Die kroatische Regierung hatte Agrokor per Sondergesetz übernommen, um den Konkurs doch noch abzuwenden. Eigentümer Todoric hatte dagegen behauptet, ihm sei sein Unternehmen gestohlen worden. Der Konzern hat mit seinen 60.000 Beschäftigten überragende Bedeutung für die Wirtschaft des kleinen Kroatien. Nach Medienberichten sollen führende Politiker, darunter auch ein amtierender Minister, zeitweise in dem Unternehmen in leitenden Positionen gearbeitet haben und in den Skandal verstrickt sein.

Medien

Chronik

Messerstecherei in Wien: 16-Jähriger in Lebensgefahr

Bei einer Messerstecherei vor einem Lokal in Wien ist gestern Abend ein 16-Jähriger lebensgefährlich verletzt worden. Die Polizei ermittelt wegen Mordversuchs.

Mehr dazu in wien.ORF.at

Auch in Oberösterreich kam es in der Nacht zu einer Messerstecherei. Vor einem Lokal in der Linzer Altstadt verletzten einander zwei Männer gegenseitig schwer. Ein 19-jähriger Türke war mit einem 20-jährigen Linzer in Streit geraten. Der Linzer erlitt einen Bauchstich.

Mehr dazu in ooe.ORF.at

Kinderpornoring in Brasilien gesprengt

Die brasilianische Polizei hat in einer landesweiten Razzia gegen ein Pädophilennetzwerk 108 Verdächtige festgenommen. Sie sollen Kinderpornografie nicht nur verbreitet, sondern in einigen Fällen auch selbst produziert haben, wie brasilianische Medien gestern berichteten.

Es handle sich um die größte Operation gegen Pädophilie in einem südamerikanischen Land, wie ein Behördensprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. 1.100 Polizisten durchsuchten Gebäude in 24 der 26 brasilianischen Bundesstaaten und der Hauptstadt Brasilia. An der Operation waren auch Spezialisten der US-Botschaft beteiligt.

Weitere Ermittlungen

Der britische Sender BBC berichtete, die Ermittler hätten insgesamt 150.000 kinderpornografische Bilder sichergestellt. Die mutmaßlich von der Gruppe selbst hergestellten Bilder zeigten demnach unter anderem auch den Missbrauch von jungen Kindern und Säuglingen. Unter den Festgenommenen seien Polizisten im Ruhestand, Beamte und Verantwortliche von Jugend-Fußballvereinen.

Ob der Ring in Brasilien unabhängig operiert oder Verbindungen zu kriminellen Netzwerken in anderen Ländern gehabt habe, untersuchten die Ermittler noch, hieß es in dem Bericht.

Festnahme nach Messerattacke in München

Nach einer Messerattacke in München ist ein Verdächtiger festgenommen worden. Der Mann soll in der Früh an sechs Tatorten in der bayerischen Hauptstadt mehrere Menschen mit Messern angegriffen haben, acht wurden verletzt. Er sei um die Mittagszeit in der Nähe der Ottobrunner Straße gefasst worden, die Beschreibung habe auf ihn gepasst, sagte ein Polizeisprecher.

Der Angreifer war polizeibekannt. Psychische Probleme dürften der Grund für seine Taten sein.

Beim Verdächtigen handelt es sich um einen 33 Jahre alten Mann. Wie die Polizei weiter mitteilte, ist er deutscher Staatsbürger und in München gemeldet. Die Polizei geht davon aus, dass die Taten aus einer psychischen Störung heraus begangen wurden. Der Mann mache keine Angaben, hieß es. Er sei in der Vergangenheit wegen gefährlicher Körperverletzung schon polizeilich in Erscheinung getreten. Der Mann habe seine Opfer wahllos ausgesucht, erklärte die Polizei.

Polizei am Rosenheimer Platz in München

APA/AFP/Christof Stache

Motiv weiter unklar

Das Motiv und die Hintergründe blieben zunächst unklar. Nach den Angriffen hatte die Polizei Anrainer dazu aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben, Menschen sollten den Tatort meiden. In München waren viele Menschen schnell alarmiert und fühlten sich an den Amoklauf vom Juli 2016 erinnert. Damals hatte ein 18-Jähriger neun Menschen erschossen.

Kultur

Volkskundemuseum: Suche nach dem „Österreichischen“

Von Andreas Gabalier bis zum Bundespräsidentschaftswahlkampf: Der Begriff „Heimat“ hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt. Wie sich seine Bedeutung je nach politischer Lage immer wieder gewandelt hat, zeigt eine neue Ausstellung des Österreichischen Museums für Volkskunde in Wien. Für das Haus bedeutet die Schau auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte - schließlich war es jahrzehntelang erste Anlaufstelle, wenn es um die Definition des „Österreichischen“ ging.

Mehr dazu in Als die Tracht in die Stadt kam

Gesundheit

Panorama

Digitaluhr zählt verbleibende Tage von Trumps Amtszeit

Eine überdimensionale Digitaluhr zählt in New York die Tage und Stunden rückwärts, die bis zum Ende der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump verbleiben. Installiert hatte die Uhr, die an der Wand einer Fabrikshalle im Stadtteil Queens hängt, eine Gruppe von Künstlern Ende Juni während einer Comedy-Veranstaltung.

Sie ist von einem nahegelegenen Bootssteg am East River, von Fähren auf dem Fluss und aus weiterer Entfernung auch von Manhattan auf der anderen Uferseite zu sehen.

„Ausdauer“ gefordert

Über die Bedeutung der roten Digitalziffern hielten die Macher die Öffentlichkeit erst einmal im Dunkeln. „Wir haben es mit Absicht undurchsichtig gelassen, damit die Leute ihre eigenen Schlüsse ziehen können“, sagte Künstler Brandon Stosuy der Website DNAinfo. Nach und nach würden die Betrachter aber verstehen, worum die Aktion sich dreht. „Es erinnert daran, wie viele Leute es nicht abwarten können, bis es vorbei ist“, sagte Stosuy mit Blick auf Trumps Präsidentschaft. Diese erfordere von den Menschen „Ausdauer“.

Nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2020 wird der nächste neue Präsident voraussichtlich am 20. Jänner 2021 vereidigt. Da die amerikansiche Verfassung eine Höchstzeit von zwei Amtszeiten vorsieht, könnte Trump allerdings auch wiedergewählt werden. Zudem gibt es Diskussionen, ob gegen Trump etwa wegen möglicherweise unerlaubter Geschäfte ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden könnte. Bei einem Erfolg könnte seine laufende Amtszeit dann schon vor Beginn des Jahres 2021 enden.

Auf die Frage, was Stosuy im Fall einer Wiederwahl Trumps tun würde, antwortete er: „Das wäre zu deprimierend.“

Science

Lifestyle

Leute

Benefizkonzert mit fünf Ex-US-Präsidenten

Fünf frühere amerikanische Präsidenten helfen zusammen beim Geldsammeln für die Opfer der jüngsten Hurrikan-Serie in den USA und US-Außengebieten. Jimmy Carter (93), George Bush Sen. (93), Bill Clinton (71), George W. Bush (71) und Barack Obama (56) wollen heute Abend (Ortszeit) gemeinsam an einem Benefizkonzert in Texas teilnehmen und dabei nach Angaben der Veranstalter auch den Einsatz der Freiwilligen und Ersthelfer in den betroffenen Gebieten würdigen.

„Die Hurrikans ‚Harvey‘, ‚Irma‘ und ‚Maria‘ haben schreckliche Verwüstungen gebracht - aber sie brachten auch das Beste an Menschlichkeit“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der fünf Ex-Präsidenten. „Als frühere Präsidenten wollen wir zusammenkommen, um unseren Mitbürgern in Texas, Florida und der Karibik beim Wiederaufbau zu helfen.“

Stelldichein der Künstler

Als Künstler haben sich unter anderem die Countrymusiker Alabama, The Gatlin Brothers, Lee Greenwood, Lyle Lovett, Robert Earl Keen and Stephanie Quayle, Soulsänger Sam Moore, Gospelsängerin Yolanda Adams und Popstar Cassadee Pope angesagt.

„Harvey“ hatte im August im Südosten von Texas verheerende Überschwemmungen verursacht. Im September folgte „Irma“, der in fast ganz Florida teils schwere Schäden anrichtete. Im selben Monat verwüstete „Maria“ weite Teile von Puerto Rico und den Virgin Islands.