Kurz vor der geplanten Einweihung der Installation am Donnerstag ließ der tschechische Künstler David Cerny den Bluff auffliegen: Das von der Prager Regierung in Auftrag gegebene Werk sei allein von ihm entworfen und nicht von 27 Künstlern aus ganz Europa wie ursprünglich angegeben.
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| ©Bild: APA/EPA/Olivier Hoslet |
Grüne Wiese mit vier Kühltürmen
Die tschechische Ratspräsidentschaft hatte das Werk am Montag als "Projekt von Künstlern aus allen 27 EU-Staaten" angekündigt und einen Katalog mit deren Biografien verbreitet. Die Sicht auf Österreich etwa lieferte angeblich eine Künstlerin namens "Sabrina Unterberger". Das Land ist in der Installation eine grüne Wiese mit vier AKW-Kühltürmen.
Sie wolle Österreich im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie darstellen, wird die fiktive Künstlerin im Begleittext zitiert: "Was wollt ihr - eine Wiese oder ein Kraftwerk?"
Europaminister unter Schock
Europaminister Alexandr Vondra äußerte sich nun "schockiert" über den Schwindel des tschechischen Urhebers - nachdem er noch am Montag gegenüber Journalisten gesagt hatte: "Wenn sich Europa das nicht ansehen kann, wäre es eine Tragödie. Es ist ein Kunstwerk."
Dass Vondra zurückrudert, ist wenig verwunderlich: Als erstes Land hatte am Dienstag Bulgarien offiziell Protest eingelegt.
"Sehr beleidigend"
Das Land wird in "Entropa" als "türkische Toilette" dargestellt. Der tschechische Botschafter in Sofia, Martin Klepetko, wurde deswegen ins bulgarische Außenministerium vorgeladen, wo er einen mündlichen "scharfen Protest" und eine "große Empörung" in Empfang nehmen musste, berichten die tschechischen Medien.
In Brüssel protestierte die bulgarische Vertretung bei der EU. Ihre Sprecherin Betina Joteva bezeichnete die Präsentation Cernys als "sehr beleidigend".
"Ohne Wissen des Außenamts"
"Wir wollten herausfinden, ob Europa über sich selbst lachen kann", schrieb unterdessen Cerny in einem offenen Brief. Das ursprüngliche Konzept habe aus "Gründen der Zeit, Produktion und Finanzen" nicht verwirklicht werden können.
"Ohne Wissen des Außenamts" habe er sich deshalb entschieden, gemeinsam mit den tschechischen Künstlern Kristof Kintera und Tomas Pospiszyl ans Werk zu gehen. Sogar Websites richteten sie für einzelne der erfundenen Identitäten ein.
Hakenkreuz-Autobahn
Der angebliche deutsche Beitrag ist eine Deutschlandkarte, durchzogen von Autobahnen, die einem Hakenkreuz ähneln. Laut Katalog stammte das Werk von dem Künstler Helmut Bauer - eine Schöpfung Cernys.
Auch andere Länder kommen wenig schmeichelhaft weg: Über dem Umriss Frankreichs hängt ein Banner mit der Aufschrift "Streik", Schweden ist in einen Ikea-Karton verpackt. Spanien ist komplett zubetoniert, eine Anspielung auf die Bauwut des Landes.
Ein Künstler namens "Leszek Hirszenberg" zeigt Polen mit katholischen Priestern, die die Regenbogenflagge - das Symbol der Homosexuellen-Bewegung - hissen. Belgien wird als Pralinenschachtel dargestellt. Und Großbritannien fehlt ganz einfach im EU-Modellbaukasten.
Was geschieht mit "Entropa"?
Nach offizieller, aber wohl bald überholter Darstellung wollte Prag das Kunstwerk im Brüsseler Hauptquartier eigentlich bis zum 30. Juni für 50.000 Euro von Cerny mieten.
Das könnte sich schnell ändern. "Vermutlich müssen wir den ganzen Kram abbauen", sagte ein tschechischer Diplomat am Mittwoch, der aus "EU-Räson" anonym bleiben wollte.
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