Ausland

Geiselnahme in Bangladesch: Befreiungsaktion gestartet

Mindestens fünf Geiselnehmer sind bei der Erstürmung eines Restaurants in der Hauptstadt von Bangladesch gestorben. Das sagte heute Früh ein Polizeibeamter dem örtlichen Nachrichtensender Channel 24. Nach inoffiziellen Angaben der Polizei und lokalen Medien wurden zwischen fünf und 13 der Geiseln befreit. Offizielle Zahlen wurden jedoch zunächst nicht genannt.

In der Nacht auf heute hatten mindestens acht Bewaffnete das spanische Restaurant „Holey Artisan Bakery“ angegriffen und sich dort mit mindestens 20 Geiseln verschanzt. Nach stundenlanger Belagerung stürmten Sicherheitskräfte heute früh das Gebäude.

Ranghohe IS-Kommandeure bei Luftangriff getötet

Bei einem Luftangriff der internationalen Koalition im Irak sind nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums zwei ranghohe Kommandeure der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) getötet worden. Der Luftangriff sei bereits am 25. Juni in der Nähe der irakischen Stadt Mossul erfolgt, teilte Peter Cook, Pressesprecher des Pentagon, in Washington mit.

IS-Kriegsminister getötet

Bei dem „Präzisionsangriff“ seien Basim Muhammad Ahmad Sultan al-Badschari, stellvertretender Kriegsminister des IS, sowie Hatim Talib al-Hamduni, ein IS-Militärkommandeur in Mossul, getötet worden. Beide hätten zu den wichtigsten verantwortlichen Militärs des IS im Nordirak gehört.

Al-Badschari war demnach Mitglied des Terrornetzwerks Al-Kaida, bevor er sich dem IS anschloss und die Offensive zur Einnahme von Mossul im Juni 2014 überwachte. Dem Pentagon-Sprecher zufolge leitete er auch ein Bataillon, das für den Einsatz von Autobomben, Selbstmordattentätern und Senfgasangriffen bekannt sei. Al-Hamduni war demnach Militärkommandeur in Mossul und Chef der Militärpolizei in der Region.

Gehobenes Flüchtlingsboot in Kühlzelt gebracht

Das vom Meeresgrund gehobene Fischerboot, bei dessen Untergang vergangenes Jahr hunderte Flüchtlinge ums Leben gekommen waren, ist in ein Kühlzelt auf Sizilien gebracht worden.

Der kleine Fischkutter wurde gestern Abend von einem Marineschiff auf ein Gelände neben einem NATO-Marinestützpunkt bei Augusta gebracht, wo ein großes Kühlzelt errichtet worden ist. Dort sollen die mehreren hundert Leichen geborgen werden, die sich noch im Innern des Bootes befinden.

Das Fischerboot war in der Nacht zum 19. April 2015 im Mittelmeer beim Zusammenstoß mit einem Frachter gesunken, der den hunderten Flüchtlingen an Bord zu Hilfe kommen wollte. Nur 28 Menschen konnten gerettet werden von den bis zu 800 Flüchtlingen, die bei der Abfahrt in Libyen an Bord waren.

Am Unglückstag wurden rund 50 Leichen geborgen, später holte die Marine weitere 169 Tote vom Meeresgrund. Zwischen 200 und 350 weitere Leichen werden noch im Motorenraum vermutet. Das Boot war diese Woche von der italienischen Marine aus 370 Meter Tiefe gehoben worden. Erst wenn ihre Identität geklärt ist, sollen die Menschen auf Friedhöfen in Sizilien beigesetzt werden.

Putin fordert Transponder bei Flügen über der Ostsee

Der russische Präsident Wladimir Putin ist bei einem Besuch in Finnland auf die NATO zugegangen: Bei einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit seinem finnischen Kollegen Sauli Niinisto sprach sich Putin gestern dafür aus, dass künftig alle Militärflugzeuge bei Flügen über der Ostsee Transponder benutzen, die ihre Identifizierung durch die Luftraumüberwachung erlauben. Er werde dieses Thema bei dem anstehenden Treffen des NATO-Russland-Rats in Brüssel ansprechen, sagte er.

Putin sagte, nicht nur russische Flugzeuge würden über der Ostsee ohne ihre Transponder fliegen, sondern auch NATO-Flugzeuge täten dies. Niinisto schlug vor, bei allen Flügen in der Region Transponder zu benutzen. Die finnische Führung ist seit der Ukraine-Krise im Frühjahr 2014 beunruhigt über eine Zunahme von Flügen russischer Kampfflugzeuge über der Ostsee, die als Gefahr für kommerzielle Flugzeuge angesehen werden.

Das Treffen Putins und Niinistos erfolgte eine Woche vor einem NATO-Gipfel in Warschau. Daran nimmt auch der finnische Staatschef teil, obwohl sein Land nicht Mitglied der Militärallianz ist. Seit der Ukraine-Krise hat Helsinki die Zusammenarbeit mit der NATO verstärkt. Die Militärallianz will vier Bataillone in die baltischen Staaten und Polen entsenden.

US-Drohnen töteten von 2009 bis 2015 bis zu 116 Zivilisten

Bei Drohnenangriffen der USA sind nach Angaben der Regierung außerhalb der Krisengebiete Afghanistan, Irak und Syrien bis zu 116 Zivilisten getötet worden.

Diese Zahl veröffentlichte das Weiße Haus gestern in Washington in einem seit Langem erwarteten Bericht. Der Bericht umfasst den Zeitraum 2009 bis Ende 2015. Mit den 473 Drohnenangriffen wurden den Angaben zufolge 2.581 „Kämpfer“ außerhalb der Länder Afghanistan, Irak und Syrien getötet. Die drei Länder wurden nicht aufgenommen, da die USA dort an großen Militäroperationen beteiligt sind.

Zusage von Obama

Diese Zahlen, die nicht auf einzelne Länder aufgeschlüsselt sind, liegen vor allem in Bezug auf Zivilisten um viele hundert unter den Angaben von Menschenrechtsgruppen. Das Geheimdienstdirektorium räumte ein, dass seine Zahlen deutlich unter denen von Nichtregierungsorganisationen liegen.

Der Bericht soll die Zusage von US-Präsident Barack Obama erfüllen, „so viele Informationen wie möglich“ über die Drohnenangriffe publik zu machen. Der Einsatz der ferngesteuerten und unbemannten Fluggeräte im Anti-Terror-Kampf wurde unter seiner Präsidentschaft massiv ausgeweitet.

„Brexit“: Hinhaltetaktik der Briten sorgt für Unmut

Die zögerliche Haltung führender konservativer Politiker zur Umsetzung des „Brexit“-Votums sorgt in Politik und Wirtschaft zunehmend für Unruhe und Unsicherheit. Einer der möglichen Nachfolger des britischen Premierministers David Cameron, Justizminister Michael Gove, kündigte gestern an, sich im Falle eines Wahlerfolgs Zeit zu lassen mit dem Antrag für den Austritt aus der EU.

Er rechne nicht damit, dass Artikel 50 noch in diesem Jahr ausgelöst werde, sagte Gove in einer Pressekonferenz. Auch Goves Konkurrentin um die Cameron-Nachfolge, Innenministerin Theresa May, hatte zuletzt erklärt, sie wolle den Austritt aus der EU nicht vor Jahresende beantragen. Mit Artikel 50 der EU-Verträge wird der „Brexit“ formal eingeleitet. Dafür muss Großbritannien einen Antrag bei der EU stellen.

Fahrplan erwartet

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier drückte dagegen aufs Tempo: „Was wir von London erwarten können, und zwar zügig, ist ein Fahrplan, wann die Verhandlungen über den Ausstieg aus der EU beginnen sollen.“ Auch europäische Notenbanker mahnten rasches Handeln an.

Auch führende EZB-Notenbanker fordern rasch Klarheit über den Zeitplan zum EU-Austritt Großbritanniens. „Denn lange Unsicherheit wäre mit wirtschaftlichen Kosten verbunden, vor allem für Großbritannien, aber auch für die Europäische Union“, sagte EZB-Direktor Benoit Coeure in einem Interview der französischen Zeitung „Le Monde“.

Assad wirft Westen „Doppelmoral“ vor

Der syrische Präsident Baschar al-Assad hat dem Westen Doppelmoral im Umgang mit seinem Regime vorgeworfen. Seine Regierung werde politisch angegriffen, während westliche Staaten heimlich den Kontakt mit Damaskus suchten, sagte Assad in einem gestern ausgestrahlten Interview des australischen Senders SBS TV. „Das ist die Doppelmoral des Westens. Sie alle machen es.“

Es gebe indirekte Kommunikationskanäle mit dem Westen, sagte der syrische Machthaber. „Wenn man sie fragt, dann werden sie es abstreiten und wir auch.“ Allerdings erwartet Assad keine großen Erfolge: Er glaube nicht, dass die US-Regierung ernsthaft daran interessiert sei, den Konflikt in Syrien zu lösen, sagte Assad. Vorwürfe über Menschenrechtsverletzungen wies Assad unterdessen zurück.

In fünf Jahren Bürgerkrieg wurden mehr als 250.000 Menschen getötet, mehr als 4,5 Millionen Syrer flohen ins Ausland. Der Iran und Russland unterstützen die Regierung und sind direkt an den Kämpfen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere islamistische Einheiten beteiligt. Saudi-Arabien und die USA unterstützen militärisch Milizen, die Assad stürzen wollen. Die syrische Opposition und der Westen schließen eine Zukunft Syriens unter der Herrschaft Assads aus.

Seit Amtsantritt nie erschienen: Libysche Minister entlassen

Vier Minister der libyschen Einheitsregierung sind gestern aus ihren Ämtern entlassen worden. Sie waren in den drei Monaten seit Amtsantritt nicht zur Arbeit erschienen.

Wie die von den Vereinten Nationen (UNO) eingesetzte Regierung auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, wurden die Rücktritte der Minister für Justiz, Finanzen, Wirtschaft sowie Nationale Aussöhnung angenommen. Die Minister waren von ihren Posten abwesend und hätten sich mehr als 30 Tage lang geweigert, ihre Pflichten auszuüben, so die Regierung.

Die Minister sollen aus dem Osten des Landes kommen, wo eine rivalisierende Führung aktiv ist. Die Einheitsregierung nahm ihre Arbeit in Tripolis im März ohne die notwendige Zustimmung der Regierung im ostlibyschen Tobruk auf, wurde international aber faktisch anerkannt. Der nordafrikanische Staat kommt seit dem mit westlicher Militärhilfe erreichten Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahre 2011 nicht zur Ruhe. Die IS-Miliz ist in Teilen des Landes aktiv.

VfGH-Urteil

Europas Rechtspopulisten über Urteil erfreut

Die Chefin der rechtsextremen französischen Front National, Marine Le Pen, hat die Verfassungsgerichtsentscheidung zur Wiederholung der Präsidentenstichwahl als „gute Nachricht für Patrioten“ bezeichnet. In einem Statement, das gestern auf der Homepage ihrer Partei veröffentlicht wurde, sprach Le Pen davon, dass die Wahlwiederholung „Teil des Frühlings der Völker“ sei.

„Nach dem glücklichen Sieg des ‚Brexit‘ in Großbritannien, dem Anstieg der EU-Skepsis in Italien hat Österreich auch die Möglichkeit, auf den Weg der Freiheit und des Nationalstolzes zurückzukehren“, betonte Le Pen. Sie begrüße den „Sieg des Rechts und der Demokratie in Österreich“. Und sie betonte, dass die FPÖ eine „Verbündete“ im Europäischen Parlament sei.

Lob auch von Petry, Wilders und Salvini

Auch eine weitere FPÖ-Verbündete, die Vorsitzende der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, begrüßte die Wiederholung der Bundespräsidentenwahl. Petry sprach von einem „Hoffnungsschimmer für Rechtsstaatlichkeit“.

Auch der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders zeigte sich erfreut. Er schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Super!!“

Auch Italiens europakritische Oppositionspartei Lega Nord begrüßte die Wiener VfGH-Entscheidung. „Es ist bestätigt, dass es bei der Stichwahl in Österreich zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Vorwärts Freunde! Wahrheit und Freiheit siegen am Schluss“, kommentierte der Chef der Lega Nord, Matteo Salvini, auf seiner Facebook-Seite.

Verfassungsexperte ortet „problematische Judikatur“

Unter den heimischen Verfassungsexperten herrscht nach der Aufhebung der Hofburg-Stichwahl durch den Verfassungsgerichtshof (VfGH) Uneinigkeit, was die Gründe dafür betrifft. Der VfGH hat die Wahl aus zwei Gründen aufgehoben, erstens wegen Formalfehlern bei der Briefwahlauszählung und zweitens, weil das Innenministerium Teilergebnisse an Medien und Forschungsinstitute weitergegeben hatte.

Der Verfassungsrechtler Theo Öhlinger hält den zweiten Aufhebungsgrund, konkret die vom VfGH angeprangerte zu frühe Weiterleitung von Wahlergebnissen, für „sehr relevant“. Beim ersten Grund für die Aufhebung, den Formfehlern in zahlreichen Bezirken, hätte Öhlinger darauf gehofft, dass der VfGH seine „problematische Judikatur“ richtigstellt.

Er halte es für falsch, dass eine Formalverletzung ohne Hinweis auf tatsächliche Manipulation für eine Aufhebung ausreicht, sagte er. Dass dem VfGH reine Formfehler reichen, könnte in Zukunft zu vielen „mutwilligen Wahlanfechtungen“ führen, warnte der Verfassungsexperte.

„Da gibt es nichts zu meckern“

Für Verfassungsjurist Heinz Mayer wurde die Entscheidung sehr klar begründet. „Da gibt es nichts zu meckern“, so Mayer. Dass es bei 70.000 Stimmen die Möglichkeit für Manipulationen gegeben habe, sei ein „Hammer“.

Aus seiner Sicht sei es nicht problematisch, dass keine konkreten Manipulationen nachgewiesen werden müssen. Solche seien nicht immer feststellbar. „Ich denke, es geht nicht anders und ist deshalb seit 90 Jahren auch ständige Rechtsprechung“, sagte Mayer.

Den zweiten Aufhebungsgrund, die Weitergabe von Ergebnissen an Medien, hält Mayer hingegen für nicht überzeugend. Er glaube nicht, dass dadurch Wähler beeinflusst worden seien.

„Bei Wahlen gibt es keine Spompanadeln“

Die Botschaft des VfGH sei: „Bei Wahlen gibt es keine Spompanadeln“, erklärte Verfassungsexperte Bernd-Christian Funk im APA-Gespräch. Die Judikatur, dass es keinen konkreten Hinweis auf Manipulation braucht, sei durch das Erkenntnis „gefestigt“ worden. Die Richter hätten die Schrauben sogar noch ein Stück weit fester gedreht, so Funk. Dass die Wahl aufgehoben werde, sei ihm klargeworden, nachdem der Informationsabfluss an Medien bekanntgeworden sei. Funk verwies auch darauf, dass der VfGH bei beiden Punkten auf die geringe Stimmendifferenz Bezug genommen hat.

Inland

Vorbereitungen für neue Grenzzäune in Kärnten

In Kärnten werden Vorbereitungen für den Bau von möglichen neuen Zäunen an der Grenze zu Slowenien getroffen. Wie das „WirtschaftsBlatt“ (Onlineausgabe) gestern berichtete, werden derzeit Grundstückseigentümer entlang der Grenze informiert. Laut Polizei ist ein tatsächlicher Bau noch lange nicht in Sicht, man wolle aber vorbereitet sein.

„Wir sind momentan noch weit weg von einer tatsächlichen Umsetzung“, sagte Polizeisprecher Rainer Dionisio auf APA-Anfrage. Indem man mit den Grundeigentümern rede, treffe man aber erste Vorbereitungen. Wie Dionisio sagte, führe man die Gespräche mit Personen, die Grundstücke in der Nähe von bestehenden Grenzübergängen besitzen.

Einen durchgehenden Zaun soll es den Angaben zufolge nicht geben. „Die Zäune sollen im Fall des Falles nicht dazu da sein, um jemanden abzuhalten, sondern um die Ströme in die richtige Richtung lenken“, zitierte die APA Dionisio.

Wirtschaft

Heta: Schelling „will nicht mehr tarockieren“

Finanzminister Hans Jörg Schelling hat sich gestern in Klagenfurt zuversichtlich in Sachen Heta gezeigt. Er geht davon aus, dass der Beitrag Kärntens und die Erlöse aus der Heta-Verwertung zur Lösung des Milliardendesasters reichen. Angesprochen auf die angestrebte Einigung zwischen dem Land Kärnten und den Heta-Gläubigern sagte Schelling: „Wir haben diesmal den Weg umgekehrt. Wir haben gesagt: Wenn wir ein Angebot legen, dann gilt das als angenommen und danach tarockieren wir nicht mehr.“

Mehr dazu in oesterreich.ORF.at

Wo der Arbeitsmarkt Lücken hinterlässt

Die Zahl der offenen Stellen wächst seit einiger Zeit in Österreich wieder. Die Arbeitslosigkeit ist aber weiter auf Rekordniveau, weil der Stellenzuwachs der immer größer werdenden Zahl an Arbeitskräften hinterherhinkt. Gleichzeitig tun sich Unternehmen in mehreren Branchen schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden. AMS-Chef Johannes Kopf erklärt im ORF.at-Interview, wo Angebot und Nachfrage nicht zusammenpassen, und WIFO-Experte Helmut Mahringer beschreibt, welche Qualifikationen der Arbeitsmarkt in Zukunft braucht und wo es eng werden wird.

Mehr dazu in „Im Großen und Ganzen“ okay

Defizit: Spanien und Portugal drohen EU-Sanktionen

EU-Vizekommissionschef Valdis Dombrovskis plädiert für baldige Sanktionen gegen Spanien und Portugal. „Beide Länder haben ihre Defizite nicht rechtzeitig korrigiert, also werden wir nun die nötigen Entscheidungen treffen“, sagte er im Interview mit dem Magazin „Der Spiegel“. Er erinnerte aber daran, dass alle EU-Kommissare gemeinsam über einen solchen Vorschlag entscheiden müssten. Die Frage solle „sehr bald“ auf der Tagesordnung stehen.

Falls die Brüsseler Behörde und die EU-Staaten feststellen, dass die Länder ihre Budgetziele verfehlt haben, wird die Kommission laut Dombrovskis unter anderem einen Vorschlag dazu machen, "in welchem Umfang Strukturmittel „eingefroren" werden“. Der Euro-Stabilitätspakt sieht eine Defizitgrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung vor. Ländern, die dagegen verstoßen, drohen Bußgelder, die bisher aber noch nie verhängt wurden. Die Entscheidung darüber müssten die EU-Staaten treffen.

Die EU-Kommission hatte zuletzt vorgeschlagen, beiden Ländern ein Jahr mehr Zeit zum Sparen zu geben, auch mit Blick auf die Parlamentswahl in Spanien. Auch mit Blick auf Frankreich will Dombrovskis auf Einhaltung der Regeln pochen: „In jedem Fall muss Frankreich seine Budgetziele nächstes Jahr erreichen.“ Paris kündigte seinerseits an, die Defizitgrenze 2017 einzuhalten.

BMW will bis 2021 komplett selbstfahrendes Auto

BMW will in fünf Jahren ein komplett selbstfahrendes Auto auf den Markt bringen. Zusammen mit dem weltgrößten Chiphersteller Intel und dem israelischen Roboterwagenspezialisten Mobileye als Partner entwickle BMW die Technik, um bis 2021 mit der Serienproduktion zu starten, sagte Konzernchef Harald Krüger gestern in München.

BMW, Intel und Mobileye wollten zusammen die Technik für ein Auto entwickeln, bei dem der Fahrer nicht nur die Hände vom Lenkrad nehmen, sondern während des Fahrens sogar fernsehen oder schlafen kann - ob auf der Autobahn oder in der Großstadt. Es müsse gar kein Fahrer mehr an Bord sein, sagte BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich und sprach von einem „neuen Zeitalter der Mobilität“.

Eine ähnliche Vision verfolgen etwa auch Google, der Fahrdienstvermittler Uber und die Opel-Mutter General Motors, die an Robotertaxis arbeiten. Ein BMW-Konkurrent wie Toyota setzt zugleich auf künstliche Intelligenz, die von menschlichen Fahrern lernen soll.

„Sicherheit geht vor“

Wenige Stunden vor der Ankündigung wurde ein Fall in den USA bekannt, bei dem erstmals ein Mensch in einem vom Computer gesteuerten Auto ums Leben kam. Nach Angaben des Elektroautoherstellers Tesla hatte das Fahrassistenzsystem einen weißen Lastwagenanhänger vor einem hell ausgeleuchteten Himmel nicht erkannt.

Mit Blick auf den tödlichen Unfall eines per „Autopilot“-Fahrassistent gesteuerten Tesla in den USA betonte er: „Das Ziel ist 2021 - aber Sicherheit geht vor!“

Der traurige Unfall zeige, dass die Technik im Augenblick noch nicht reif für ein computergesteuertes Serienfahrzeug sei. „Wir nutzen die nächsten Jahre“, sagte Krüger. Auch Intel-Chef Brian Krzanich meldete sich in diesem Zusammenhang in München zu Wort: 90 Prozent aller Unfälle würden durch Fehler von Menschen am Steuer verursacht.

Sport

Fußball-EM: Ein „Uhrwerk“ als Italiens Trumpf

Die Abwehr gehört traditionell zu den Stärken einer italienischen Auswahl - bei der EM 2016 ist die Defensive sogar der größte Trumpf. Den Routiniers Andrea Barzagli, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini ist es zu verdanken, dass die „Squadra Azzurra“ von einer Außenseiter- in die Favoritenrolle gerutscht ist. Im Viertelfinale heute (21.00 Uhr, live in ORF eins und im Euro-Liveticker mit Livestream) soll sich Deutschland an der Abwehr, die laut Goalie Gianluigi Buffon präzise „wie ein Uhrwerk“ funktioniert, die Zähne ausbeißen.

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Radsport: Österreich-Tour fordert Fahrer

Neben der Tour de France beginnt heute auch die Österreich-Radrundfahrt. Bis zum Ziel sieben Tage später auf dem Wiener Kahlenberg haben die Fahrer 1.283 Kilometer und 16.970 Höhenmeter vor sich, für eine anstrengende Woche ist also gesorgt. Hoffnungen auf gute Platzierungen dürfen sich aus heimischer Sicht vor allem Markus Eibegger und Clemens Fankhauser machen. Angestrebtes Ziel beider Fahrer ist ein Etappensieg.

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Chronik

Vier Tote bei Bombenentschärfung in Ungarn

Vier Techniker sind gestern durch eine Explosion bei Räumungsarbeiten eines alten Schießgeländes der Armee in Ungarn ums Leben gekommen. Das berichtete die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die oberste Staatsanwaltschaft des Landes. Ein weiterer Minenentschärfer sei verletzt worden.

Auf dem mehr als 4.000 Hektar großen, stark verminten Gelände im nordungarischen Nationalpark Hortobagyi hätten bereits 2013 die Arbeiten zur Entschärfung der Sprengkörper begonnen. Diese seien aber wegen der hohen Kosten von insgesamt umgerechnet elf Millionen Euro nur schleppend vorangekommen.

Tote bei Hochwasser und Erdrutschen in China, Indien, Nepal

Die Monsun-Zeit in Asien hat in China, Indien und Nepal verheerende Erdrutsche und Überschwemmungen verursacht. Im Südwesten Chinas kamen gestern mindestens sechs Menschen ums Leben.

Der Erdrutsch in China ereignete sich im Dorf Pianpo in der Provinz Guizhou, wie die örtliche Zivilschutzbehörde mitteilte (iptv.ORF.at).

Von den 13 Menschen, die aus den Erdmassen gezogen worden seien, seien bisher sechs gestorben. Die übrigen sieben würden im Krankenhaus behandelt. 17 weitere Menschen wurden vermisst. Der Rettungseinsatz laufe noch, hieß es weiter. Etwa 800 Soldaten und andere Einsatzkräfte seien an Ort und Stelle. Auf im Internet veröffentlichten Fotos war zu sehen, dass die Schlammmassen Bäume umgerissen und Zementhäuser schwer beschädigt hatten.

Mindestens acht Tote in Nordenindien

Mit Überschwemmungen und Erdrutschen hatte heute auch Nordenindien zu kämpfen. In einer Bergregion im Bundesstaat Uttarakhand starben dabei mindestens acht Menschen, sagte Piyush Rautela von der zuständigen Katastrophenschutzbehörde. Etwa 30 weitere Menschen würden vermisst.

Die indische Nachrichtenagentur Press Trust of India berichtete, binnen zwei Stunden seien hundert Millimeter Regen gefallen. Dadurch seien zwei Flüsse über ihre Ufer getreten. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie schlammige Fluten Häuser überschwemmten.

Teileinsturz einer Schule

In der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu verursachten heftige Monsunregen den Teileinsturz einer Schule, zwei Kinder im Alter von neun und zehn Jahren starben. Die Schüler hätten sich gerade zum Unterricht hingesetzt, als eine der Schulmauern in das Klassenzimmer stürzte, sagte der örtliche Polizeichef Pitambar Adhikari. 24 weitere Schüler seien bei dem Vorfall verletzt worden, sie würden im Krankenhaus behandelt.

Science

Fusionsreaktor ITER kostet vier Milliarden Euro mehr

Der Bau des internationalen Kernfusionsreaktors ITER in Südfrankreich wird wegen jahrelanger Verzögerungen vier Milliarden Euro teurer. Das bestätigte ITER-Chef Bernard Bigot der dpa gestern. Die an dem Forschungsprojekt beteiligten Nationen hatten Mitte Juni einem neuen Zeitplan zugestimmt. Die Fertigstellung des Experimentalreaktors ist nun bis Ende 2025 angepeilt.

Das sei ehrgeizig, aber realistisch und verpflichtend, sagte Bigot. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unter Berufung auf die deutsche Regierung von Mehrkosten in Milliardenhöhe berichtet.

Bisher waren die Kosten des Projekts von der Europäischen Union, China, Indien, Japan, Korea, den USA und Russland auf 15 Milliarden Euro geschätzt worden. Nach Fertigstellung des Reaktors werden laut Bigot während der ersten Experimentalphase bis etwa 2035 noch einmal 600 Millionen Euro für weitere Ausstattungen fällig.

Suche nach neuer Energiequelle

Erklärtes Ziel ist es, die Kernfusion für den Menschen nutzbar zu machen. Befürworter erhoffen sich eine saubere, nahezu unendlich verfügbare Energiequelle. Kritiker halten das Vorhaben wegen der Kosten und des Aufstiegs erneuerbarer Energien für falsch.

Kultur

„Floating Piers“ auf Iseo-See bleiben Publikumsmagnet

Kurz vor dem Abschluss von Christos Projekt „The Floating Piers“ in Norditalien ist das Besucherinteresse ungebrochen. Bis gestern Mittag besuchten bereits etwa 1,2 Millionen Menschen die schwimmenden Stege, wie der Chef der zuständigen Präfektur, Valerio Valenti, der dpa in Rom sagte. Auch für das letzte Wochenende werden wieder Hunderttausende am Iseo-See bei Brescia erwartet. Die Installation wird am Sonntag geschlossen.

Allein am Donnerstag seien etwa 107.000 Menschen dort gewesen, hieß es von dem zuständigen Koordinierungsbüro. Behördenchef Valenti zeigte sich angesichts des Ansturms mehr als zufrieden: „Die Bilanz fällt sehr, sehr positiv aus. Das ist ein außergewöhnlicher Erfolg. Niemand hätte sich eine solche Menge an Besuchern vorgestellt“, fügte er hinzu.