Auf der Konferenz der katholischen Kirche zu Kindesmissbrauch hat ein irisches Missbrauchsopfer die Kirchenführung aufgefordert, Verantwortung für die Skandale der vergangenen Jahre zu übernehmen.
„Eine Entschuldigung für den Missbrauch der Priester ist nicht genug“, sagte heute die 64-jährige Marie Collins, die als einzige Vertreterin der Opfer an der Konferenz im Vatikan teilnahm.
„Es muss Eingeständnis und Rechenschaft geben für die Verletzungen und Zerstörungen, die dem Leben der Opfer und ihren Familien zugefügt wurden durch die oft gezielte Vertuschung und falsche Handhabung der Fälle durch die Vorgesetzten“, sagte Collins weiter.
Von Kirche lange ignoriert
Bei der Konferenz, die Anfang der Woche mit einer Botschaft von Papst Benedikt XVI. eröffnet worden war, sprach Collins auch über ihre eigene Missbrauchserfahrung durch einen Kaplan im Alter von 13 Jahren. „Diese Finger, die meinen Körper in der Nacht missbrauchten, hielten und reichten am nächsten Morgen die heilige Hostie“, sagte Collins.
Ihre Vorwürfe waren von der Kirche lange ignoriert worden, sie litt jahrzehntelang an Depressionen. In den vergangenen Jahren spielte sie aber eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in Irland.
Vatikan will stärkeres Vorgehen gegen Missbrauch
Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, forderte ein stärkeres Vorgehen gegen sexuellen Missbrauch. Der „Ernst dieser Verbrechen“ dürfe nicht aus den Augen verloren werden, sagte Levada bei der Konferenz, wie Kathpress meldet. Sexuell übergriffige Geistliche machten zwar nur eine kleine Minderheit unter Klerikern aus, hätten aber den Opfern und der Kirche großen Schaden zugefügt, so Levada.
Kardinal Levada rief die Bischofskonferenzen weltweit zu mehr Eigeninitiative beim Erstellen von Richtlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch auf. Viele Konferenzen hätten schon eigene Normen erlassen, beispielsweise die USA, Deutschland, Frankreich, Südafrika und Australien. Oft seien sie aber erst in Reaktion auf die Aufdeckung skandalöser Fälle durch die Medien entstanden, so Levada.
Die Kirche müsse bei der Aufklärung mit zivilen Behörden zusammenarbeiten, unterstrich der Kardinal, bei dessen Kongregation auch die kirchenrechtliche Strafverfolgung angesiedelt ist. Das Beichtgeheimnis müsse aber unantastbar bleiben.