Ausland

Neue Streiks bei französischer Staatsbahn haben begonnen

Eineinhalb Wochen vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sieht sich das Land vor erheblichen Herausforderungen: Gestern Abend begann ein neuer Streik bei der französischen Staatsbahn SNCF, der zu erheblichen Behinderungen im Zugverkehr führen dürfte. Staatschef Francois Hollande nannte inzwischen den Terrorismus als größte Bedrohung für die EM, die am 10. Juni beginnt.

Auch die USA warnten vor erhöhter Terrorgefahr in Frankreich. Zu Beginn gestern Abend betraf der Bahn-Streik nur wenige Zugverbindungen, heute sollten aber rund die Hälfte der nationalen und regionalen Verbindungen betroffen sein. Landesweit werden nach SNCF-Angaben von gestern nur ein Drittel der Intercity-Züge, jeder zweite Regionalexpress und 60 Prozent der TGV-Schnellzüge fahren.

Protest gegen Lockerung des Arbeitsrechts

Die Schnellzugverbindungen nach Deutschland sind von dem Streik nicht betroffen, gleiches gilt für den Eurostar nach Großbritannien. Dagegen wird es bei den Verbindungen in die Schweiz, nach Belgien, Spanien und Italien zahlreiche Ausfälle geben.

Mit den Streiks wollen die Gewerkschaften Druck bei Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen im Bahnsektor allgemein und über Arbeitszeiten bei der SNCF ausüben. Hinzu kommt der Protest gegen eine von der französischen Regierung angestrebte Lockerung des Arbeitsrechts.

Streik nicht befristet

Der Bahn-Streik ist zunächst nicht befristet. Er folgt auf einen Streik in Belgien, der gestern auch zur Streichung von Verbindungen nach Deutschland führte. Morgen wollen die Beschäftigten der Pariser Metro die Arbeit niederlegen, die Piloten der Fluggesellschaft Air France drohten mit einem längeren Streik in den kommenden Wochen.

Die Streik- und Protestwelle in Frankreich schürt die Sorge vor Behinderungen bei der am 10. Juni beginnenden Fußball-Europameisterschaft. Der Chef der einflussreichen Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, erklärte: „Wir werden die Menschen nicht daran hindern, Fußballspiele zu sehen, aber die Regierung muss bereit sein zu diskutieren. Alles liegt nun in ihren Händen.“

Balkan-Länder wollen in Flüchtlingskrise enger kooperieren

Die Außenminister südosteuropäischer Staaten haben gestern ihren Willen zu einer engeren Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise bekräftigt. Das werde zu den Prioritäten Kroatiens gehören, das den Vorsitz des vor 20 Jahren ins Leben gerufenen Südosteuropäischen Kooperationsrats übernehmen wird, betonte Zagrebs Außenminister Miro Kovac.

Gemeinsam wollen die Staaten auch die europäische Integration vorantreiben und in die EU aufgenommen werden. „Bulgarien sieht keine andere Perspektive für den Westbalkan als die Mitgliedschaft in der EU“, sagte Bulgariens Außenminister Daniel Mitow. Die Außenminister trafen sich in Prawez bei der bulgarischen Hauptstadt Sofia. In der Hauptstadt kommen heute die Staats- und Regierungschefs aus Südosteuropa zusammen.

Besserer Schutz der EU-Außengrenzen gefordert

In der Flüchtlingskrise forderten die Balkan-Länder einen besseren Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union. Wie das Staatsfernsehen in Sofia berichtete, verlangte Bulgarien einen Plan B zur Sicherung der EU-Außengrenzen. Die Balkan-Route für Flüchtlinge Richtung Nordwesteuropa ist seit März geschlossen.

Es müsse nun kompromisslos gegen Schleuser vorgegangen werden, betonte Mitow. Illegal in die EU gelangte Migranten sollten zurückgeführt werden, sagte er mit Blick auf den EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei.

Weitere Schwerpunkte des kroatischen Vorsitzes der südosteuropäischen Organisation für Zusammenarbeit sind nach Worten von Kovac die Bereiche Energie, Transport und Kommunikation sowie der politische Dialog.

Notruf aus Container rettete 15 Flüchtlinge

Fünfzehn Flüchtlinge aus Eritrea sind im belgischen Seebrügge nur knapp dem Tod durch Ersticken entgangen. Die Migranten setzten selbst einen Notruf per Handy ab, wie die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtete. Die Polizei befreite 13 Männer und zwei Frauen, denen allmählich der Sauerstoff ausging.

Die Migranten befanden sich in einem Container mit Milchpaletten, der aus dem französischen Dunkerque kam. Sie waren laut Belga in der Gegend von Calais in den Container eingedrungen und verbrachten wahrscheinlich mehrere Stunden darin.

Container ließ sich nicht von innen öffnen

Der Container, der nur kleine Luftlöcher hat, ließ sich nicht von innen öffnen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein tragisches Ende der Reise nur mit knapper Not verhindert wurde.

Der Container sollte per Zug nach Italien gebracht werden. Die Flüchtlinge aus dem nordostafrikanischen Land hofften aber offenbar, nach Großbritannien zu gelangen.

„Brexit“-Befürworter in jüngsten Umfragen vorne

In Großbritannien zeichnet sich jüngsten Umfragen zufolge gut drei Wochen vor dem Referendum eine Mehrheit für einen Austritt des Landes aus der Europäischen Union („Brexit“) ab. Laut einer gestern veröffentlichten telefonischen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts ICM und der Zeitung „Guardian“ sprachen sich 45 Prozent der Befragten für den „Brexit“ aus.

42 Prozent gaben an, am 23. Juni dagegen zu stimmen. Damit kippte die Stimmung zugunsten derjenigen, die der EU den Rücken kehren wollen. Vor zwei Wochen lagen sie in der Umfrage noch bei 39 Prozent, während das proeuropäische Lager auf 47 Prozent kam.

Beide Lager vor einer Woche noch gleichauf

Auch in einer zweiten, diesmal online erstellten Umfrage von ICM und dem „Guardian“ fanden sich mehr Befürworter eines Austritts als Gegner. Vor einer Woche lagen beide Lager in dem Umfrageformat nahezu gleichauf.

Die britische Währung verlor nach Veröffentlichung der beiden Erhebungen zum Dollar an Wert. Die Umfragen wurden zwischen 27. und 29. Mai erstellt. An der Telefonbefragung nahmen 1.004 Menschen teil, bei der Onlineerhebung waren es etwas mehr als doppelt so viele.

Kenia will weltgrößtes Flüchtlingslager schließen

Die kenianische Regierung hat die Schließung des größten Flüchtlingslagers der Welt im Osten des Landes bis spätestens November angekündigt. Es sei eine endgültige Entscheidung, wurde Innenminister Joseph Nkaissery gestern Abend von örtlichen Medien und der britischen BBC zitiert.

In dem Flüchtlingslager in Dadaab im Osten des Landes leben nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 340.000 Menschen. Mehr als 90 Prozent von ihnen stammen aus dem benachbarten Krisenstaat Somalia.

Kenia hatte Anfang April mit der Ankündigung der Schließung von zwei Flüchtlingslagern mit zusammen über 600.000 Menschen harsche Kritik der internationalen Gemeinschaft auf sich gezogen.

Angst vor al-Schabaab in den Lagern

Das ostafrikanische Land ist Zufluchtsort für Hunderttausende Flüchtlinge aus benachbarten Krisenstaaten wie Somalia, Südsudan, Äthiopien und dem Kongo.

Die Regierung hatte ihre Entscheidung mit der Bedrohung der nationalen Sicherheit begründet. Sie befürchte, dass die somalische Terrormiliz al-Schabaab in den Lagern aktiv sei, hatte das Innenministerium mitgeteilt. Die sunnitischen Extremisten wollen seit Jahren einen „Gottesstaat“ errichten. Kenia steht seit seiner Beteiligung an der Friedensmission der Afrikanischen Union in Somalia (Amisom) im Visier der Islamisten.

Inland

Europäische Rabbiner: Nicht wenige Juden wählten Hofer

Rechtspopulistische Parteien sind wegen ihrer Anti-Islam-Rhetorik nun auch für jüdische Wähler attraktiv. „Ich nehme an, dass höchstwahrscheinlich ein nicht unwesentlicher Teil der (jüdischen) Gemeinschaft hier für Hofer bei der Präsidentenwahl gestimmt hat“, sagte der Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt, gestern der Nachrichtenagentur Reuters in Wien.

„Als Gott die Intelligenz verteilte, stellte sich nicht jeder an“, kritisierte Goldschmidt jüdische Wähler rechtspopulistischer Parteien. Ihre Politik sei nämlich „gefährlich und zerstörerisch“. „Wenn diese Parteien mit einer populistischen Botschaft zu den Juden kommen und sagen, ‚wir werden euch vor den Muslimen retten‘, wirkt die Propaganda.“

Auch Front National immer attraktiver

Goldschmidt berichtete, dass auch in Frankreich die ausländerfeindliche Front National vor den Präsidenten- und Parlamentswahlen im kommenden Jahr immer attraktiver für die jüdische Wählerschaft werde. Neben der FPÖ und der FN werbe auch der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders um Juden. „Sie wollen alle, dass wir Juden sagen, dass sie annehmbar sind.“

Der Moskauer Rabbiner betonte, dass die Bedrohung durch islamistische Terroristen ernst genommen werden müsse. Die rechtspopulistischen Parteien sprächen die echten Sorgen der Menschen an, sagte Goldschmidt. „Wenn die etablierten Parteien Europas diese Fragen nicht lösen, werden sie verlieren“, so der Geistliche, der in Wien an einem Treffen der Europäischen Rabbinerkonferenz teilnahm.

Europäische Anti-Terror-Einheit gefordert

Konkret forderte er die Gründung einer europäischen Anti-Terror-Einheit, eine Verbesserung des Grenzschutzes sowie eine bessere Integration von Flüchtlingen.

Goldschmidt kritisierte, dass rechtspopulistische Parteien alle Muslime mit Islamisten in einen Topf würfen. „Der gemäßigte Muslim ist unser natürlicher Verbündeter. Sie sind nämlich genauso Opfer des radikalen Islamismus wie wir Juden.“

Kindergeld: Reform passierte Familienausschuss

Die geplante Reform des Kinderbetreuungsgeldes hat gestern den Familienausschuss des Nationalrats passiert. Zustimmung zu dem Paket kam im Ausschuss von den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP sowie vom Team Stronach, berichtete die Parlamentskorrespondenz. Den anderen Oppositionsparteien ging das Paket nicht weit genug.

Mit der Reform wird ein flexibles Kinderbetreuungsgeld-Konto eingeführt, das die bisherigen vier Pauschalvarianten ersetzt. Die Bezugsdauer des neuen Kontos kann flexibel gewählt werden - zwischen rund zwölf und 28 Monaten für einen Elternteil bzw. zwischen rund 15,5 und 35 Monaten für beide Elternteile. Unabhängig von der Bezugsdauer erhalten Eltern eine Gesamtsumme von maximal 15.449 Euro.

Partnerschaftsbonus bei aufgeteilter Betreuung

Als Alternative kann weiterhin auch das einkommensabhängige Kindergeld im Ausmaß von 80 Prozent des Letzteinkommens bezogen werden. Diese mit 2.000 Euro monatlich begrenzte Variante kann maximal zwölf Monate (ein Elternteil) bzw. 14 Monate (beide Elternteile zusammen) in Anspruch genommen werden.

Neu ist ein Partnerschaftsbonus, wenn sich Vater und Mutter die Betreuung annähernd zu gleichen Teilen ausmachen: Die Eltern bekommen je 500 Euro zusätzlich, wenn sie sich die Betreuung zumindest 60:40 aufteilen. Eingeführt werden soll auch der Papa-Monat namens „Familienzeit“ - aber ohne Rechtsanspruch und ohne besonderen Kündigungsschutz.

Kritik von Grünen und NEOS

Während dieser „Familienzeit“ ist nicht nur eine finanzielle Unterstützung von 700 Euro vorgesehen, die vom Kindergeldkonto abgezogen wird, auch die Kranken- und die Pensionsversicherung laufen weiter.

Sowohl nach Meinung der Grünen wie auch von NEOS enthält das Paket zwar einzelne positive Punkte, sie sehen jedoch eine große Chance für weiter gehende Reformen vertan.

Novelle des Suchtmittelgesetzes tritt in Kraft

Heute tritt eine Novelle des Suchtmittelgesetzes in Kraft. Für Dealen im öffentlichen Raum drohen künftig bis zu zwei Jahre Haft. Justiz und Polizei sehen sich gerüstet, die Dienststellen seien auf vermehrte Einsätze vorbereitet. Bereits seit gut zehn Tagen geht die Exekutive mit einer Aktion scharf gegen Dealer an den Hotspots entlang der U-Bahn-Linie 6 und dem Praterstern vor.

200 zusätzliche Festgenommene erwartet

Dadurch sei es bereits in den vergangenen Tagen zu einem Rückgang der Drogendealer gekommen, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger. Sowohl Justiz als auch Polizei wollen die Mehrarbeit der Beamten primär mittels Überstunden ableisten. Das erklärte Ziel der Exekutive ist es, Dealer aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen.

Allein in den ersten 24 Stunden nach Inkrafttreten des neuen Tatbestands rechnen die Behörden mit bis zu 200 zusätzlichen Festgenommenen. Vorgesorgt wurde so auch in der Justizanstalt Josefstadt - hier wurden zusätzliche Betten aufgestellt und Häftlinge in andere Anstalten abgesiedelt.

Sport

ÖFB: Koller eliminiert Lazaro aus EM-Kader

Unmittelbar nach dem vorletzten Testspiel der österreichischen Nationalmannschaft am Dienstagabend in Klagenfurt gegen Malta hat ÖFB-Teamchef Marcel Koller seinen Kader für die EM-Endrunde in Frankreich bekanntgegeben. Der Schweizer strich wie erwartet den 20-jährigen Valentino Lazaro von Meister Red Bull Salzburg aus dem erweiterten 24-Mann-Aufgebot. Lazaro nahm es gelassen, für ihn war die Ausbootung keine Überraschung.

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Bundesliga: Zwölferliga kommt ab 2018

Die Reform der österreichischen Bundesliga ist gestern in Klagenfurt beschlossen worden. Die oberste heimische Spielklasse wird ab der Saison 2018/19 zwölf statt zehn Teams umfassen und damit die Qualität und die Attraktivität der Liga steigern. Die zweithöchste Stufe wird von zehn auf 16 Mannschaften aufgestockt.

In der höchsten Spielklasse waren seit 1993 nie mehr als zehn Mannschaften vertreten. Damals wurde nach dem System eines Meister- und Abstiegs-Play-offs gespielt. Genaue Modusfragen müssen aber noch geklärt werden.

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French Open: Thiem in Paris in der Warteschleife

Für Dominic Thiem heißt es in Roland Garros weiter warten. Nach der wetterbedingten Absage des kompletten gestrigen Programms bei den French Open ist das Achtelfinale zwischen dem 22-jährigen Niederösterreicher und dem Spanier Marcel Granollers erneut dem Regen zum Opfer gefallen. Nach mehrmaliger Unterbrechung musste das Match gestern bei Satzgleichstand endgültig abgebrochen und auf morgen verschoben werden.

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Wirtschaft

Mit Spindelegger Ex-Finanzminister im Hypo-U-Ausschuss

Heute kommt der frühere Finanzminister, Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger als Auskunftsperson in den Hypo-Untersuchungsausschuss. Er war jener Finanzminister, der am Ende die Spaltung der Hypo in einen Verkaufsteil und die Heta als Abbauteil durchzog - nachdem die Skandalbank schon fast fünf Jahre staatlich gewesen war.

Sondergesetz gekippt

Ein Sondergesetz mit einem Schuldenschnitt aus dem Jahr 2014, für das Spindelegger verantwortlich war, wurde vom Verfassungsgerichtshof schlussendlich gekippt - als der Ex-Politiker bereits all seine politischen Ämter niedergelegt hatte.

Nach Spindelegger kommt morgen Nachmittag auch noch der Kurzzeit-Hypo-Chef Alexander Picker. Morgen, Donnerstag, ist der amtierende Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) als Zeuge an der Reihe.

OECD legt neue Wirtschaftsprognose vor

Vor dem Hintergrund einer anhaltend schwachen Weltkonjunktur legt die OECD heute ihre halbjährliche Wirtschaftsprognose vor. In einem Zwischenbericht im Februar hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Erwartungen erneut nach unten korrigiert. Sie rechnete für dieses Jahr nur noch mit einem weltweiten Wachstum von drei Prozent, um 0,3 Prozentpunkte weniger als noch im November.

Wichtige Schwellenländer wie China, Russland und Brasilien - die einstigen Hoffnungsträger und Wachstumstreiber - sind inzwischen zu Problemländern für die Weltwirtschaft geworden. Erst vergangene Woche hatten sich die führenden Industrienationen der G-7 bei ihrem Gipfel in Japan auf eine Initiative zur Ankurbelung der Konjunktur verständigt, deren konkrete Vorhaben aber unklar blieben.

EU-Kommission äußert sich im Glyphosat-Streit

Im Ringen um eine mögliche Neuzulassung des Unkrautgifts Glyphosat will sich heute die EU-Kommission äußern. Der für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis soll bei einer Pressekonferenz über den Stand des Verfahrens und weitere Schritte berichten. Das Mittel ist weit verbreitet, Kritiker warnen indes vor einer möglichen Krebsgefahr.

Die aktuelle EU-Zulassung für Glyphosat läuft Ende Juni aus. Die EU-Kommission hatte eine Neuzulassung unter bestimmten Auflagen vorgeschlagen, war damit aber im Kreis der EU-Staaten gescheitert. Dort kam bisher nicht die nötige Mehrheit zustande. Dem Vernehmen nach hat die EU-Kommission inzwischen eine Verlängerung der geltenden Zulassung für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren vorgeschlagen. Am 6. Juni sollen die Vertreter der EU-Staaten erneut über das Thema beraten.

Nowotny: Alternative zu EZB-Geldpolitik wäre gefährlich

Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny hat im Gespräch mit der „Presse“ (Mittwoch-Ausgabe) die Geldpolitik der EZB voll unterstützt. „Jede Alternative wäre sehr gefährlich“, sagte er. In einer Zeit mit niedrigen Inflationsraten und schwachem Wachstum brauche man auch eine expansive Geldpolitik.

Zu Negativzinsen für Privatkunden werde es seines Erachtens „nie“ kommen. Für Großanleger gebe es dagegen schon Negativzinsen, etwa in der Schweiz. Bargeld werde es weiter geben, solange es die Bevölkerung wünsche.

Zweites verpflichtendes Kindergartenjahr „Lieblingsreform“

Zur angekündigten „New Deal“-Politik des neuen Bundeskanzlers Christian Kern (SPÖ) will sich Nowotny im Detail nicht äußern. Langfristig am wichtigsten seien Reformen im Bildungsbereich. Seine „Lieblingsreform“ sei das zweite verpflichtende Kindergartenjahr. Im Wohnbau gebe es noch keinen wirklichen Durchbruch.

Die Hypo Alpe-Adria habe bisher dem Steuerzahler etwa sieben Milliarden Euro gekostet. Erst nach der Verwertung der Assets durch die Heta würden die tatsächlichen Kosten feststehen. Die ungebremste Expansion der Bank sei Ergebnis von massivem politischem Einfluss ohne effektive Kontrolle gewesen. „Vor allem hat aber das Land Kärnten als Eigentümer völlig in der Kontrolle versagt.“

„Garantien sind gefährlich“

Für Garantien sollte es eine klare Darstellung im Rahmen des Bundeshaushaltsrechts sowie auch eine Begrenzung der Garantievergabe von Ländern und Gemeinden geben. „Garantien sind gefährlich“, meint der Gouverneur. Erneut sprach sich Nowotny für ein Insolvenzrecht für Bundesländer aus.

Chronik

Köln entscheidet über Klage von Natascha Kampusch

Das Landgericht Köln entscheidet heute über einen Verbotsantrag von Natascha Kampusch. Diese hat eine einstweilige Verfügung gegen das Buch „Der Entführungsfall Natascha Kampusch - Die ganze beschämende Wahrheit“ beantragt. Die Pressekammer des Gerichts hat aber bereits angedeutet, dass sie dazu tendiert, den Antrag abzuweisen.

Videos von Kampusch und Priklopil

Die heute 28 Jahre alte Kampusch richtet sich gegen einen bestimmten Teil des Buches von Peter Reichard. Darin werden Videos beschrieben, die der Entführer Wolfgang Priklopil von ihr und sich gemacht hatte. Kampusch betrachtet diese Schilderung als eine Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts. Das Gericht hatte aber darauf hingewiesen, dass Kampusch in ihrem eigenen Buch ganz ähnliche Szenen beschrieben habe. Der Fall wird in Köln verhandelt, weil die Klage dort eingereicht worden ist.

Streit zwischen Autofahrern mit Beißen und Axthieben

Außergewöhnlich rabiat hat sich ein Streit zwischen zwei Autofahrern im Kanton Zürich in der Schweiz entwickelt. Ein Lieferwagenlenker biss einen Personenwagenfahrer in Ohr und Arm. Das Opfer wehrte sich mit einem Pfefferspray. Danach ließ der Kontrahent von seinem Widersacher ab und kehrte zu seinem Fahrzeug zurück.

Kurz darauf näherte sich der Lieferwagenfahrer dem Gebissenen erneut, bedrohte ihn mit einer Axt und beschädigte mit dem Werkzeug dessen Auto. Der 63-Jährige Pkw-Lenker ergriff daraufhin die Flucht.

Science

Kultur

Originalaquarell von „Der kleine Prinz“ versteigert

Ein Originalaquarell des französischen Kinderbuchklassikers „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery ist in Paris für rund 133.000 Euro versteigert worden. Ein europäischer Sammler sicherte sich gestern die ockerfarbene Tuschezeichnung, die den kleinen Prinzen mit wehendem Schal auf einer Düne in der Wüste zeigt, wie das Auktionshaus Artcurial mitteilte.

Der Wert der 28 mal 21 Zentimeter großen Zeichnung war auf 50.000 bis 60.000 Euro geschätzt worden. Verwendet wurde das Aquarell für die erste US-Ausgabe des Klassikers, der mit Weisheiten wie „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“ Millionen junge und erwachsene Leser begeisterte.

Saint-Exupery hatte „Der kleine Prinz“ 1942 im Exil in den USA geschrieben und gezeichnet. Das Buch erschien im folgenden Jahr erstmals in New York. Die Geschichte wurde inzwischen in 270 Sprachen übersetzt und mehr als 145 Millionen Mal verkauft.

Leute

Schauspieler Michael Jace wegen Mordes schuldig gesprochen

Der US-Schauspieler Michael Jace (53) ist gestern von einem Geschworenengericht in Los Angeles wegen Mordes schuldig gesprochen worden. Er war angeklagt, im Mai 2014 seine Frau April vor den Augen ihrer beiden jungen Söhne erschossen zu haben. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft fällten die zwölf Geschworenen am Dienstag nach zweistündigen Beratungen das Urteil.

Schauspieler Michael Jace

AP/Nick Ut

Das Strafmaß soll am 10. Juni verkündet werden. Jace droht eine lebenslange Haftstrafe. Der Anklage zufolge war dies ein Fall von häuslicher Gewalt.

Kinder wurden nicht verletzt

Jace soll seiner Frau zunächst in den Rücken und dann in beide Beine geschossen haben. Die Tat spielte sich vor den Augen der damals acht und fünf Jahre alten Söhne ab. Die Kinder wurden nicht verletzt.

Der Schauspieler hatte bei seiner Festnahme die Tat gestanden und angegeben, er habe seine Frau nur verletzen, aber nicht töten wollen. Seine Anwälte plädierten auf ein milderes Urteil wegen Totschlags. Jace spielte in der Serie „The Shield - Gesetz der Gewalt“ einen Polizisten und hatte kleine Rollen in Filmen wie „Forrest Gump“, „Boogie Nights“ und „Fair Game“.