Ausland

Drei Manager nach Putsch in Türkei verhaftet

Die Ermittlungen nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei richten sich nun auch gegen Vertreter der Geschäftswelt. Drei prominente Unternehmer wurden heute festgenommen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Der Chef des Boydak-Konzerns, Mustafa Boydak, sei in der zentraltürkischen Stadt Kayseri in Gewahrsam genommen worden. Auch zwei weitere Mitglieder der Unternehmensleitung, Sükrü und Halit Boydak, seien festgenommen worden. Zudem seien Haftbefehle gegen den früheren Konzernchef Haci Boydak sowie die Verwaltungsratsmitglieder Ilyas and Bekir Boydak erlassen worden.

Angebliche Nähe zu Gülen-Bewegung

Laut Anadolu stehen die Ermittlungen im Zusammenhang mit den finanziellen Aktivitäten der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Die Boydak-Holding ist im Energie- und Finanzsektor aktiv und besitzt die bekannten Möbelmarken Istikbal und Bellona.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht den in den USA lebenden Kleriker Gülen und seine Anhänger für den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli verantwortlich. Die Regierung in Ankara geht seitdem mit aller Härte gegen mutmaßliche Unterstützer des Umsturzes vor. Landesweit wurden fast 16.000 Verdächtige festgenommen, unter ihnen neben Armeeangehörigen auch Richter, Polizisten und Staatsanwälte.

Ukraine scheitert im Sicherheitsrat mit Krim-Resolution

Russland hat im UNO-Sicherheitsrat einen ukrainischen Resolutionsentwurf zu der von Moskau annektierten Halbinsel Krim blockiert. Die Forderung Kiews, die Eingliederung der Krim in russisches Staatsgebiet zu missbilligen, scheiterte am Donnerstag am Veto Russlands.

Russland hatte die bis dahin zur Ukraine gehörende Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Frühjahr 2014 annektiert. Nun gliederte Präsident Wladimir Putin die Krim zudem per Dekret in den Föderationskreis Südrussland ein. Wie der Kreml erklärte, soll damit die Arbeit der staatlichen Strukturen gestärkt werden.

Der ukrainische UNO-Botschafter Wolodimir Jelschenko sagte, in Kiew herrsche „Entrüstung“ über diesen Schritt. Er bezeichnete das Dekret als „null und nichtig“. In dem Resolutionsentwurf rief er den Sicherheitsrat auf, seinen Respekt für „die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität der Ukraine“ zu bekräftigen.

Kritik an Trump

Jelschenko forderte zudem die US-Regierung und vor allem den Nachfolger von Präsident Barack Obama auf, alle bisherigen Entscheidungen des UNO-Sicherheitsrates zur Krim „vollständig zu respektieren“.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs eine Anerkennung der Krim als Teil des russischen Staatsgebietes und die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland in Betracht zu ziehen. „Herr Trump ist noch nicht der Präsident der Vereinigten Staaten, zumindest noch nicht“, sagte Jelschenko.

Afghanische Regierung verliert zunehmend Land an Taliban

Die radikalislamischen Taliban haben in Afghanistan weiteres Territorium erobert. Das geht aus einem heute veröffentlichten Bericht des Aufsichtsgremiums des US-Senats für die Hilfe in Afghanistan (SIGAR) hervor. Die Regierung kontrolliere Ende Mai nur noch 65,6 Prozent der 407 Bezirke des Landes. Ende Jänner seien es noch 70,5 Prozent gewesen.

Unter Berufung auf US-Militärquellen heißt es weiter, 268 Bezirke seien in den Händen der Regierung, 36 in der Gewalt oder unter dem Einfluss der Extremisten und 104 Bezirke „in Gefahr“.

Über 5.000 zivile Opfer seit Jänner

Die Gewalt in Afghanistan hat seit dem Ende der NATO-Kampfmission im Dezember 2014 stark zugenommen. 2015 starben in Gefechten mit den Taliban rund 7.000 afghanische Polizisten und Soldaten, rund 14.000 weitere wurden verletzt. 2016 sollen diese Zahlen weiter gestiegen sein, wie es aus Sicherheitskreisen heißt.

Die Vereinten Nationen veröffentlichten zum Wochenbeginn neue Rekordzahlen ziviler Opfer. Laut diesen wurden zwischen Jänner und Juni 5.166 Zivilisten getötet oder verletzt - vier Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Fast ein Drittel aller Opfer waren Kinder. Die UNO zählt sehr konservativ. Für jedes Opfer braucht sie drei unabhängige Quellen.

IS veröffentlicht weiteres Video von Kirchenattentäter

Nach dem tödlichen Anschlag auf eine Kirche in Nordfrankreich hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein weiteres Video veröffentlicht, das einen der Attentäter zeigen soll.

Darin werden Präsident Francois Hollande und Regierungschef Manuel Valls direkt angesprochen. „Wir werden Euer Land zerstören“, heißt es in der Aufnahme.

Echtheit zunächst nicht überprüfbar

Das Video wurde gestern vom IS-nahen Propagandadienst Amak ins Netz gestellt. Die Echtheit des Films ließ zunächst nicht überprüfen.

Zwei radikale Islamisten hatten am Dienstag in Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie eine Kirche überfallen und den 85-jährigen Pfarrer getötet. Die beiden Angreifer wurden schließlich von der Polizei erschossen. Der IS hatte den Anschlag bereits für sich beansprucht.

Anzeigetafel in Barcelona zählt ertrunkene Flüchtlinge

Die spanische Küstenstadt Barcelona hat gestern eine digitale Anzeigetafel in Betrieb genommen, die die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge zählt. Das sei eine „Anzeige der Schande“, sagte Bürgermeisterin Ada Colau bei der Einweihung.

Anzeigetafel zeigt Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer

APA/AFP/Josep Lago

Die Anzeige startete mit 3.034 Toten. Die Zahl hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Dienstag für die ersten sieben Monate dieses Jahres bekanntgegeben.

„Das sind Menschen“

Auf der Anzeigetafel, die in der Nähe eines beliebten Strandes errichtet wurde, steht: „Das ist nicht bloß eine Zahl, das sind Menschen.“ Die Zahl der Todesopfer in diesem Jahr liegt deutlich höher als in den ersten sieben Monaten des Vorjahres.

Damals kamen laut IOM 1.917 Menschen bei der gefährlichen Überfahrt nach Europa ums Leben. Die meisten der insgesamt in Europa angekommenen Flüchtlinge stammen laut IOM aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Danach folgen Afghanen und Iraker.

Bei Biografie geschummelt? Melania Trump löscht Website

Die Ehefrau des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump sorgt binnen einer Woche erneut für Negativschlagzeilen. Nach dem Wirbel um ihre ausgerechnet bei Präsidentengattin Michelle Obama abgekupferte Rede am Parteitag der Republikaner in Cleveland verschwand nun die Website des Ex-Models aus Slowenien - vermutlich wegen falscher Angaben zu ihrem Lebenslauf.

„Die 2012 eingerichtete Website ist geschlossen, weil sie nicht mehr in angemessener Weise meine Angelegenheiten und professionellen Interessen widerspiegelt“, schrieb die Gattin des rechtspopulistischen Immobilienmilliardärs gestern im Internetdienst Twitter. Auf der Website hatte es unter anderem geheißen, sie habe ein Diplom in Design und Architektur der Universität von Ljubljana.

Laut Medienberichten hat Melania Trump aber gar keinen Abschluss gemacht. Wer nun die Website Melaniatrump.com aufruft, wird direkt auf die Geschäftsseite ihres Mannes weitergeleitet. Dort wird Trumps dritte Ehefrau, mit der er einen Sohn hat, mit keinem Wort erwähnt.

Nationalgarde für Frankreichs Anti-Terror-Kampf

Nach den jüngsten Terrorattentaten hat Frankreichs Präsident Francois Hollande gestern offiziell die Gründung einer Nationalgarde „zum Schutz der Franzosen“ angekündigt. Sie soll sich aus der operativen Reserve zusammensetzen, die aus Freiwilligen mit und ohne militärische Ausbildung besteht.

Indes ist auch in Deutschland nach den zwei islamistischen Attentaten in Ansbach und Würzburg sowie der Gewalttat in München eine Debatte über die Rolle des Militärs im Kampf gegen den Terrorismus entbrannt.

Mehr dazu in Fokus auf Militär bei Anti-Terror-Politik

Auch nach Terror: Merkel bleibt bei „Wir schaffen das“

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Anschläge von Würzburg und Ansbach als „islamistischen Terror“ verurteilt und Konsequenzen aus den jüngsten Gewalttaten in Aussicht gestellt. „Diese Anschläge sind erschütternd, bedrückend und auch deprimierend“, sagte sie gestern in Berlin. „Es werden zivilisatorische Tabus gebrochen.“

Dennoch blieb Merkel ihrer früheren Linie treu: „Ich bin heute wie damals davon überzeugt, dass wir es schaffen, unserer historischen Aufgabe - und dies ist eine historische Bewährungsaufgabe in Zeiten der Globalisierung - gerecht zu werden. Wir schaffen das.“

Mehr dazu in „Große Bewährungsprobe“

Inland

Erneut Anlauf zu Reform des Amtsgeheimnisses

Ins Dauerthema Reform des Amtsgeheimnisses wird nach dem Sommer wohl wieder etwas Bewegung kommen. Im Oktober wird sich der Verfassungsausschuss des Nationalrats in einem öffentlichen Hearing mit Experten austauschen, geht aus der nun vorliegenden Tagesordnung für die Sitzung am 6. Oktober hervor.

Laut Albert Steinhauser, Verfassungssprecher der Grünen, soll das „gleichzeitig den Auftakt für die intensiven Parteienverhandlungen“ über das Informationsfreiheitsgesetz darstellen, wie er zur APA sagte. Um das Gesetz im Verfassungsrang zu beschließen, braucht die Regierung die Stimmen entweder von Grünen oder FPÖ.

Entwurf seit November auf Eis

Der Entwurf für das Informationsfreiheitsgesetz ist mittlerweile über zwei Jahre alt, im März 2014 hat die Regierung ihn in Begutachtung geschickt. Ende 2014 übermittelte sie dem Verfassungsausschuss eine entsprechende Regierungsvorlage.

Nach einigen Verhandlungen wurde der Entwurf überarbeitet und im November 2015 noch einmal begutachtet - seitdem lag das Vorhaben im Ausschuss auf Eis. Der neue Medien- und Kanzleramtsminister Thomas Drozda (SPÖ) hatte das Gesetz zuletzt zu einem „prioritären Anliegen“ erklärt.

Sport

Europa League: Pleite und Remis für Wiener Duo

Die Hinspiele der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League haben für die Wiener Vertreter ohne Erfolgserlebnis geendet. Vor allem für die Wiener Austria rückte der Aufstieg ins Play-off mit einer Heimniederlage gegen Spartak Trnava in weite Ferne. Kurz nach der Pause verpassten die Slowaken der Austria ein „Veilchen“, von dem sich die Wiener nicht mehr erholten. Deutlich besser ist die Ausgangslage für Rapid. Die Hütteldorfer fuhren vom Duell mit Torpedo Schodsina in Weißrussland mit einer Nullnummer heim.

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Beachvolleyball: Fehlstart für Doppler/Horst

Clemens Doppler und Alexander Horst haben gestern einen Fehlstart beim Beachvolleyball-Major in Klagenfurt hingelegt. Die Österreicher verloren beide Gruppenspiele und müssen heute gegen die US-Amerikaner John Hyden und Tri Bourne in ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die K.-o.-Phase.

„Wir haben nicht ganz so in unseren Servicerhythmus gefunden, um die Gegner vom Netz fernzuhalten“, nannte Horst einen Grund für die Niederlagen.

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Wirtschaft

Japans Zentralbank lockert Geldpolitik weiter

Japans Zentralbank lockert die geldpolitischen Zügel weiter. Das entschied die Bank of Japan (BoJ) heute nach Abschluss zweitägiger Beratungen. Die Notenbank versucht, die jahrelange Deflation mit stetig fallenden Preisen dauerhaft zu überwinden und den Wachstumsmotor anzukurbeln.

Zwei Prozent Inflation als Ziel

Ihr Ziel ist eine Inflationsrate von zwei Prozent, das sie jedoch wiederholt nach hinten schieben musste. Für das laufende Fiskaljahr senkte die BoJ indes die Inflationserwartung erneut - auf 0,1 Prozent. Für das kommende Fiskaljahr rechnet sie allerdings mit einer höheren Inflation.

Die Notenbank beschloss nun, dass die Käufe von börsengehandelten Fonds (ETFs) auf jährlich sechs Billionen Yen (52 Mrd. Euro) verdoppelt werden. Die Geldbasis wird derweil weiterhin unverändert um jährlich 80 Billionen Yen (688 Mrd. Euro) ausgeweitet.

Neues Konjunkturpaket geplant

Anfangs hatte die massive Geldflut als zentraler Pfeiler der „Abenomics“ genannten Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe tatsächlich eine Erholung bewirkt, weil der Yen stark abwertete und die Ausfuhren anschob. Doch das wird nun schwieriger, der Yen hat inzwischen wieder deutlich angezogen. Die Regierung will in der kommenden Woche ein neues Konjunkturprogramm beschließen.

Afghanistan tritt WTO bei

Afghanistan ist seit heute das 164. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Die Aufnahme des Landes wurde zum 29. Juli vollzogen, nachdem Mitte Juni das Oberhaus des afghanischen Parlaments noch einige Gesetze verabschiedet hatte, die für den Beitritt nötig waren.

Unter anderem sei es um Copyright- und Tiergesundheitsfragen gegangen, wie ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Kabul bestätigte. Die WTO hatte Ende Juni bestätigt, dass das Land alle Hürden für eine Aufnahme genommen hat.

Stärkster Industriezweig zugleich illegal

Afghanistan hatte sich nach WTO-Angaben zum ersten Mal im Jahr 2004 um die Mitgliedschaft beworben. Das Land ist eines der ärmsten der Welt, seine Wirtschaft basiert vor allem auf der Landwirtschaft. Die stärkste Industrie ist der illegale milliardenschwere Mohnanbau und die Drogenproduktion.

Afghanistan ist reich an Bodenschätzen wie Kupfer, Chromeisen und Edelsteinen wie Lapislazuli, aber die sich rapide verschlechternde Sicherheitslage schreckt Investoren ab.

Bei einem WTO-Treffen am 19. Juli in Kenia hatte der afghanische Wirtschaftsminister Humajun Rasa gesagt, die WTO-Mitgliedschaft werde Afghanistan helfen, das Rechtsstaatsprinzip zu stärken, Transparenz herzustellen und die Basis für gesundes Wirtschaftswachstum zu legen.

Stellenabbau bei Microsoft größer als geplant

Der Personalabbau bei Microsoft fällt größer als geplant aus. Zur bisher vorgesehenen Streichung von 1.850 Jobs in der Smartphone-Sparte kämen in den kommenden zwölf Monaten weitere 2.850 Stellen, teilte der Softwarekonzern gestern mit. Die insgesamt 4.700 Jobs entsprechen etwa vier Prozent der Belegschaft. Microsoft kündigte bereits im Mai an, vor allem in Finnland Personal abzubauen.

Der US-Konzern hatte im Jahr 2014 den finnischen Telefonhersteller Nokia gekauft und wollte so Apple und Samsung Marktanteile streitig machen. Der Plan scheiterte aber. Konzernchef Satya Nadella will die Sparte eindampfen und setzt verstärkt auf das Internetgeschäft. Im Juni wurde bekannt, dass Microsoft das Karrierenetzwerk LinkedIn für über 26 Milliarden Dollar (ca. 23,5 Mrd. Euro) kaufen will.

Gratisobst soll in Großbritannien Kunden binden

Im erbitterten Kampf gegen die Konkurrenz setzt der britische Supermarktkonzern Tesco auf eine neue Waffe: Gratisobst für Kinder. Das Angebot werde es in über 800 Märkten geben, teilte das britische Unternehmen heute mit.

Laut der Supermarktkette können sich Kinder und Jugendliche im Alter unter 16 Jahren an einem Stand einen Apfel, eine Mandarine oder eine Banane abholen, wenn sie von einem Erwachsenen begleitet werden. Wie viel die Aktion kostet, gab Tesco nicht bekannt.

Billigkonkurrenz aus Deutschland

Der Konzern steht unter anderem wegen der Billigkonkurrenz aus Deutschland - wie Aldi und Lidl - und eines Bilanzskandals unter Druck. Firmenchef Dave Lewis setzt deswegen auf niedrigere Preise und besseres Kundenservice.

Die Strategie trägt offenbar erste Früchte: Im Juni gab Tesco bekannt, dass die Umsätze in Großbritannien im zweiten Quartal in Folge stiegen. Die Aktie hat dennoch innerhalb eines Jahres mehr als ein Viertel ihres Wertes verloren.

ÖBB übernehmen Nachtzüge in Deutschland

Trotz Streichungen durch die Deutsche Bahn (DB) werden Reisende auch künftig Nachtzüge mit Schlaf- und Liegewagen in Deutschland nutzen können. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) wollen offenbar zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember den Großteil der Verbindungen ersetzen, die die Deutsche Bahn (DB) aufgibt.

Das geht aus internen Unterlagen hervor, in denen die Trassenanmeldungen für den Nachtzugsverkehr im kommenden Jahr dokumentiert sind. Sie liegen dem deutschen Bundestagsabgeordneten und Bahnexperten Matthias Gastel (Die Grünen) vor. Nach dpa-Informationen soll das neue Nachtzugskonzept im September offiziell vorgestellt werden.

Drei Euronight-Züge täglich

Die ÖBB werden nach den vorliegenden Trassenanmeldungen täglich drei Euronight-Züge (EN) mit Schlaf-, Liege- und Sitzwagen zusätzlich durch Deutschland fahren lassen. Sie sollen auf folgenden Strecken unterwegs sein: Düsseldorf - Köln - Frankfurt - München - Innsbruck, Hamburg - Berlin - Frankfurt - Karlsruhe - Basel und Hamburg - Hannover - Würzburg - München - Innsbruck.

Auch für die Achse Basel - Zürich - Prag ist ein Nachtzug vorgesehen. Sechs andere Nachtreisezüge der ÖBB mit Teilabschnitten in Deutschland sollen unverändert verkehren. Keine Informationen lagen Gastel zu den Nachtverbindungen von München nach Mailand, Venedig und Rom vor.

Beide Bahngesellschaften wollten zu den Strecken keine Auskunft geben. „Das Nachtzugssegment ist interessant für uns, wir wollen es ausbauen“, sagte ein ÖBB-Sprecher auf Anfrage. Konkrete Verbindungen könnten noch nicht genannt werden. „Wir rechnen damit, dass wir im Herbst Nägel mit Köpfen machen können“, fügte er hinzu.

Heimisches Wirtschaftswachstum leicht abgeschwächt

Österreichs Wirtschaft ist im zweiten Vierteljahr etwas schwächer gewachsen. Im Zeitraum April bis Juni lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real um 0,3 Prozentpunkte über dem Vorquartal, zu Jahresbeginn hatte der Anstieg noch 0,4 Prozentpunkte betragen. Im Jahresabstand wuchs das BIP zuletzt real um 1,2 Prozentpunkte nach plus 1,7 Prozentpunkte im ersten Quartal.

Die größten Wachstumsimpulse gingen erneut von der Binnennachfrage aus - sowohl der Konsum als auch die Anlageinvestitionen wurden ausgeweitet, erklärte das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) heute in seiner Schnellschätzung zum BIP im zweiten Quartal.

Mit dem Wachstum von 0,3 Prozentpunkten habe sich die aufwärtsgerichtete Grunddynamik der Konjunktur leicht verlangsamt fortgesetzt. Im ersten Quartal 2016 und im vierten Quartal 2015 betrug das Quartalswachstum der Wirtschaftsleistung jeweils 0,4 Prozentpunkte, in den Vierteljahren davor jeweils 0,3 Prozentpunkte.

Bankenstresstest: Aufseher veröffentlichen Ergebnisse

Heute Abend legt die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Resultate der diesjährigen Bankenstresstests vor. Die Stressannahmen variierten von Land zu Land. Dabei sahen sich österreichische Großbanken - auch wegen Osteuropa - härter auf die Probe gestellt als die Konkurrenz.

51 EU-Institute aus 16 Ländern

Die Banken müssen beweisen, wie sie eine mehrjährige Krise überstehen können, ohne dass zu viel Kapital aufgezehrt würde. Dem Belastungstest mussten sich diesmal 51 EU-Institute aus 16 Ländern stellen.

37 Großbanken aus der Euro-Zone sind darunter, unter ihnen aus Österreich Erste Group und RZB (Raiffeisen Landesbanken Holding). Mit neun Großbanken ist die deutsche Bankenlandschaft am stärksten vertreten, aus Italien mussten fünf Institute in den Test.

Chronik

Tote bei Explosion in ukrainischem Munitionswerk

Bei einer Explosion in einem Munitionswerk in der Ukraine sind mindestens drei Arbeiter getötet und zwei verletzt worden.

Die Detonation im Gebiet Sumy habe sich beim Entladen von Munition ereignet, die vernichtet werden sollte, teilte die Militärstaatsanwaltschaft in der Hauptstadt Kiew heute mit.

Die genaue Ursache des Vorfalls in einem Testwerk des Rüstungskonzerns Ukroboronprom werde untersucht. In der Ex-Sowjetrepublik Ukraine kommt es immer wieder zu ähnlichen Unfällen. Gründe sind oft ein Verstoß gegen Sicherheitsbestimmungen oder veraltete Anlagen.

Religion

Papst Franziskus begann Besuch in Auschwitz

Papst Franziskus ist heute zu einem Besuch im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz eingetroffen. Er durchschritt allein das Eingangstor des früheren Stammlagers, über dem der zynische Spruch „Arbeit macht frei“ steht. In Birkenau, dem eigentlichen Vernichtungslager von mehr als 1,1 Millionen vor allem jüdischer Häftlinge, trifft Franziskus anschließend Holocaust-Überlebende.

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IT

Facebook droht in Steuerstreit Milliardenzahlung

Wegen seiner umstrittenen Steuerpraktiken droht Facebook in den USA womöglich eine milliardenschwere Steuernachzahlung. Nach einer Kontenprüfung sei die Steuerbehörde IRS zu der Einschätzung gekommen, dass das Soziale Netzwerk sein Vermögen im Jahr 2010 zu niedrig angegeben habe, als es Geschäftsteile nach Irland verlagert habe, schrieb das Unternehmen in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC.

Sollte diese Entscheidung auf die Folgejahre übertragen werden, könnte Facebook eine Steuernachforderung zwischen drei und fünf Milliarden Dollar (bis zu 4,5 Mrd. Euro) drohen. Das Unternehmen erklärte allerdings zugleich, die Einschätzung der Steuerbehörde nicht zu teilen, und kündigte an, dagegen gerichtlich vorzugehen. Die IRS nahm die Bücher von Facebook aus den Jahren 2008 bis 2013 unter die Lupe.

Steuerbehörde fordert Herausgabe von Dokumenten

Anfang Juli war bekanntgeworden, dass die IRS eine Klage vor einem Gericht in San Francisco gegen Facebook eingereicht hatte. Darin ging es um die Herausgabe von Dokumenten zu den Rechten und Vermögenswerten, die an die irische Filiale des Internetriesen transferiert wurden.

Facebook und anderen US-Internetriesen wie Amazon, Apple und Google wird regelmäßig in den USA wie in Europa vorgeworfen, ihre Steuerzahlungen mit Hilfe von Niederlassungen in Niedrigsteuerländern drastisch zu senken. Irland wird häufig als Sitz für das Europageschäft gewählt, weil der Steuersatz auf Gewinne der europaweit niedrigste ist.

Kultur

„Deckname Holec“: Zilk in den Fängen der Geheimdienste

Dicke Autos, Sexszenen, zwielichtige Gestalten, viel Alkohol und Zigarettenrauch: Regisseur Franz Novotny („Exit - Nur keine Panik“) hat die Affäre um den ehemaligen ORF-Fernsehdirektor und Wiener Bürgermeister Helmut Zilk zu einem Agentenfilm im Stile der 1960er Jahre verarbeitet.

Die Grundlage für „Deckname Holec“ bilden die Enthüllungen des „profil“-Journalisten Helmut Lackner. 2009 förderte er Akten ans Licht, die belegen, dass Zilk ab Mitte der 1960er als Informant für den tschechoslowakischen Geheimdienst tätig war - geführt unter dem Tarnnamen „Holec“.

„Küss die Hand. Zilk, Helmut Zilk“

Novotny lässt seinen Film mit einer Affäre beginnen. 1964 lernt Zilk (Johannes Zeiler) im Rahmen der vom ORF und dem Tschechischen Rundfunk veranstalteten „Stadtgespräche“ in Prag die aufstrebende Schauspielerin und Sängerin Eva (Vica Kerekes) kennen.

Filmszene aus "Deckname Holec"

Thimfilm

Er stellt sich mit den Worten „Küss die Hand. Zilk, Helmut Zilk“ vor, was beim Zuseher für einen James-Bond-Moment sorgen soll. Eva ist eigentlich mit Honza Nemec zusammen, einem rebellischen Avantgarde-Regisseur, der im Dauerkonflikt mit dem Regime steht.

Zwischen Integrität und Erpressung

Am Rande der „Stadtgespräche“ lernt Zilk auch den Geheimdienstmann Nahodil (David Novotny) kennen. So entspinnt sich nach einer Liebes- auch eine Spionageaffäre um Zilk. Getrieben von einer Mischung aus Eitelkeit und Neugierde gerät er immer tiefer in die Fänge des Geheimdienstes.

Prall gefüllte Geldkuverts und exquisite Geschenke wie ein Kristallluster machen ihn erpressbar, die Affäre mit Eva bedroht seine Ehe. Als im Jahr 1968 sowjetische Truppen in die Tschechoslowakei einmarschieren und den Reformer Alexander Dubcek stürzen, fordert der Geheimdienst schließlich einen ultimativen Gefallen von Zilk.

Schmäh führen in der Sauna

Novotny bemüht sich, die Atmosphäre der 1960er authentisch wiederzugeben. Er zeigt eine von Männern dominierte Welt, lässt Zilk und seine einflussreichen Freunde (vom Polizeipräsidenten abwärts) in der Herrensauna, im Boxclub und bei der Tarockrunde Schmäh führen und nebenbei Staatsgeheimnisse austauschen.

Dass sich sein Film nur lose an den historischen Fakten orientiert, brachte Novotny auch Kritik ein. „Bei einem Spielfilm steht die künstlerische Deutung im Vordergrund und nicht die sklavische Nacherzählung“, begründet er seinen Schritt. Die sei einem Dokumentarfilm überlassen, sagte der Regisseur gegenüber Ö1 - mehr dazu in oe1.ORF.at. (cppp, ORF.at)

Jesse Owens: Der Leichtathlet, der Hitler ärgerte

Jesse Owens wurde mit vier Goldmedaillen zur Sensation der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin - die Nazis waren von der überlegenen Darbietung des schwarzen US-Leichtathleten nur bedingt begeistert, zerbröselte doch vor den Augen der Weltöffentlichkeit die Theorie einer überlegenen weißen Herrenrasse. Mit „Zeit für Legenden“ kommt der historische Stoff rund um den Sensationssportler nun als Spielfilm in die Kinos. Trotz der bemerkenswerten Geschichte des Jesse Owens ist die Verfilmung ein etwas gar gekünsteltes Machwerk, das leider nur wenig über Owens aussagt.

Mehr dazu in Brisantes Sportereignis als zahmer Spielfilm

Leute

US-Sängerin Mary J. Blige lässt sich scheiden

Die amerikanische Sängerin Mary J. Blige (45, „No More Drama“) lässt sich nach zwölfjähriger Ehe von ihrem Manager und Ehemann Kendu Isaacs scheiden. Das bestätigte ihre Sprecherin Karynne Tencer gestern.

Der R&B-Star sei über diesen Schritt traurig, aber „manchmal gehen Dinge nicht so, wie man es sich erhofft“, hieß es in der Mitteilung. Tencer zufolge werde Blige weiter an einem Album arbeiten, das noch in diesem Jahr erscheinen soll.

Isaacs brachte drei Kinder in die 2003 geschlossene Ehe ein, gemeinsame Kinder hatte das Paar nicht. Der Trennungsgrund wurde nicht bekannt. Die neunfache Grammy-Preisträgerin zählt durch Hits wie „Family Affair“, „Be Without You“, „Real Love“ und „Just Fine“ zu den erfolgreichsten R&B-Sängerinnen. 2014 brachte sie mit „The London Sessions“ ihr zwölftes Studioalbum heraus.

Panorama