Serbien: Nikolic führt überraschend bei Stichwahl
Der Chef der oppositionellen Serbischen Fortschrittlichen Partei (SNS), Tomislav Nikolic, führt nach ersten vom Belgrader Zentrum für Freie Wahlen und Demokratie (CESID) veröffentlichten Trends bei der Stichwahl für das serbische Präsidentenamt. Der Chef der Demokratischen Partei, Boris Tadic, wäre demnach geschlagen. Nikolic kommt auf 50 Prozent der Stimmen, Tadic auf nur 47,4 Prozent.
Alle Umfragen hatten Tadic einen haushohen Sieg vorausgesagt. In die Hochrechnung sind die Wahlergebnisse des Kosovo noch nicht einbezogen. Laut dem CESID-Mitarbeiter Marko Blagojevic können die Kosovo-Ergebnisse das Wahlergebnis aber nicht mehr wesentlich beeinflussen. Die staatliche Wahlkommission wird die Wahlergebnisse womöglich erst morgen Vormittag veröffentlichen, wenn auch die Stimmzettel vom Kosovo ausgezählt sind.
Die Wahl war mit unerwartet niedriger Wahlbeteiligung zu Ende gegangen. Eine Stunde vor Schließung der Wahllokale wurde der Anteil mit 41,5 Prozent angegeben. Abstimmungsberechtigt waren 6,7 Millionen Wähler. Eine geringere Wahlbeteiligung soll nach Darstellung der Statistiker Nikolic nützen.
Tadic warnte vor Nikolic
Nikolic, der einstige Ultranationalist, der seit knapp vier Jahren eine proeuropäische Politik vertritt, gilt als großer Unbekannter. Tadic warf Nikolic zuletzt vor, sein Richtungswechsel hin zur EU sei nur vorgeschoben. Nikolic kommt aus dem ultranationalistischen Lager und gehörte zur Regierungskoalition um den inzwischen verstorbenen Ex-Staatschef Slobodan Milosevic, als die NATO 1999 mit Bombenangriffen auf Serbien in die Balkankriege eingriff.
Zudem wäre der Kurs der Versöhnung mit den Nachbarn des ehemaligen Jugoslawiens gefährdet, den das Land seit dem Ende der Herrschaft Milosevics im Jahr 2000 vorantreibt, mahnte Tadic. Die EU hat eine Verbesserung der Beziehungen Serbiens zum Kosovo zur Bedingung für Aufnahmegespräche gemacht.
